Neue Airline will am Flughafen Dortmund ihre erste Basis eröffnen

dzCarinair Malta

Die Pläne sind schon zwei Jahre alt, doch Hans Hekker, Co-Gründer der neuen Regionalfluggesellschaft Carinair Malta, ist zuversichtlich, noch in diesem Jahr Flüge von Dortmund zu starten.

Dortmund

, 04.03.2019, 12:39 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die inzwischen pleitegegangene Fluggesellschaft Air Berlin war die Letzte, die eine Basis am Dortmunder Flughafen unterhalten hat. Sie wurde zum 1. November 2012 geschlossen. Jetzt nimmt eine neu gegründete Airline samt Wartungsstation Kurs auf Dortmund: Carinair Airlines Malta will noch in diesem Jahr, so Co-Gründer Hans Hekker gegenüber dieser Redaktion, in Dortmund an den Start gehen.

Die Flüge vom Dortmund-Airport gingen hauptsächlich nach Osteuropa und die Türkei. Carinair wolle die wichtigen Business-Destinationen anbieten wie Prag, Wien, Mailand, Paris, Madrid, Lissabon und Moskau. Hekker: „Wenn Sie von Dortmund nach Kopenhagen fliegen wollen, geht das jetzt nur mit Umsteigen in München.“ Geplant seien zwei Flüge pro Tag zu einer Destination.

Auf der Suche nach Investoren

Allerdings ist noch eine nicht unerhebliche Hürde zu nehmen. „Wir sind schon länger dran“, räumt Hekker auf Nachfrage ein, „Und waren eigentlich schon so weit.“ Doch der ausgewählte Flugzeugtyp habe sich als ungeeignet herausgestellt. Er verbrauche am Ende 50 Prozent mehr Sprit als kalkuliert, und konnte nicht vor 2022 beliefert werden. „Das hat nicht geklappt. Jetzt suchen wir neue Investoren.“

Benötigt werden 1,3 bis 1,4 Milliarden Euro; denn man wolle relativ schnell auf eine Flottenstärke von 26 Flugzeugen wachsen. Vier bis fünf Maschinen davon sollen in Dortmund stationiert werden, so Hekker. Die Gespräche mit Geldgebern würden laufen. Sobald die Finanzierung stehe, könne man innerhalb von sechs Monaten nach Erteilung des Luftverkehrsbetreiberzeugnisses (AOC) – das ist die Voraussetzung für eine Betriebsgenehmigung – von Dortmund abheben. Hekker geht davon aus, dass das noch in diesem Jahr gelingt.

Flughafengesellschaft drückt Gründern die Daumen

Es sei ein guter Zeitpunkt, um nun mit der neuen Airline auf den Markt zu gehen, sagt Hekker. Dortmund benötige als Technologie-Standort eine gute Verkehrsinfrastruktur, auch in der Luft. Carinair habe die Unterstützung der Industrie.

Der Dortmunder Flughafenchef Udo Mager bestätigt, dass das Gründungsvorhaben Carinair seit dem ersten Aufschlag vor zwei Jahren von der Wirtschaftsförderung, der Industrie- und Handelskammer (IHK) und der Flughafengesellschaft begleitet wird: „Unser Standort steht Unternehmensgründungen offen gegenüber.“ Aktuell gebe es zwar keine Kommunikation zu dem Thema, „aber wir drücken den beiden Gründern die Daumen. Wir sind da und bereit.“

Luftfahrtexperte sieht gute Chancen für das Vorhaben

Volker Thomalla, Luftverkehrsexperte und Chefredakteur des Branchendienstes „aerobuzz.de“, räumt der Neugründung durchaus Chancen ein, auch wenn er die angepeilte Flottenstärke von 26 Flugzeugen für ehrgeizig hält: „Das ist eine wohlüberlegte Geschichte mit einem tragfähigen Konzept.“ Die mittelständische Wirtschaft im Blick wolle Carinair günstig sein. Aber nicht so günstig wie andere Billigflieger. Dafür wolle man dann mehr an Komfort bieten.

Carinair habe sich mit Dortmund einen guten Standort ausgesucht, da er nicht im Fokus anderer Fluggesellschaften stehe, so Thomalla weiter. Auch der Zeitpunkt sei ein guter, da Eurowings als großer Wettbewerber mit sich selbst beschäftigt sei und Laudamotion dabei sei, Strecken der insolvent gegangenen Airline Germania zu plündern.

Bezahlung mit Krypto-Währung soll möglich werden

Das Risiko für Neugründungen wie Carinair sei, dass in dem Augenblick, in dem neue Strecken gut laufen und damit interessant werden, größere Airlines sie auch bedienen – mit größeren Maschinen und günstigeren Preisen. Hekker: „Mit diesem Preiskampf wurden Airlines kaputtgemacht.“ Wenn Carinair Nischen entdecke und sie gut besetze, habe die Fluggesellschaft eine gute Startchance.

Neben mehr Platz zwischen den Sitzen will Carinair freies Wlan an Bord bieten und als erste „cryptofriendly“ Airline die Bezahlung in Krypto-Währung ermöglichen.

Lesen Sie jetzt
Lesen Sie jetzt