Einmal pro Woche für jeden kostenlos, aber nicht mehr so häufig genutzt: der Schnelltest (Symbolbild). © dpa
Weniger Kundschaft

Nachfrage nach Corona-Schnelltests geht in Dortmund deutlich zurück

Die Betreiber der Schnelltestzentren sind sich einig: Immer weniger Dortmunder brauchen ein negatives Testergebnis. Ein Unternehmer sieht darin nicht nur aus wirtschaftlichen Gründen ein Problem.

Mit dem Ende des Testshoppings in Dortmund vor einer Woche ist auch die Nachfrage nach Corona-Schnelltests zurückgegangen – und zwar deutlich.

„Wir hatten einen Peak von knapp 1000 Leuten am letzten Shoppingsamstag und sind dann um 40 Prozent abgefallen“, so Frank Paßmann, Standortleiter des Coronatest-Drive-Ins an den Westfalenhallen.

Bei der Prävent GmbH, die in Dortmund an fünf Standorten testet, beziffert man den Rückgang auf 25 bis 30 Prozent. „Damit ist er aber lange nicht so stark wie erwartet“, erklärt der kaufmännische Leiter Henrik Fibbe.

Beispielsweise an der Teststelle Helenenbergweg im Dortmunder Süden sei deshalb zwar weniger Personal im Einsatz, aber man könne innerhalb von ein bis eineinhalb Stunden auf eine erhöhte Nachfrage reagieren.

Rückgang etwa 30 Prozent

Unabhängig vom Standort des Testzentrums möchte man sich offenbar möglichst viel Flexibilität erhalten, die der Umgang mit der Pandemie und den sich ständig ändernden Regeln und Verordnungen erfordert.

Das sieht auch Frank Paßmann so: „Ich habe immer noch einen großen Mitarbeiterstamm. Nichts ist schlimmer, als wenn die Schlange auf einmal lang ist und sich die Leute fragen: Warum ist das so schlecht vorbereitet?“

Beim flexiblen Einsatz des Personals herrscht Einigkeit unter den Betreibern der Schnelltestzentren. Aber in manchen Punkten gibt es natürlich nach wie vor lokale Unterschiede. Henrik Fibbe von der Prävent GmbH berichtet beispielsweise von einer deutlich geringeren Nachfrage am Wochenende.

Nachfrage am Wochenende unterschiedlich

Apothekerin Marisa Rauchhaus bestätigt am Telefon zwar den allgemeinen Rückgang der Nachfrage, den sie ebenfalls bei etwa 30 Prozent sieht und der unter der Woche zeitweise auch spontane Testungen erlaube. Am Wochenende sei die Nachfrage, sich in ihrer Apotheke im Scharnhorster Einkaufszentrum (eks) testen zu lassen, allerdings „nach wie vor sehr groß“.

Unter den fast 150 privaten Anbietern von Schnelltests gibt es natürlich auch solche, die überhaupt keinen Rückgang bemerkt haben wollen – wie Gamze Tasin, Angestellte in der Frohlindener Lindenapotheke.

Grund sei das Alter der Anwohner. „Hier leben vor allem Rentner. Die haben das negative Testergebnis nicht zum Einkaufen benutzt, sondern eher für den Friseur oder die Fußpflege nebenan.“ Und weil die beiden Betriebe noch offen haben dürfen, sei die Nachfrage auch nicht gesunken.

Ist das noch wirtschaftlich?

Bei einer sinkenden Nachfrage nach Schnelltests, von der zumindest drei der vier Betreiber, die wir angefragt haben, gesprochen haben, stellt sich natürlich auch die Frage: Ist das überhaupt noch wirtschaftlich?

Da die Testungen nicht zu ihrem Hauptgeschäft zählen, müssen Apotheken darauf weniger Wert legen als kommerzielle Anbieter. Marina Rauchhaus versichert beispielsweise, man wolle Schnelltests anbieten, solange die Nachfrage dafür da sei. „Unser Engagement sahen und sehen wir nicht in erster Linie unter wirtschaftlichen Kriterien“, so die Apothekerin.

Inzidenz geht runter

Für Frank Paßmann, der den kurzfristig eingerichteten Coronatest-Drive-In leitet, ist die Situation hingegen eine andere: „Wir sind gerade an der Break-Even-Kalkulation.“ Das Problem seien die Investitionen in die Anlage und die Software, die man über den laufenden Betrieb wieder reinholen müsse.

Dass aktuell weniger Schnelltests durchgeführt werden als noch vor einer Woche, bereitet ihm aber nicht nur aus wirtschaftlichen Gründen Sorgen, denn mit der sinkenden Anzahl an Test werde zeitverzögert auch die Inzidenz runtergehen.

Paßmann sieht darin eine Gefahr: „Im Grunde schaltet man jetzt das Radar aus und sagt: Ach guck‘ mal, wir schauen jetzt einfach nicht mehr so genau hin, dann gibt es auch weniger Fälle.“

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Freier Mitarbeiter
Geboren in Ulm, aufgewachsen im Allgäu, angekommen im Ruhrgebiet schreibe ich über alles, was die Menschen in Dortmund und Umgebung umtreibt.
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