„Mutter-Kind-Parkplatz“ darf bei der Stadt ab sofort nicht mehr so heißen

dzGendersensible Sprache

Sprachbilder wie „Not am Mann“ und „Milchmädchenrechnung“ sind jetzt bei der Stadt Dortmund tabu. Ein neuer Leitfaden zur geschlechtersensiblen Sprache schreibt Beschäftigten neue Regeln vor.

Dortmund

, 20.05.2020, 04:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Wer künftig von der Stadt Post oder E-Mails erhält, wird nicht mehr mit Herr X oder Frau Y angesprochen, sondern mit Vor- und Nachnamen; denn es gibt Menschen, die sich weder als Mann noch als Frau identifizieren.

Die diskriminierungsfreie Ansprache ist nur ein Punkt im neuen Leitfaden zur gendersensiblen Sprache, den der Verwaltungsvorstand der Stadt Dortmund ab sofort als verbindlich für die Beschäftigten der Kernverwaltung und der Eigenbetriebe beschlossen hat.

Ziel ist, die Gleichstellung der Geschlechter auszudrücken – einschließlich des dritten Geschlechts (divers), das nach einem Urteil des Bundesverfassungsgerichts seit dem 1. Januar 2019 im Personenstandsregister geführt wird – kurz die Schreibweise soll möglichst diverse Geschlechtsidentitäten repräsentieren. Das gilt auch für Formulare und Broschüren, Anträge und Berichte.

Leitfaden soll helfen

Allerdings ist geschlechtergerecht und gleichzeitig flüssig zu formulieren mitunter anspruchsvoller als die bisherigen Sprachregelungen vom Amt. Dabei soll der vom Gleichstellungsbüro der Stadt erstellte Leitfaden helfen.

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Danach sind künftig Sprachbilder wie „Not am Mann“ und „Milchmädchenrechnung“ tabu, ebenso Rollenklischees und Stereotypen wie „Mutter-Kind-Parkplatz“. Das heißt jetzt Eltern-Kind-Parkplatz.

Für sprachliche Brückenschläge zwischen den Geschlechtern werden die Stadtbeschäftigten zudem aufgefordert, manche Wörter durch Verallgemeinerungen zu ersetzen. So werden Teilnehmer zu Teilnehmenden, Radfahrer zu Radfahrenden, Mitarbeiter zu Mitarbeitenden und Wähler zu Wählenden. Profilbeschreibungen wie „Bauleitung“ neutralisieren den „Bauleiter“.

Gendersternchen als Alternative

Als Sprachalternative wird die genderneutrale Formulierung mit dem sogenannten Gendersternchen (*) empfohlen, also Antragsteller*in oder Teilnehmer*in. Das Wort „Gender“ kommt aus dem Englischen und bedeutet „soziales Geschlecht“, im Gegensatz zu „Sex“, dem biologischen Geschlecht, und bezieht alle Geschlechtsidentitäten mit ein, denen sich Menschen selbst zuordnen.

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Um sprachliche Apartheid zu vermeiden, empfiehlt der Leitfaden Umformulierungen mithilfe von „Person“, „Mensch“ oder „Mitglied“. Beispiel: statt Senior älterer Mensch, statt Ansprechpartner Ansprechperson. Oder besser gleich umformulieren in „Auskunft gibt . . .“

Auch Pluralformen, heißt es in dem Leitfaden, „sind eine schlichte und elegante Weise, alle Geschlechter einzubeziehen, statt nur die männliche Version zu verwenden.“ Beispiel: Statt „jeder Ehrenamtliche“ „alle Ehrenamtlichen“.

Rednerpult wird zum Redepult

Institutionen, die einen weiblichen Artikel haben, sollten künftig grammatikalisch korrekt behandelt werden. Soll heißen: Die Stadt Dortmund ist nicht Arbeitgeber, sondern ab sofort Arbeitgeberin. In Sitzungen geht nicht mehr die Teilnehmerliste rum, sondern die Teilnahmeliste, und wer etwas zu sagen hat, geht nicht mehr ans Redner-, sondern ans Redepult.

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Damit die Stadtmitarbeitenden die neuen Regelungen verinnerlichen, hängt der entsprechenden Rundmail ein Flyer mit den wichtigsten Schreibvarianten an – zum Ausschneiden und Aufhängen.

Noch vorhandene gedruckte Formulare mit den alten Formulierungen sollen nach und nach verbraucht und anschließend gegen Formulare ausgetauscht werden, die gendergerecht verfasst sind. Also könnte es sein, dass doch noch ein paar Briefe mit der Ansprache Herr oder Frau die Stadtverwaltung im Postkasten landen.

Liebe Leser, wie ist Ihre Meinung zur gendersensiblen Sprache in der Verwaltung?Halten Sie das für wichtig oder finden Sie diese Art der Formulierung überflüssig? Haben Sie ein paar weitere entsprechende Sprachvorschläge für die Verwaltung? Dann mailen Sie uns unter lokalredaktion.dortmund@ruhrnachrichten.de.
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