Nach tödlichem Unfall: Neue Idee für mehr Sicherheit am Busbahnhof

dzVerkehr in Dortmund

Ständig bringen sich Passanten am Busbahnhof Lütgendortmund in eine gefährliche Situation. Sie eilen zwischen dem fließenden Verkehr über die Straße. Demnächst steht dort vielleicht ein Zaun.

Lütgendortmund

, 16.06.2020, 18:20 Uhr / Lesedauer: 2 min

Es ist ein vertrauter Anblick: Passanten am Busbahnhof Lütgendortmund ignorieren die beiden Fußgänger-Ampeln und queren lieber in einem scheinbar günstigen Moment die viel befahrene Straße. Dabei gehen einige fast auf Tuchfühlung mit Autos, Bussen und Lastwagen: Sie stehen auf dem Mittelstreifen, lassen die Fahrzeuge passieren und huschen dann auf die andere Straßenseite.

Auch viele ältere Menschen entscheiden sich für diese leichtsinnige Variante. Im Mai 2019 kam es an dieser Stelle sogar zu einem tödlichen Unfall. Eine 97-jährige Frau wurde von einem Auto erfasst und so schwer verletzt, dass sie im Krankenhaus starb.

Verwaltung bewertet Unfall-Lage als unauffällig

Die Bezirksvertretung (BV) Lütgendortmund setzt sich schon länger für eine Entschärfung der Situation ein. Im ersten Anlauf holte sie sich bei der Verwaltung aber eine Abfuhr. Das Amt beurteilte die Unfall-Lage als unauffällig und lehnte den Vorschlag der Politiker ab, hier eine „Shared-Space-Zone“ (Gleichberechtigung aller Verkehrsteilnehmer) einzurichten.

Damit Szenen wie diese künftig vermieden werden, soll ein Zaun auf dem Mittelstreifen errichtet werden. Diese Möglichkeit lässt die Bezirksvertretung aktuell prüfen.

Damit Szenen wie diese künftig vermieden werden, soll ein Zaun auf dem Mittelstreifen errichtet werden. Diese Möglichkeit lässt die Bezirksvertretung aktuell prüfen. © Beate Dönnewald

Damit gaben sich die Politiker nicht zufrieden, sie drängten auf einen Ortstermin, um nach anderen Lösungen zu suchen. Nun ist offenbar eine gefunden: Die Verwaltung schlägt vor, einen Zaun auf dem Mittelstreifen, in Höhe des Rewe-Markts, zu errichten. Andere Maßnahmen wie eine weitere Ampel oder ein Zebrastreifen seien aus „verkehrsrechtlicher Sicht“ nicht möglich. Die BV lässt den Vorschlag aktuell prüfen, ist aber auch für weitere kreative Ideen seitens der Verwaltung offen.

Marlies Pravemann (66) hält einen Zaun für eine gute Lösung. „So werden vor allem ältere Leute davon abgehalten, einfach über die Straße zu laufen.“ Die meisten Fußgänger seien schlicht zu faul, eine der beiden Ampeln zu nutzen, sagt sie. „Ich gebe zu, dass ich das auch nicht mache. Aber ich passe immer gut auf.“

„Ein Zaun sieht nicht schön aus“

Melanie (34) und Claudia (54) gefällt die Zaun-Idee hingegen gar nicht, sie favorisieren einen Zebrastreifen oder eine zusätzliche Ampel in Höhe des Rewe-Markts an der Lütgendortmunder Straße. „Ein Zaun sieht doch nicht schön aus“, finden Mutter und Tochter.

Auch ältere Menschen, teilweise mit Taschen bepackt, nutzen den direkten Weg, statt eine der beiden Ampel-Anlage in der Nähe des Busbahnhofs zu nutzen.

Auch ältere Menschen, teilweise mit Taschen bepackt, nutzen den direkten Weg, statt eine der beiden Ampel-Anlage in der Nähe des Busbahnhofs zu nutzen. © Beate Dönnewald

Für mehr Sicherheit müsse aber unbedingt gesorgt werden, sagen sie. „Hier gehen die Leute am laufenden Band einfach so über die Straße und sind gerade für Kinder ein schlechtes Vorbild.“ Beide nutzen nach eigener Aussage stets eine der beiden Ampeln. „Ich bin doch eine viel zu große Schissbuchse“, so Claudia.

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Auch Edwin aus Castrop-Rauxel wählt den direkten Weg zwischen Dorf und Supermarkt. „Die Ampeln habe ich gar nicht gesehen“, räumt der 51-Jährige ein. Er sei das erste Mal in Lütgendortmund. „Ich war gerade bei den Bürgerdiensten, um mein Auto anzumelden.“ Während er es ausspricht, hasten zwei Passanten zwischen fahrenden Autos über die Straße. „Ein Zaun ergibt wohl Sinn“, so der Castrop-Rauxeler.

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