Die Neubaupläne der KVWL für einen „Campus“ an der B1 erhitzen die Gemüter: Anwohner fürchten noch größeres Parkchaos. Nach einer ersten Infoveranstaltung ist ihre Skepsis eher gestiegen.

Südost-Stadt

, 05.07.2019, 18:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Die Atmosphäre war aufgeheizt, als sich rund 200 Bürger aus der westlichen Gartenstadt rund um die Karl-Liebknecht Straße am Donnerstag (4. Juli) zu einer ersten Infoveranstaltung in der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL) trafen. Die Anwohner rund um die Karl-Liebknecht-Straße lobten zwar ausdrücklich, im Rahmen eines Dialogs früh über die Pläne informiert zu werden.

Das war es dann aber auch mit den Nettigkeiten: Die Skepsis, die KVWL-Vorstand Thomas Müller und Frank Meyer, Stabsbereichsleiter Unternehmensentwicklung, im fast vollbesetzten Saal entgegenschlug, war überdeutlich. Zu groß ist die Sorge der Anwohner, mit dem geplanten Neubau noch mehr Autos in ihrem schon jetzt zugeparkten Wohngebiet vorzufinden. „Sie wissen gar nicht, was Sie uns zumuten“, fasste Ulrich Schimanski aus der Karl-Liebknecht-Straße den Ärger zusammen.

Die KVWL möchte ihr Haupthaus an der Robert-Schimrigk-Straße um einen sechsgeschossigen Neubau erweitern. Er soll parallel zur B1 auf dem jetzigen Parkplatzbereich entstehen und mit dem Haupthaus zu einem „Campus“ verbunden werden. In dem bis zu 6400 Quadratmeter Gesamtfläche großen Gebäude soll das Abrechnungs- und Beratungszentrum untergebracht werden – inklusive neuer Konferenzräume.

KVWL will zweite Tiefgarage anlegen

Rund 200 Arbeitsplätze sollen dort entstehen. Die wenigsten werden neu sein: Ein Teil soll aus dem Hautpgebäude verlagert werden. Im Gegenzug will sich die KVWL von angemieteten Standorten wie etwa bei der Wirtschaftsberatungsgesellschaft Ernst & Young an der Kreuzung Ophoff verabschieden und ihre Mitarbeiter an der Robert-Schimringk-Straße bündeln. Zudem soll ein Teil der 60 Arbeitsplätze aus Münster umgesiedelt werden. Über alle Standorte hinweg, stehen zurzeit 810 Mitarbeiter in Dortmund bei der KVWL in Lohn und Brot.

Vorstand Müller sprach von Engpässen im Haupthaus. „Wir müssen erweitern.“ Prompte Frage aus den Besucherreihen: Ob die KVWL alternative Standorte geprüft habe, etwa Phoenix-West? „Haben wir“, antwortete Müller, ohne ins Detail zu gehen. Ein kompletter Neubau sei aber nicht finanzierbar. „Die Erweiterung am Standort ist die ökonomisch beste Entscheidung“, führte Müller aus. Und wies darauf hin, dass die KVWL unter Aufsicht des NRW-Gesundheitsministeriums stehe. Rund 30 Millionen Euro sollen am jetzigen Standort investiert werden.

Neubaupläne an der B1: Anwohner fürchten noch mehr Parkchaos und drängen auf Mitsprache

Mit skeptischen Gesichtern verfolgten die Anwohner der Gartenstadt die Neubaupläne für einen Campus an der Robert-Schimrigk-Straße. © Beushausen

Um die Anwohner der Gartenstadt vom Parkdruck zu entlasten, soll am Erweiterungsbau an der Robert-Schimringk-Straße eine zweite Tiefgarage mit rund 160 Mitarbeiter-Stellplätzen gebaut werden. Müller kündigte an, dass Plätze kostenpflichtig sein werden. „Ich bin sicher, dass unsere Mitarbeiter das verstehen.“ Die vorhandene Tiefgarage mit 62 Stellplätzen wird derzeit saniert und Anfang August wiedereröffnet. „Und wie soll die neue Tiefgarage angefahren werden?“, fragte ein Anwohner. „Das wird wohl über die Karl-Lieknecht-Straße laufen müssen“, antwortete Projektleiter Frank Meyer. Entsetzen bei den Bürgern: „Dann haben wir hier Verkehr ohne Ende!"

Bürger schlagen „einen Beirat“ vor

Um das Fass nicht endgültig zum Überlaufen zu bringen, will die KVWL Anfang 2020 ihren Beschäftigten 120 „Ausweichparkplätze“ auf dem Stadtwerke-Gelände hinter dem Ernst & Young-Gebäude an der Kreuzung Ophoff anbieten. Fix ist das aber noch nicht. „Wir verhandeln mit den Stadtwerken“, betonte Meyer. Weitere Entlastung verspricht sich die KVWL von einem „Mobilitätskonzept“, mit dem sie ihren Mitarbeitern Anreize für Fahrgemeinschaften und den Umstieg auf den ÖPNV schmackhaft machen will. Genaueres hörten die Bürger (noch) nicht. Auch die Fragen nach der Baustellenlogistik blieb offen. "Wir sind noch nicht soweit", gab Projektleiter Meyer zu Protokoll und bat um Geduld.

Neubaupläne an der B1: Anwohner fürchten noch mehr Parkchaos und drängen auf Mitsprache

Anwohnerin Christiane Schimanski fürchtet: Wenn die KVWL erweitert, wird auch das Parkplatz-Chaos in der Gartenstadt noch größer. © Martina Niehaus

„Bitte machen Sie Ihren Mitarbeitern deutlich, dass sie keine Garagen und Ausfahrten zuparken sollen“, appellierten die Bürger an KVWL-Vorstand Müller. Er sicherte zu, den Appell aufzugreifen, sorgte aber mit seiner Bemerkung, er stelle eine „gewisse Aggressivität“ fest, zwischenzeitlich für Empörung. Mehr als einmal wies Müller daraufhin, dass „wir mit den Planungen erst ganz am Anfang stehen.“ Man befinde sich im Stadium einer Machbarkeitsstudie – und von einem Bauantrag noch weit entfernt. Der Zeitplan ist allerdings eng getaktet: Ende 2020 will die KVWL die Genehmigungsplanung vorlegen und Anfang 2021 mit dem Bau beginnen. Die Fertigstellung ist für Anfang 2023 geplant.

Anwohner bleiben skeptisch

Passen mussten die KVWL-Verantwortlichen auf die Frage eines Anwohners, wie viel Mitarbeiter künftig keinen Parkplatz haben werden. Sicher ist nur: Es werden trotz aller Bemühungen eine Menge sein. So sehr Vorstand Müller auch betonte, die KVWL werde „mit ihren Parkplätzen deutlich über das von der Bauordnung geforderte Maß hinausgehen“ und die Bürger weiterhin informieren - die Skepsis blieb.

Bastian Pelka aus der Kohlgartenstraße regte an, alle weiteren Pläne von einem „Beirat aus der Anwohnerschaft“ begleiten zu lassen. Müller dachte kurz nach - und versprach, die Anregung zu prüfen. Auch Ulrich Schimanksi und Norbert Göttlicher aus der Karl-Liebknecht-Straße überlegen, was zu tun ist: „Vielleicht gründen wir eine Initiative.“

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