Neue Ausstellung verwandelt Kunstverein Dortmund in öffentliches Aquarium

dzPerformance

Hinter der Glasfassade des Dortmunder Kunstvereins spielen sich aktuell für ungeübte Augen skurrile Szenen ab. Die neue Ausstellung soll ein Spiegel werden für die Menschen und ihren Verfall.

von Daniel Reiners

Dortmund

, 03.09.2020, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Glasfassade des Gebäudes rund um den Dortmunder Kunstverein (neben dem Eingang des Dortmunder U) wird ab Donnerstagabend (3.9.) einen völlig neuen Zweck erfüllen.

Im Inneren des Gebäudes werden sich dann in eine Installation integrierte Performance-Szenen abspielen, die den Kunstverein zu einer Art voyeuristischem Aquarium werden lassen sollen.

Mit „Lina Hermsdorf: Being a Vertebrate“ präsentiert die neue Leiterin des Dortmunder Kunstvereins Rebekka Seubert ihre erste Ausstellung und gibt gleichzeitig einen Ausblick auf die kommenden Wochen.

„In der Corona-Zeit wurden wir alle zu einer Pause gezwungen“

Die Ausstellung, die ab 19 Uhr mit einer ersten Performance durch die namensgebende Künstlerin Lina Hermsdorf und Tänzerin Jessi Jing eingeweiht werden soll, besteht materiell gesehen aus sorgsam angeordneten Gewächshauslampen und einem zentral positionierten Aquarium, welches eine besondere Fischart beherbergt.

Der in Ostafrika beheimatete Killifisch kann bei extremer Trockenheit seinen Energiebedarf so weit herunterfahren, dass seine Entwicklung aussetzt und sein Alterungsprozess gänzlich aufgehoben wird. Dieser Zustand nennt sich Diapause. Im Kunstverein werden Vertreter dieser Fische sowohl im lebendigen, als auch im Embryonalzustand zu sehen sein.

Die Räumlichkeiten des Dortmunder Kunstvereins werden aktuell zu einem Ort zwischen Wachstum und Stagnation. Symbolisch dafür steht der wundersame ostafrikanische Killifisch.

Die Räume des Dortmunder Kunstvereins werden aktuell zu einem Ort zwischen Wachstum und Stagnation. Symbolisch dafür steht der wundersame ostafrikanische Killifisch. © Roland Baege

Das Anliegen der von Hermsdorf und Jing präsentierten Performance sei es, diese Beziehung von Wachstum und Stagnation durch menschliche Bewegung sozusagen unter der Lupe sichtbar zu machen; so weit, dass sie auf den Menschen übertragen und also für den Menschen sichtbar wird.

„In der Corona-Zeit wurden wir alle in irgendeiner Weise gezwungen, eine Pause einzulegen“, so Kunstverein-Leiterin Seubert. „Allerdings ist es unserem menschlichen Organismus nicht möglich, sich in Krisensituation einfach auszuknipsen.“

Die interessante Frage sei also, wie der Mensch mit Themen wie Krise, Wachstum und Stagnation umgehe; wie er diese erlebe oder aber wie er diese neu erleben könne.

Zuschauer und Passanten werden zu Beobachtern von skurrilen Szenen

Ausgangspunkt der Ausstellung ist die Glasfassade des Kunstvereins, nämlich als Unmöglichkeit des Austausches zwischen Innen und Außen. Die Besucher werden sich das ungewöhnliche Spektakel lediglich von außen ansehen können; daran also weder teilhaben, noch den eigenen Energiebedarf in irgendeiner Form ausschalten können.

Es bleibt letztendlich nur die Beobachtung von ungewöhnlichen Szenen, wie etwa dem tänzerischen Dialog Jings mit einem der Killifische im zentral positionierten Aquarium. Dem kleinen Aquarium im großen.

Info

Die Ausstellung

  • Die neue Ausstellung "Lina Hermsdorf: Being A Vertebrate" im Dortmunder Kunstverein startet am 3.9. um 19 Uhr mit einer Einführung duch Rebekka Seubert sowie anschließender Performance durch Lina Hermsdorf und Jessie Jing.
  • Weitere Termine sind: 5.9. um 14 Uhr: Performance durch Lina Hermsdorf und Jessie Jing
  • 27.9. um 15 Uhr: Kuratorinnenführung durch Rebekka Seubert
  • 8.10. um 19 Uhr: Dialogische Führung durch die Ausstellung mit Rebekka Seubert und Biologe Dario Riccardo Valenzano; anschließende Filmvorführung um 20:00 Uhr im Kino des Dortmunder U: "Donna Harraway Story Telling For Earthly Survival"
  • 11.10. um 16 Uhr: Finissage
  • Nähere Informationen zur Ausstellung und zum Dortmunder Kunstverein sind zu finden unter www.dortmunder-kunstverein.de.
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