Nach zwei Jahren Leerstand und viel Ärger: Schweinske-Nachfolger Filia hat eröffnet

dzGriechisches Restaurant

Zwei Jahre standen die Räume des Kult-Lokals Holzknecht und seines Nachfolgers Schweinske leer. Jetzt hat dort der Grieche Filia eröffnet – nach viel Ärger. Für den Wirt ist es eine Heimkehr.

Dortmund

, 04.07.2019, 11:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Wäre der Kopf von Panaiotis Chatzi nicht schon kahl, der 50-Jährige hätte in den vergangenen Wochen wohl so manches graue Haar bekommen. Denn die geplatzte Eröffnungsfeier eines Restaurants mit 170 Plätzen drinnen und 50 auf einer Sonnenterrasse macht gehörig Stress.

Mitte Juni hatten der Dortmunder Gastronom mit griechischen Wurzeln und seine Frau Kalliopi 150 Gäste zur Eröffnung ihres neuen Lokals Filia an der Ecke Hohe Straße / Beurhausstraße eingeladen. Doch dann funktionierte die Lüftungsanlage nicht – die Chatzis mussten alles abblasen. Das Filia blieb zu, dem an einer Hauptroute des Kirchentags gelegenen Restaurant ging ein potenzieller Traum-Umsatz flöten.

Doch seit Montag kann Panaiotis Chatzi wieder lächeln: Da öffnete das Filia endlich. Zuvor hatte er mit eigenem Geld die Lüftungsanlage kurzfristig umbauen lassen. „Das Lüftungssystem der Küche war mit dem des Besucherraums verbunden gewesen – warum auch immer!“, erzählt er. Nach einigen „baulichen Veränderungen“ seien die Systeme nun entkoppelt. „Die Gäste werden davon nun nichts mehr merken“, verspricht Chatzi.

Holzknecht schloss 2013, Schweinske scheiterte

Die Geschichte mit der Lüftung ist das vorerst letzte Kapitel in der Pannen-Geschichte des prominent gelegenen Standorts an einem der südlichen Eingangstore in die Dortmunder City. Über Jahrzehnte hatte dort der Holzknecht, eines der ältesten Restaurants der Innenstadt, seine Heimat gehabt. Zu seinen besten Zeiten ein beliebter Treff für die Schauspieler und Gäste des nahe gelegenen Theaters, musste das in die Jahre gekommene Urgestein der Dortmunder Gastro-Szene Ende 2013 seine Türen schließen.

Ein Nachmieter war mit der Hamburger Gastro-Kette Schweinske schnell gefunden: 2014 eröffnete die erste Dortmunder Filiale des auf deftiges deutsches Essen ausgelegten Franchises in komplett sanierten Räumen. Doch wirklich Fuß fasste Schweinske in Dortmund nie. Schon ein Jahr später zogen die Hamburger nach großen finanziellen Verlusten die Reißleine und schlossen das Restaurant. Auch ein zweiter Anlauf mit einem neuen Franchise-Nehmer 2016 scheiterte nach weniger als zwölf Monaten. Danach passierte zwei Jahre lang nichts.

Chatzis Vater eröffnete erstes Restaurant schräg gegenüber

Bis die Chatzis die Räume pachteten. Für Panaiotis Chatzi auch eine emotionale Entscheidung: „Ich wollte den Standort immer schon haben.“ Denn schräg gegenüber, auf der anderen Seite der Hohen Straße, begann die Gastro-Karriere seiner Familie: Dort eröffnete sein Vater 1981 das „Plaka Grafenhof“, die Familie wohnte über dem Lokal. Insofern fühle sich die Eröffnung des Filia ein bisschen an wie nach Hause zu kommen, meint Chatzi: „Mein Papa hat hier angefangen, hier möchte ich meine Karriere beenden.“

Den Pleiten-Fluch, der den Standort seit einigen Jahren umgibt, wollen die Chatzis mit „authentischer griechischer Küche“, wie sie es nennen, vertreiben. Das Filia setzt ganz auf Mezés, eine Art griechische Tapas. Die Idee: Man bestellt viele kleine Gerichte, die man dann teilt, seien es marinierter Oktopus, mit Reis gefüllte Weinblätter oder gebratene Zucchinibällchen. Daneben gibt es gleich acht unterschiedliche Feta-Gerichte und ganz viel Fleisch, etwa Lammhaxe aus dem Topf oder Souvlaki mit Bacon.

„Gyros gehört in kein griechisches Restaurant“

Nur ein Gericht fehlt auf der Karte: Gyros. „Das gehört eigentlich in kein griechisches Restaurant“, behauptet Chatzi, „das werden Sie in keiner echten griechischen Küche finden.“ Wer diese Enttäuschung erst einmal verkraften muss, für den haben die Chatzis nach eigener Aussage 40 griechische Weine im Angebot, die immer noch unterschätzt würden, findet Chatzi. Der Autor stimmt dem nach einem Athen-Besuch übrigens zu – und empfiehlt einen schönen Assyrtiko-Weißwein.

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