Nächste Baustelle am Theater: Schauspielhaus wird zum Sanierungsfall

dzDortmunder Theater

Dortmunds Theater entwickelt sich zur Dauerbaustelle: Der Werkstatt-Umbau und der Neubau des Magazingebäudes sind abgeschlossen. Jetzt meldet das Schauspielhaus „akuten Sanierungsbedarf“ an.

Dortmund

, 15.04.2020, 07:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Im April 2016 gestartet, sollte der Umbau des rund 50 Jahre alten Werkstatt-Komplexes (inklusive Magazin-Neubau) am Theater eigentlich im Dezember 2016 abgeschlossen sein. Daraus ist bekanntlich nichts geworden: Konfrontiert mit immer neuen Überraschungen, zogen sich die Bauarbeiten in die Länge.

Erst war es beim Abbruch einer Kühlanlage zum Austritt von Asbest gekommen. Dann wurde plötzlich festgestellt, dass die Deckenstützen im Werkstattgebäude nicht mehr die volle Tragfähigkeit hatten und verstärkt werden mussten. Schließlich tauchten neben weiteren zahlreichen Details auch Mängel beim Brandschutz auf, die niemand auf der Rechnung hatte.

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Das ursprüngliche Abbruchkonzept war früh über den Haufen geworfen. Die Folge: Verzögerungen und Baustopps. Es dauerte fast zwei Jahre, bis das Schauspiel seine Interims-Spielstätte im BVB-Megastore in Hörde im November 2017 wieder verlassen konnte. Die Kosten für den Werkstatt-Umbau und den Neubau des Magazins stiegen von ursprünglich kalkulierten 10,7 Millionen Euro auf rund 16,7 Millionen Euro.

Sanierungsbedarf besteht schon seit etlichen Jahren

Seit Herbst 2018 sind die Bauarbeiten nun abgeschlossen – schon bereitet man sich im Theater gedanklich auf die nächste Baustelle vor: Das Schauspielhaus meldet „dringenden Sanierungsbedarf“ an, wie die Stadt mitteilt.

Dabei ist das Problem nicht neu. „Der Bedarf ist seit Jahrzehnten da“, sagt Tobias Ehinger, Geschäftsführender Direktor am Dortmunder Theater. Seit Jahren wird am Theaterkomplex saniert und umgebaut, um modernen Arbeits- und Brandschutzvorschriften zu genügen. Obwohl weit über 50 Jahre alt, sei das Schauspielhaus am Hiltropwall „aber nie kernsaniert worden“, gibt Ehinger zu bedenken.

Ursprünglich war sogar angedacht, das nach dem Zweiten Weltkrieg erbaute Gebäude nach zehn Jahren durch ein neues und größeres Schauspielhaus zu ersetzen – was nie passiert ist. Inzwischen sei der Sanierungsbedarf hoch, sagt Theaterchef Ehinger. „Wenn wir jetzt nicht die Verantwortung übernehmen, kann es richtig teuer werden.“

Das Schauspielhaus wäre fünf Jahre nicht bespielbar gewesen, wären die Sanierung und der Werkstatt-Umbau in einem Rutsch erledigt worden, sagt Theaterchef Ehinger.

Das Schauspielhaus wäre fünf Jahre nicht bespielbar gewesen, wären die Sanierung und der Werkstatt-Umbau in einem Rutsch erledigt worden, sagt Theaterchef Ehinger. © Beushausen

Im Sommer 2019 bröckelte im Bühnenbereich der Putz von der Decke; Auffangnetze mussten her. „Natürlich besteht im Schauspielhaus keine Lebensgefahr“, warnt Ehinger vor Panikmache. Dennoch bereitet ihm die Bausubstanz des Gebäudes Kopfschmerzen. „Je länger wir warten, desto teurer wird es." Irgendwann könne der zu erwartende Kostenrahmen für eine Sanierung überschritten sein.

Auch Teil-Abriss denkbar

Hätten der Werkstatt-Umbau und die Sanierung des Schauspielhauses nicht in einem Rutsch erledigt werden können? „Nein“, sagt Ehinger. „Das wäre viel zu komplex geworden.“ Zudem handele es sich um Gebäudeteile mit sehr unterschiedlicher Bausubstanz.

Im Zuge eines solchen Vorhabens „hätten wir das Schauspiel ungefähr fünf Jahre schließen müssen.“ Er halte das jetzige Vorgehen für die wirtschaftlichste aller Möglichkeiten, sagt Ehinger.

Der Rat der Stadt habe dem Theater schon vor Jahren eine umfassende Bestandsanalyse aufgegeben. Ehinger. „Die arbeiten wir jetzt ab.“ Dabei gehe es um die Werkstatt, das Schauspielhaus und perspektivisch auch um das Opernhaus.

Um voranzukommen, soll der Rat der Stadt im Mai für das Schauspielhaus eine Machbarkeitsstudie auf den Weg bringen. Kostenpunkt: rund 400.000 Euro. Sie soll den Sanierungsbedarf ermitteln. Dabei werde des Haus nicht als Solitär betrachtet. Es müsse im Zusammenhang des gesamten Gebäudekomplexes gesehen werden, sagt Ehinger.

Gleichzeitig erwartet der Theaterchef von der Studie „eine intensive Kostenbetrachtung“. In der zweiten Hälfte 2021 soll das Papier vorliegen. Ob dabei am Ende eine Sanierung vorgeschlagen wird oder ein Teilabriss inklusive eines Neubaus, bleibt dem Gutachter überlassen. Ehinger: „Ich schließe jedenfalls nichts aus.“

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