Ende Juli wurde die Corona-Test- und Diagnostikstelle am Klinikum Nord wieder in Betrieb genommen, um Reiserückkehrer aus Risikogebieten zu testen. Eine Frau, die jetzt aus Brüssel kam, wollte man dort jedoch nicht testen. © Oliver Schaper (Archiv)
Testzentrum

Nach Einreise aus Risikogebiet: Gesundheitsamt verweigert den Corona-Test

Ulrike Lerche lebt in Brüssel. Am Wochenende kam sie nach Dortmund, um ihre Familie zu besuchen. Weil Brüssel als Risikogebiet gilt, ging sie zum Corona-Testzentrum – und wurde weggeschickt.

Seit einigen Jahren lebt und arbeitet die Dortmunderin Ulrike Lerche in Brüssel. Regelmäßig besucht sie ihre Familie im Saarlandstraßenviertel.

„Gerade jetzt, da die Infektionszahlen in Europa ansteigen und die Grenzen vielleicht bald wieder geschlossen werden, wollte ich unbedingt kommen, um meine Eltern und Geschwister zu sehen“, sagt Ulrike Lerche.

Mit dem Zug kam sie am Samstag (22.8.) um 12.45 Uhr am Hauptbahnhof an. Einen Tag zuvor war die belgische Hauptstadt vom Auswärtigen Amt zu einem Risikogebiet erklärt worden.

Die Einstufung als Risikogebiet bedeutet, dass für Menschen, die von dort nach Deutschland einreisen, eine Testpflicht auf das Coronavirus besteht.

Zentrales Kriterium für die Einstufung als Risikogebiet ist, dass es in den vergangenen sieben Tagen mehr als 50 Neuinfizierte pro 100.000 Einwohner gegeben hat

„Also hab ich mich sofort auf den Weg zur Teststation am Klinikum Nord gemacht“, sagt Ulrike Lerche. Sie war darauf eingestellt, dass sie sich bis zu dem Tag, an dem ihr das Ergebnis vorliegt, in häusliche Quarantäne begeben muss.

Muss man für einen Corona-Test in Deutschland versichert sein?

Auf das jedoch, was ihr in der Teststelle am Klinikum Nord widerfahren ist, war sie nicht vorbereitet. „Als ich mich dort meldete, wussten die Mitarbeiter nicht, dass Brüssel ein Risikogebiet ist – und auch nicht, dass jeder Einreisende, ob in Deutschland versichert oder nicht, getestet werden muss“, schildert Ulrike Lerche.

Die belgische Hauptstadt Brüssel ist vom Auswärtigen Amt als Risikogebiet eingestuft worden.
Auf dem Grand-Place, dem zentralen Platz von Brüssel, sind nur noch wenige Touristen und Passanten unterwegs. Wegen der gestiegenen Zahl von Corona-Neuinfektionen warnt das Auswärtige Amt Reisen nach Brüssel. Eine Dortmunderin, die in Brüssel lebt und sich eigentlich nach ihrer Ankunft am Dortmunder Hauptbahnhof jetzt testen lassen musste, wurde allerdings wieder weggeschickt. © dpa © dpa

Sie ist in Belgien krankenversichert, was aber laut des Bundesministeriums für Gesundheit, überhaupt kein Problem ist. Auf der Internetseite des Ministeriums heißt es klipp und klar: „Jeder, der aus dem Ausland nach Deutschland einreist, kann sich innerhalb von 72 Stunden kostenlos auf das Coronavirus testen lassen. Einreisende aus Risikogebieten sind seit dem 8. August zum Test verpflichtet.“

Und ausdrücklich steht da zu der Frage „Muss man dafür in Deutschland gesetzlich versichert sein?“ ein „Nein“ als Antwort.

