Die Polizei will Kameras in der Nordstadt - doch dagegen gibt es Protest

dzKriminalitätsbekämpfung

Gegen die geplanten Kameras auf der Münsterstraße in der Nordstadt regt sich Protest. Am Samstag gab es dort einen Demozug. Außerdem planen die Gegner kreative Aktionen gegen die Videobeobachtung.

Dortmund

, 29.02.2020, 14:35 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der Dortmunder Polizeipräsident wird am Montag die aktuelle Kriminalitätsstatistik vorstellen. Ein Thema wird voraussichtlich die Kriminalitätsentwicklung in der Nordstadt sein. Doch egal, ob die Kriminalität dort ab- oder zugenommen hat, steht eines fest: An der Münsterstraße sollen Kameras installiert werden, mit deren Hilfe Straftaten verhindert werden sollen. Gegen die Kameras formiert sich nun Protest.

Mit einem Stadtteilspaziergang über die Münsterstraße sind Kamera-Gegner einem Aufruf des losen Bündnisses „Nachbar*innen gegen die Videoüberwachung“ gefolgt. Nach einer kleinen Kundgebung auf dem Mehmet-Kubaşik-Platz verteilten die Teilnehmer Handzettel an die Anwohner. Darauf haben sie noch einmal die Hauptargumente gegen eine Videobeobachtung zusammengefasst:

  • Kameras würden alle zu Verdächtigen machen.
  • Sie verhinderten keine Straftaten, sondern zeichneten sie höchstens auf.
  • Die Probleme würden nicht gelöst, sondern sie würden nur in die nächste Seitenstraße oder den nächsten Seiteneingang verlagert.

Arthur Winkelbach, Sprecher der Nachbarschaftsinitiative, sieht in der Ausstattung der Münsterstraße mit Kameras keine Lösung sozialer Probleme, im Gegenteil: Er könne sich vorstellen, dass sich mit den Kameras bei den Anwohnern ein beklemendes Gefühl der Überwachung einstelle. „Man verhält sich anders, weil man sich fragt, welches Verhalten ist noch angemessen.“

Polizei will schnell reagieren können

Schon als erstmals das Kamera-Projekt bekannt wurde, hatte die Polizei betont, dass sich die Polizisten an den Monitoren nicht für das Privatleben der Bürger interessieren. Vielmehr hätten Polizisten auf Monitoren das Geschehen im Blick, um bei einer Straftat schnell reagieren zu können, was einige Händler an der Münsterstraße sogar begrüßten. Der Polizeipräsident sprach seinerzeit ausdrücklich von einer Videobeobachtung statt einer Überwachung.

Zu der Kundgebung und dem anschließenden Spaziergang kamen fast ebenso viele Polizisten, die die Veranstaltung begleiteten, wie Teilnehmer. Über mehr Zulauf würden sich auch die „Nachbar*innen gegen Videoüberwachung“ freuen. Allerdings seien die Sorgen im Viertel bei der großteils migrantisch geprägten Bevölkerung rund um die Münsterstraße vielleicht andere, meint Sprecher Arthur Winkelbach mit Blick auf die eher geringe Teilnehmerzahl. Viele hätten auch noch nichts von den Plänen mitbekommen, das ändere sich aber, wenn die ersten Kameras an der Münsterstraße installiert seien. Auch dafür sollte der Demo-Spaziergang ein Bewusstsein schaffen.

Gegner wollen Kameras verhindern

Grundsätzlich gehe es nun darum, das geplante Projekt doch noch zu verhindern. Dazu sollte es am Samstag ein Treffen im Nordpol an der Münsterstraße geben, wo unter anderem juristische Mittel besprochen werden sollten. „Vielleicht gelingt es uns auch, in der Bezirksvertretung (Nordstadt) eine andere poltische Mehrheit in Bezug auf die Kameras zu bekommen“, so Winkelbach. Besprochen werden sollte auch ein kreativer Protest. Bei Demonstrationsversammlung etwa müssten die Kameras abhängt beziehungsweise abgeschaltet werden. Vielleicht treffe man sich dann öfters an der Münsterstraße.

Mit einem Spaziergang über die Münsterstraße wollten die Teilnehmer auf ihre Argumente gegen eine Videoüberwachung durch die Polizei dort aufmerksam machen.

Mit einem Spaziergang über die Münsterstraße wollten die Teilnehmer auf ihre Argumente gegen eine Videoüberwachung durch die Polizei dort aufmerksam machen. © Dennis Werner

Die Kameras an der Münsterstraße sollen noch in der ersten Häfte des Jahres 2020 installiert werden. Vorlage für das Projekt sind die Kameras, die bereits Ende 2016 im Brückstraßenviertel installiert worden waren.

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