Nach Gleisausbau sollen am Hellweg die Kaffeetassen im Schrank nicht mehr klirren

dzWambeler Hellweg

Bald wird der Gleisausbau auf dem Wambeler Hellweg fertiggestellt. Die Gleise werden dort schwingend verlegt. Viele Hellweg-Anwohner dürfte das neidisch machen.

Wambel

, 14.08.2019, 09:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Nicht mehr lang ist die Durststrecke für Anwohner, Stadtbahn-Fahrgäste und Autofahrer, verursacht durch die Erneuerung der Gleise auf dem Wambeler Hellweg: Nur noch bis zum Ende der Sommerferien ersetzen Busse die Bahn, müssen Autofahrer eine Umleitung fahren und die Anwohner den Baulärm ertragen. Die Erneuerung bringt einen Vorteil mit sich: Auf 600 Meter der 765 Meter Ausbaulänge werden die Gleise schwingend gelagert. Dieses Masse-Feder-System soll die Erschütterungen durch die Bahn erheblich reduzieren. Diese Aussicht lohnt einen genaueren Blick auf die Verbesserung.

Der gesamte Gleiskörper werde auf eine rund drei Zentimeter dicke Matte gelegt, heißt es in einer Mitteilung der Dortmunder Stadtwerke (DSW21). Über der Matte werde ein Betonkörper platziert, worauf dann das Gleis untergossen werde. Entlang des Betonkörpers, der als federnde Masse fungiere, werde die Matte zudem seitlich angeklebt und bis an die Oberfläche hochgezogen. Das Mattensystem trenne den gesamten Gleiskörper von der Umgebung und nehme einen Großteil der Schwingungen auf. „Die Schwingungen werden so um bis zu 70 Prozent verringert“, erläutert Ralf Habbes, Betriebsleiter und Technik-Leiter von DSW21, vor Ort. „Das ist im Prinzip wie bei der Gummimatte, die ich als Student unter der Waschmaschine hatte.“

Gleisausbau mit Masse-Feder-System fast doppelt so teuer

Die Stadtwerke seien nicht verpflichtet, so ein System einzubauen, das den Gleisausbau fast doppelt so teuer mache, betont Ralf Habbes. Es sei vielmehr eine freiwillige Maßnahme des Unternehmens, da die Themen Lärm und Erschütterungen immer wichtiger geworden seien. 2016 habe der Vorstand von DSW21 beschlossen, das Masse-Feder-System einzubauen, wenn sich das Gleis in einer engen Wohnbebauung befinde.

Nach Gleisausbau sollen am Hellweg die Kaffeetassen im Schrank nicht mehr klirren

(V.l.) Diethard Wippermann (Leiter Verkehrsinfrastruktur - Fahrweg) und Ralf Habbes (Betriebsleiter und Leiter Technik) erläuterten vor Ort an der Wambeler Baustelle die Planung für die Gleiserneuerung mit einem Masse-Feder-System. © Uwe Brodersen

Erstmals eingebaut worden sei es beim zweigleisigen Ausbau des Asselner Ortskernes im Jahr 2006, erklärt Diethard Wippermann, Leiter der Verkehrsinfrastruktur bei DSW21. Auf insgesamt 2,2 Kilometer belaufe sich die Strecke mit Masse-Feder-System entlang des Hellwegs mit der jetzigen Maßnahme. Weitere 600 Meter würden im nächsten Jahr ebenfalls in Wambel hinzukommen, wenn Gleise von der Aral-Tankstelle bis zur Wambeler Schleife erneuert würden. Im Zusammenhang mit der Diskussion über die ehemalige Brackeler Schleife, die derzeit noch als Stützpunkt für die Bauarbeiten entlang des Hellwegs dient, was an den Nerven der Anwohner zerrt, war die Frage aufgekommen, warum diese nicht wenigstens durch ein Masse-Feder-System der Stadtbahn in ihrem Wohnbereich entlastet werden. Die Gleiserneuerung an der Brackeler Schleife sei 2012 durchgeführt worden, lange vor dem Beschluss, das Masse-Feder-System generell in enger Wohnbebauung einzubauen, antwortet Ralf Habbes.

Fast zehn Millionen Euro pro Jahr vom Land

Der Technik-Leiter weist darauf hin, dass die Stadtwerke im nächsten Jahrzehnt viel Geld einsetzen wollen, um ihr Streckensystem zu erneuern. Alle Stadtbahnen in NRW würden vom Land zur Erhaltung ihrer Infrastruktur bis 2031 mit insgesamt einer Milliarde Euro unterstützt. Die Dortmunder Stadtwerke würden ab 2020 von diesem „großen Kuchen“ 9,6 Millionen Euro pro Jahr abbekommen. Der Förderungsanteil betrage dabei 40 Prozent, so Ralf Habbes. Die Stadtwerke müssten also jeweils 60 Prozent selbst aufbringen.

Nach Gleisausbau sollen am Hellweg die Kaffeetassen im Schrank nicht mehr klirren

Schwingend gelagert sind die Stadtbahn-Gleise hier im Bereich der Haltestelle Juchostraße. © Uwe Brodersen

In der Fünf-Jahres-Planung von DSW21 ist jedes Jahr mindestens eine Großbaumaßnahme zum weiteren Ausbau des Masse-Feder-Systems enthalten. Die derzeitige Gleiserneuerung auf dem Wambeler Hellweg kostet inklusive Schienenersatzverkehr und Eigenleistungen rund 2,24 Millionen Euro. Die Maßnahme liege voll im Zeitplan, versichern Ralf Habbes und Diethard Wippermann: „Ab dem 24. August fährt die Bahn wieder.“

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