„Auch, als ich mit diesem eindeutigen Erlass in den Händen ein zweites Mal zu dem Testzentrum ging, hat man mich abgewiesen. Selbst als ich anbot, den Test an Ort und Stelle zu bezahlen, wurde ein Test abgelehnt. Als ich dem Mitarbeiter erklärte, dass ich doch zum Test verpflichtet sei, wurde nur mit den Achseln gezuckt. Viel zu tun gab es an der Teststation auch nicht – dies konnte also auch nicht der Grund gewesen sein“, sagt Ulrike Lerche.

Corona-Test mit ausländischer Versicherungskarte nicht möglich

Was war der Grund? Als das Testzentrum an der Beethovenstraße Ende Juli wieder in Betrieb genommen wurde, hieß es, es solle vor allem helfen, die vielen Reiserückkehrer zu testen und so die Infektionszahlen in Dortmund möglichst gering zu halten.

Gesundheitsamtsleiter Dr. Frank Renken betonte damals noch, dass nicht einmal der Nachweis, dass man in ein Risikogebiet gereist sei, für einen kostenlosen Test erforderlich sei.

Dr. Frank Renken ist der Leiter des städtischen Gesundheitsamtes.
Dr. Frank Renken ist der Leiter des städtischen Gesundheitsamtes. © Oliver Schaper © Oliver Schaper

Im Fall von Ulrike Lerche macht die Stadt Dortmund deren ausländische Krankenversicherungskarte für die Verweigerung des Tests verantwortlich. Dieser habe am Klinikum Nord nicht erfolgen können, „da aufgrund der dortigen technischen Ausstattung ausländische Krankenversicherungskarten nicht einlesbar sind.“

Weiter heißt es in einer Stellungnahme der Stadt: „Wie in solchen Fällen üblich, werden die Einreisenden (mit ausländischer Krankenversicherungskarte) direkt an das Gesundheitsamt verwiesen. Die Dame wurde gebeten, sich telefonisch mit dem Dortmunder Gesundheitsamt in Verbindung zu setzen, um von dort einen speziellen Überweisungsschein für die Testung in der Teststelle Reinoldus an der Ruhrallee zu erhalten. Nur dort können wir diese Reisenden testen lassen.“

Ulrike Lerche stellt es anders dar: „Mir ist nur gesagt worden, dass ich in dem Testzentrum nicht getestet werden könne. Das sei eine Anweisung von oben. Empfohlen wurde mir, es in einer Arztpraxis zu versuchen.“

Problemloser Corona-Test in einer Arztpraxis

Am Montagmorgen rief sie dann beim Gesundheitsamt an. Von dort sei sie an die Kassenärztliche Vereinigung Westfalen-Lippe verwiesen worden, die ihr ebenfalls den Besuch einer Arztpraxis empfahl.

„So habe ich es dann gemacht, habe eine sehr nette Arztpraxis gefunden, in der ich am Montagvormittag den Test machen konnte. Am Mittwoch bekomme ich mein Ergebnis“, sagt Ulrike Lerche und fragt sich: „Wie hätte das jemand aus Brüssel, der kein Wort Deutsch spricht, hinbekommen sollen?!“

Übrigens: nach ihrer ausländischen Krankenversicherungskarte wurde überhaupt nicht mehr gefragt. „In der Arztpraxis musste ich nichts vorzeigen“, so Ulrike Lerche.

Über den Autor
Redaktion Dortmund
Nach mehreren Stationen in Redaktionen rund um Dortmund bin ich seit dem 1. Juni 2015 in der Stadtredaktion Dortmund tätig. Als gebürtigem Dortmunder liegt mir die Stadt am Herzen. Hier interessieren mich nicht nur der Fußball, sondern auch die Kultur und die Wirtschaft. Seit dem 1. April 2020 arbeite ich in der Stadtredaktion als Wirtschaftsredakteur. In meiner Freizeit treibe ich gern Sport: Laufen, Mountainbike-Fahren, Tischtennis, Badminton. Außerdem bin ich Jazz-Fan, höre aber gerne auch Rockmusik (Springsteen, Clapton, Santana etc.).
Zur Autorenseite
Peter Wulle
Lesen Sie jetzt