Nach Unfall mit Kind: „Hier kann man wie ein Geisteskranker durchballern“

dzGeschwindigkeitskontrollen

Eine Radfahrerin (6) wird von einem Pkw erfasst und schwer verletzt. Der Unfall ruft einen Anwohner auf den Plan. Der Stadtteil sei ein „ordnungsrechtliches Niemandsland“, sagt er.

Oespel

, 12.08.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Den Unfall hat Markus Rademacher nicht beobachtet, doch allein der Anblick der polizeilichen Markierungen sei für ihn ein Schock gewesen: „Mir ist das Herz in die Hose gerutscht. Der Pkw muss das Fahrrad ja mindestens 15 Meter über die Straße geschoben haben.“

Der Unfall, über den der 51-Jährige spricht, ereignete sich am Mittwoch (5.8.) an der Ampel-Kreuzung Steinsweg/Ewald-Görshop-Straße in Oespel. Ein Autofahrer erfasste beim Linksabbiegen ein sechsjähriges Mädchen, das auf seinem Fahrrad laut Zeugen bei Grün die Ampel überquerte. Das Kind wurde schwer verletzt und musste ins Krankenhaus eingeliefert werden.

Die Ursache der Kollision wird laut Polizei noch ermittelt. Wie es dem Kind aktuell geht, konnte sie nicht sagen. „Wir werden nur bei schlimmen Verläufen informiert. Weil wir nichts gehört haben, ist das ein gutes Zeichen“, sagt Sprecherin Dana Seketa.

Seit 15 Jahren keine Geschwindigkeitskontrollen mehr“

Für Markus Rademacher, der früher in dem Eckhaus an der Kreuzung gewohnt hat, ist der schwere Unfall in der vergangenen Woche der „traurige Höhepunkt der Dortmunder Sparpolitik und des daraus resultierenden Mangels an Präsenz von Ordnungskräften“. Denn schon seit 15 Jahren würden speziell am Steinsweg keine Geschwindigkeits-Kontrollen mehr durchgeführt, so Rademacher.

„Oespel ist zu einem ordnungsrechtlichen Niemandsland geworden“, kritisiert der zweifache Familienvater. Das wiederum würden rücksichtslose Autofahrer ausnutzen, die obendrein auch noch an Selbstüberschätzung litten. Durch Oespel könne „man wie ein Geisteskranker durchballern, ohne dass man zur Rechenschaft gezogen wird - von wem denn auch?“

An der Kreuzung habe er schon so manchen Unfall beobachtet: etwa „Volltrunkene“, die mit ihrem Fahrzeug die Ampeln aus dem Boden gerissen oder Autos, die sich hier überschlagen haben.

Unterschriften-Aktion für Tempo 30 oder Blitzer

Der Oespeler fordert vor allem mehr Polizeipräsenz und Geschwindigkeitskontrollen, und zwar im gesamten Stadtteil. „Vielleicht“, überlegt er, „könnte man ja was mit einer Unterschriftenaktion bewirken“. Tempo 30 auf dem Steinsweg „wäre ein Traum“, so wie auf der Ruhrallee. „Sinn würde hier auch ein festinstallierter Blitzer machen. Für die Stadt wäre das eine echte Goldgrube.“

Den Vorwurf, „Oespel sei ein ordnungsrechtliches Niemandsland“, weist die Stadt zurück. „Die Verkehrsüberwachung der Stadt Dortmund ist mit der mobilen Geschwindigkeitsüberwachung regelmäßig in Oespel aktiv“, sagt Stadtsprecher Maximilian Löchter auf Anfrage dieser Redaktion.

Tempo 30  auf dem Steinsweg in Oespel  "wäre ein Traum", so der Anwohner.

Tempo 30 auf dem Steinsweg „wäre ein Traum“, so der Anwohner. © Archiv

Kontrollschwerpunkte seien diese Straßen: Auf der Linnert, Borussiastraße, Hedwigstraße, Overhoffstraße (zwischen Am Schultenhof und Pestalozzistraße), Kleybredde und Ewald-Görshop-Straße. Seit dem dritten Quartal 2019 bis heute gab es laut Maximilian Löchter folgende Einsätze der Verkehrsüberwachung: an der Borussiastraße (19 Mal), Kleybredde (24), Overhoffstraße (15) und Ewald Görshop-Straße (15).

Der Steinsweg taucht in der Aufzählung allerdings nicht auf.

„Oespel ist nicht polizeilich verwaist“

Laut Polizei handelt es sich bei der Kreuzung Steinsweg/Ewald-Görshop-Straße um keinen Unfallschwerpunkt. „Zwischen 2017 und Juni 2020 gab es hier einen Unfall mit einem Leichtverletzten“, so Dana Seketa. Nicht berücksichtigt seien die nicht erfassten Sachschäden, die Unfallbeteiligte zum Teil auch ohne Polizei regelten.

Der Stadtteil Oespel sei zudem nicht „polizeilich verwaist“: „Dem widerspreche ich. Die Polizei ist hier nicht nur präsent, sie kontrolliert auch“, betont Dana Seketa. Man nehme die Sorgen und Kritik der Bürger aber durchaus ernst. „Bitte sprechen Sie uns an“, appelliert die Polizei-Sprecherin.

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