Münsterstraßen-Anwohner kämpfen jetzt als Initiative gegen Videoüberwachung - Erste Aktionen starten

dzKriminalität

Im Frühling soll die Videoüberwachung eines weiteren Innenstadt-Bereichs starten. Anwohner wollen das nicht hinnehmen. Und stellen den Protest auf neue Füße

Nordstadt

, 27.02.2020, 12:41 Uhr / Lesedauer: 2 min

Nach der Brückstraße soll demnächst auch die Münsterstraße per Video überwacht werden. Im Frühsommer 2020 soll die Beobachtung dort starten.

Die festen Kameras seien „einer von vielen Bausteinen der Behörden für mehr Sicherheit und damit mehr Lebensqualität in der Nordstadt“, so die Polizei.

Damit sind nicht alle Bewohner einverstanden.

Die Initiative „Nachbar*innen aus der Münsterstraße“ wehrt sich gegen die Überwachung ihres Umfelds. Am 29. Februar (Samstag) organisieren die Mitglieder dagegen Aktionen.

Bis zu 100 Teilnehmer erwartet

Rund 15 Anwohner und Mitglieder verschiedener Parteien haben sich zusammengeschlossen, um sich gegen die Pläne zu wehren. Sie rechnen mit 50 bis 100 Teilnehmern für den am Samstag geplanten Stadtteilspaziergang, so Arthur Winkelbach, Sprecher der Initiative.

„Eine Kameraüberwachung rund um die Uhr durch eine Polizeibehörde macht alle Menschen verdächtig“, sagt er. „Die Überwachung trifft jeden. Das ist ein massiver Eingriff in die Grund- und Persönlichkeitsrechte.“

Die Münsterstraße in der Nordstadt gilt als Kriminalitätsschwerpunkt und Angstrau

Die Münsterstraße in der Nordstadt gilt als Kriminalitätsschwerpunkt und Angstraum. © Kevin Kindel (A)

Miray Aydin, Mitglied der Initiative, fürchtet eine Stigmatisierung: „Die Münsterstraße wurde nicht zuletzt durch Innenminister Reuls Kampagne gegen ,Clankriminalität‘ zu einem angeblich gemeingefährlichen ,Angstraum‘ gebrandmarkt.“ Auch sie findet: „Eine Tag- und Nachtüberwachung unserer Straße würde uns alle zu Verdächtigen stempeln.“

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Außerdem bezweifeln die Video-Gegner auch die Wirksamkeit einer solchen Maßnahme. „Unserer Meinung nach ist Videoüberwachung keine Antwort auf die verschiedenen sozialen Probleme in der Dortmunder Nordstadt. Videoüberwachung hilft weder bei Armut und Überschuldung, noch bei Drogensucht“, sagt Winkelbach.

Verdrängung von Problemen befürchtet

Videoüberwachung verhindere keine Straftaten, sondern zeichne diese höchstens auf. Und sie löse keine Probleme, sondern verdränge sie lediglich in die nächste Straßenecke.

Die Videoüberwachungsgegner haben bereits Transparente für den Stadtteilrundgang angefertigt.

Die Videoüberwachungsgegner haben bereits Transparente für den Stadtteilrundgang angefertigt. © Initiative

Um 12 Uhr wollen die Überwachungs-Gegner am Samstag vom Mehmet-Kubaşık-Platz ihren Rundgang durch den Stadtteil beginnen. Begleitet wird die Aktion durch Reden und Straßenkunst.

Zunächst gehe es darum, eine kritische Öffentlichkeit zu schaffen für das Thema, so Winkelbach. „Natürlich wollen wir die Überwachung stoppen. Aber erst einmal wollen wir ein Bewusstsein schaffen und bessere Lösungsansätze für die Probleme des Viertels finden.“

Weitere Möglichkeiten des Widerstands

Ab 16 Uhr ist dazu im Nordpol, Münsterstraße 99, ein Nachbarschaftstreffen geplant. Dort sollen auch weitere Möglichkeiten des Widerstands diskutiert werden.

Arthur Winkelbach betont, beim Verteilen von Flugblättern gegen die Kameraüberwachungspläne seien in den letzten Tagen viele konstruktive Gespräche geführt worden. Die möchte die Initiative fortführen.

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