Neubauprojekte an der B1: Anwohner fürchten Verkehrshorror

dzBürgerinitiative

„Quartier KarLi“ nennt sich eine junge Nachbarschaftsinitiative in der südlichen Dortmunder Innenstadt. Sie fordert ein geeignetes Verkehrskonzept rund um große Neubauprojekte an der B1.

Südost-Stadt

, 06.02.2020, 14:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Erweiterung der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL) an der B1 können sie nicht verhindern, das wissen sie. Ebenso wenig das neue Hotel mit 19 Etagen auf dem ehemaligen DSW21-Betriebshofgelände an der Ophoff-Kreuzung. Sie können damit leben, sagen sie.

Was den Menschen rund um die Karl-Liebknecht-Straße im Südosten der Dortmunder Innenstadt aber Angst macht, ist der Verkehr, den die neue Situation mit sich bringen wird. Deshalb haben sie sich jetzt zur Nachbarschaftsinitiative „Quartier KarLi“ zusammengeschlossen.

Sie fordern ein durchdachtes Verkehrskonzept, das die Belange der Bewohner in dem an sich beschaulichen Wohngebiet südlich der B1 angemessen berücksichtigt.

Neubauprojekte an der B1: Anwohner fürchten Verkehrshorror

Direkt an der B1 soll der sechsgeschossige Neubau entstehen. © Susanne Riese

Die „KarLi“-Mitglieder fürchten, dass durch den geplanten sechsgeschossigen Neubau der KVWL zwischen B1, Karl-Liebknecht- und Robert-Schimrigk-Straße noch mehr Autos und Lieferfahrzeuge durch ihre Straßen drängen und sich die Parkplatznot weiter verschärft.

Die Anwohner seien schon heute stark belastet und fürchteten um die Sicherheit der Kinder und Radfahrer durch zu schnell fahrende Beschäftigte und Anlieferverkehr über die Wohnstraßen. Es kämen täglich mehr Autos ins Viertel, als Parkplätze vorhanden sind. Neue Wohnungen und die Seniorenresidenz an der Klever Straße haben nicht gerade zur Entspannung beigetragen.

Müllabfuhr kommt nicht mehr durch

Falschparker verengten teilweise die Fahrbahnen derart, dass die Müllabfuhr nicht durchkommt. „Das bedeutet dann auch ein Problem für Rettungsfahrzeuge“, sagt Barbara Wendling, Sprecherin der Nachbarschaftsinitiative. Vor allem vormittags und mittwochabends, wenn bei der KV Weiterbildungen stattfinden, seien auch Einfahrten und Kreuzungen hoffnungslos zugestellt.

Neubauprojekte an der B1: Anwohner fürchten Verkehrshorror

Auch der Lieferverkehr ist ein Thema im Wohngebiet. © Susanne Riese

Die geplante Tiefgarage mit rund 160 kostenpflichtigen Mitarbeiter-Stellplätzen werde das kaum verhindern können. Unklar sei auch die Wegeführung. Schlimmstenfalls würde die direkte Zufahrt von der B1 über die Robert-Schimrigk-Straße verbaut und dann vielleicht noch die Durchfahrtssperre zur Rosa-Luxemburg-Straße aufgehoben, befürchten die Anwohner.

Die KVWL hält sich mit Aussagen zur Planung noch zurück. „Wir befinden uns in der Vorentwurfsphase“, sagt Sprecherin Vanessa Pudlo, „es gib noch kein finales Modell.“ Im Frühjahr sollen die Pläne der Vertreterversammlung und anschließend der Stadt vorgestellt werden.

Der Baubeginn war für Anfang 2021 geplant. Wenn das klappt, könnte der Neubau Anfang 2023 fertig sein.

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„Jetzt bestünde die einmalige Chance, sich Gedanken über eine vernünftige Verkehrsführung zu machen“, sagt Volker Geißler von der Interessengemeinschaft. Zumal die Kreuzung Märkische Straße/B1 saniert werden soll.

Die Erweiterung zum KVWL-Campus, zu der neben Arbeitsplätzen für rund 200 Mitarbeit auch ein Seminarzentrum gehört, könnte sonst die Lage im Viertel eskalieren lassen, fürchten die Anwohner.

Umso mehr, da mit Einrichtung der Baustelle auch Parkflächen wegfallen. Derzeit hat die KVWL zur Entlastung einen Platz auf der Brache an der Kreuzung Märkische Straße/B1 angemietet. Aber auch das ist nur eine Lösung auf Zeit, da dort der neue Hotelturm entstehen soll.

Bürger wünschen sich mehr Informationen

Die junge Initiative hat sich deshalb Ende Januar mit der Bitte um Hilfe an die Bezirksvertretung Innenstadt-Ost gewandt. Sie wünschen sich mehr Geschwindigkeitskontrollen und mehr Tickets für Falschparker.

An die Bauträger appellieren sie, die Belange der Anwohner zu berücksichtigen.

Im Juli 2019 hatte es bei der KVWL eine gut besuchte Info-Veranstaltung zum geplanten Erweiterungsbau gegeben. Seitdem ist der Informationsfluss versiegt, kritisiert „KarLi“-Mitglied Thomas Hauffe. Die Anwohnerinitiative würde gern den Dialog wieder aufnehmen.

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