Blick in die Produktionshalle der Compleo Charging Solutions AG, allerdings vor Corona-Zeiten. Heute tragen die Mitarbeiter Gesichtsmaske. © Hering
Corona-Pandemie

Neue Beschlüsse: Dortmunder Unternehmen ist der Politik eine Nase voraus

Das Risiko Büro ist vielen Dortmunder Unternehmen in Zeiten von Corona bewusst. Homeoffice ist dort Alltag. Strengere Vorgaben würden bei der Compleo AG allerdings nicht viel ändern.

Bundespräsident Steinmeier hat jüngst an die Unternehmen appelliert, mehr Homeoffice zuzulassen, um im Kampf gegen das Coronavirus Kontakte auch an den Arbeitsstätten zu verringern. Bundesarbeitsminister Hubertus Heil verpflichtet Unternehmen sogar zum Homeoffice, dort wo es die Produktion erlaubt.

Bei vielen Unternehmen in Dortmund trägt man mit einer Verschärfung der Homeoffice-Regeln Eulen nach Athen. Wie etwa bei der Compleo Charging Solutions AG, seit über elf Jahren einer der führenden Hersteller von Ladestationen für Elektroautos mit Sitz in Brackel. Dort hat sich im Vergleich zum ersten Lockdown bereits vieles verändert.

Inzwischen arbeiten 70 bis 75 Prozent der rund 240 Mitarbeiter, die sonst im Gewerbegebiet an der Obersten-Wilmsstraße ihrem Job nachgehen, von zu Hause aus. „Das war im letzten Frühjahr noch nicht der Fall“, sagt Personalleiterin Julia Laukamp.

Anfangs habe man organisatorische Fragen lösen müssen: „Welche IT-Ausstattung steht den einzelnen Mitarbeitern zur Verfügung? Was muss bestellt werden? Wer sollte von zu Hause arbeiten und wer muss am Standort bleiben?“

Anfangs schleppender Übergang

Deshalb sei der Übergang zunächst etwas schleppend gewesen, und mit den Lockerungen nach dem ersten Lockdown seien im Sommer auch wieder mehr Beschäftigte in die Büros zurückgekehrt, so die Personalleiterin. „Doch seit Anfang des Jahres haben wir gesagt: Bleibt bitte weitgehend zu Hause, kommt nicht ins Büro, und wenn, sprecht es mit der Führungskraft ab.“

Julia Laukamp, Personalchefin beim Dortmunder Ladesäulen-Hersteller Compleo Charging Solutions AG.
Julia Laukamp, Personalchefin beim Dortmunder Ladesäulen-Hersteller Compleo Charging Solutions AG. © Hering © Hering

Inzwischen, sagt Julia Laukamp, verfüge jeder über die notwendige Hardware. Jetzt gehe es um die Frage, wie lange es dauern werde, bis genügend Menschen in Deutschland sowie in Firmen durchgeimpft sind und der normale Alltag einkehrt.

Auch der Fertigungsbereich wurde entzerrt. Laukamp: „Wir arbeiten dort jetzt in zwei Schichten. Dort, wo es die Handgriffe ermöglichen, werden die Schichten auseinandergezogen.“

Nicht einmal zehn Corona-Infizierte hat es seit Beginn der Pandemie im Unternehmen gegeben. „Diese Fälle waren auch nicht im sensiblen Produktionsbereich“, sagt die Personalleiterin. Die Betroffenen seien sehr verantwortungsvoll und transparent damit umgegangen und auch nur bei Verdacht einer Infektion trotz wichtiger Termine zu Hause geblieben.

Produktion und Verwaltung getrennt

Ohnehin achte Compleo darauf, dass sich der Produktionsbereich unten in der Halle sehr selten mit der Verwaltung in den höher gelegenen Büros mischt. Der Pausenraum ist nur sehr eingeschränkt nutzbar.

Mundschutz-Masken werden der Belegschaft bei Compleo kostenlos am Standort zur Verfügung gestellt. Wer vor Ort ist, kann sich seit Ende Oktober/Anfang November wöchentlich freiwillig testen lassen.

Homeoffice, Ausstattung mit FFP2-Masken, Testungen und Schichtbetrieb – alles Forderungen von Arbeitsminister Hubertus Heil, die Compleo bereits umgesetzt hat. Deshalb kann das Unternehmen gelassen einer Verschärfung der Regeln entgegensehen. Laukamp: „Bei uns gibt es nur noch Einzelfälle, die ins Büro kommen, obwohl das nicht zwingend erforderlich ist.“

Kollegen-Plausch vermisst

Die Rückkoppelung aus der Belegschaft sei gut, sagt die Personalchefin, doch jeder habe damit zu kämpfen, dass der direkte Kontakt zu den Kollegen fehle. Kein Smalltalk und kein Kaffeeplausch in der Büroecke. Compleo will dieses Jahr auf 360 Mitarbeiter wachsen. Für die Neuen sei es wichtig, aber schwierig, sich aktuell in die Belegschaft einzuweben, so Laukamp.

Auch gebe es unterschiedliche Voraussetzungen im Homeoffice. Die einen sitzen im Wohnzimmer oder am Küchentisch, die anderen haben zu Hause ein ausgestattetes Büro. Hinzu kommt für manche die Doppelbelastung durch die Kinderbetreuung. Julia Laukamp: „Hier müssen wir alle zusammen anpacken, um das Gute-Laune-Barometer weiter hochzuhalten.“

Über die Autorin
Redaktion Dortmund
Stellvertretende Leiterin der Dortmunder Stadtredaktion - Seit April 1983 Redakteurin in der Dortmunder Stadtredaktion der Ruhr Nachrichten. Dort zuständig unter anderem für Kommunalpolitik. 1981 Magisterabschluss an der Universität Bochum (Anglistik, Amerikanistik, Romanistik).
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Gaby Kolle

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