Nach Eon-RWE-Megadeal: Was wird aus den 2000 Innogy- und Westnetz-Jobs in Dortmund?

dzEnergiewirtschaft

Durch den Wechsel der RWE-Töchter Innogy und Westnetz zu Eon könnten in Dortmund Arbeitsplätze wegfallen. Wie viele, bleibt vorläufig offen. DSW21 hat aber noch ein Ass im Ärmel.

Dortmund

, 18.09.2019, 18:35 Uhr / Lesedauer: 2 min

Unter den Beschäftigten im Innogy-Tower am Freistuhl dürfte am Mittwoch (18.9.) ebenso großes Rätselraten geherrscht haben wie im Westnetz-Hochhaus an der Florianstraße. Mit gemischten Gefühlen haben die Mitarbeiter das „Okay“ der EU für die Neuordnung der Energiegeschäfte zwischen RWE und Eon aufgenommen.

Kernpunkte: Die RWE-Tochter Innogy wird zerschlagen. Der Netz- und Vertriebsbereich von Innogy wandert inklusive der Tochter Westnetz zu Eon. Im Gegenzug gibt Eon unter anderem seine Ökostromsparte an RWE ab. Dabei sollen rund 5000 Stellen in Dortmund, Essen und München verschwinden – an jenen Standorten, an denen Eon und Innogy Überschneidungen aufweisen. Da richtet sich der Blick auf den Verteilnetzbetreiber Westnetz und auf den früheren „RWE-Tower“ am Freistuhl, in dem Innogy einen Teil des Stromvertriebs organisiert.

Eon: „Dortmund bleibt ein großer Standort“

Eigenen Angaben zufolge hat Innogy inklusive Westnetz rund 2000 Mitarbeiter in Dortmund. Ob und wie viel Arbeitsplätze wegfallen, konnte der künftige Eigentümer Eon am Mittwoch (18.9.) nicht sagen. „Es gibt noch keine Planung, nichts Valides“, sagte ein Eon-Sprecher auf Anfrage. Sicher sei, dass Dortmund ein großer Standort bleibe.

Ähnlich sieht Guntram Pehlke, Vorstandschef der Dortmunder Stadtwerke, die Situation“ „Mein Eindruck ist, dass der geplante Umbau von RWE und Eon gut voranschreitet und die Tendenz ganz klar dahingeht, dass die Masse der Dortmunder Arbeitsplätze erhalten bleibt.“ Zur neuen Eon solle eine Netzgesellschaft gehören, die im Wesentlichen aus der bisherigen Dortmunder Westnetz bestehe. Eine wichtige Rolle in der neuen Vertriebsorganisation von Eon werde auch der bisherige Stromvertrieb von Innogy im früheren "RWE-Tower" spielen. Im

Wie groß die Personalüberhänge sind, weiß noch niemand

„Aber die Beschäftigten hängen erstmal zwischen Baum und Borke“, sagt Gudrun Janßen von der Gewerkschaft Verdi. Aktuell könne niemand sagen, wie groß die Personalüberhänge seien, die für bestimmte Bereiche festgelegt würden.

Natürlich sei man bemüht, alle Mitarbeiter von Innogy und Westnetz bei Eon unterzubringen, so die Gewerkschafterin, die Mitglied im Westnetz-Aufsichtsrat ist. „Es wird aber auch Beschäftigte geben, die Eon verlassen.“ Die örtlichen Betriebsräte seien nun damit befasst, den Sozialplan zu begutachten.

Stefan May, Gesamtbetriebsratsvorsitzender bei Westnetz, verweist auf den Tarifvertrag „Zukunfts- und Beschäftigungssicherung“, der im Mai 2019 abgeschlossen worden sei. „Wenn abgebaut wird, dann sozialverträglich.“ Bei Westnetz sehe er „aber kein Potenzial für einen Stellenabbau."

Stadtwerke können Klausel ziehen

Ähnlich äußert sich OB Ullrich Sierau. Er gehe davon aus, dass Westnetz künftig mit weiteren Aktivitäten eher gestärkt werde. Insgesamt zeichne sich für den Standort Dortmund nach den bisherigen Gesprächen "eine gute Perspektive" ab, sagte Sierau, der 2018 mit Eon-Chef Johannes Teyssen unter anderem am Phoenix-See ein langes Gespräch geführt hat.

Welchen Einfluss die kommunalen Akteure auf Eon haben, wird sich bei den Verhandlungen über die Arbeitsplätze im Stromvertrieb zeigen. Die Stadtwerke haben noch ein Ass im Ärmel: Innogy ist mit 39,1 Prozent an der Stadtwerke-Tochter Dortmunder Energie und Wasser (DEW) beteiligt. Dieser Anteil würde automatisch auf Eon übergehen und der Energieriese somit bei DEW am Tisch sitzen. Es sei denn, die Stadtwerke grätschen dazwischen und ziehen eine Klausel („Change of Control“). Was sie mit der Klausel machen können? Über den Rückkauf der DEW-Anteile verhandeln.

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