Sigrid Schalla geht der Prozess um den Mord an ihrer Tochter auch mehr als 27 Jahre nach der Tat sehr nahe. © Stephan Schütze
Nicole-Denise Schalla (†16)

Mordfall Schalla: Wie die Eltern nach 27 Jahren das Prozess-Ende erleben

Gut ein Vierteljahrhundert nach dem Tod ihrer Tochter haben Sigrid und Joachim Schalla gehört, dass ein Verdächtiger angeklagt wird. So erlebt das Paar jetzt die letzten Tage des Mammutprozesses.

Die jahrelange emotionale Achterbahnfahrt, die Sigrid und Joachim Schalla erlebt haben, können sich die wenigsten Menschen vorstellen. Im Herbst 1993 ist ihre 16-jährige Tochter Nicole-Denise auf dem Heimweg getötet worden. Sie war aus einem Linienbus ausgestiegen und nie zu Hause im Jungferntal angekommen.

25 Jahre lang lebte das Ehepaar ohne jeden Erklärungsansatz, wer der Tochter mit den blonden Locken das Leben genommen haben könnte. Dann hat ein neues technisches Verfahren ermöglicht, eine Hautschuppe vom Tatort dem Verdächtigen Ralf H. zuzuordnen.

Doch mit dieser Nachricht begann das Hin und Her erst so richtig. Im Dezember 2018 startete das Strafverfahren gegen den Castrop-Rauxeler. Etwa ein Jahr lang lief es, dann ist eine Richterin langfristig erkrankt.

Der Prozess musste von vorne beginnen, ein anderer Vorsitzender musste zu Beginn der Corona-Pandemie ausgetauscht werden, weil er zur Risikogruppe gehört. Dann wurde ein neuer Pflichtverteidiger beantragt – als der den Fall übernahm, kamen Akten nicht rechtzeitig bei ihm an. Kurzum: Immer wieder gab es neue Bremsklötze im Prozess.

„Heute Morgen konnte ich nicht aufstehen“

Am Mittwoch (20.1.) sind endlich die Plädoyers gehalten worden – das Urteil soll in der kommenden Woche fallen. „Eigentlich hab ich überraschend gut geschlafen“, sagte Sigrid Schalla im Landgericht: „Aber heute Morgen konnte ich nicht aufstehen. Weil die letzten Tage doch sehr emotional waren.“

Am Vormittag hat sie noch gehofft, dass am Mittwoch ein Urteil folgen könnte: „Bevor dann doch wieder die Möglichkeit besteht, dass es Verzögerungen gibt, möchten wir es endlich abschließen.“ Nachdem das nicht geklappt hat, sagte sie am Mittag, dass sie doch insgesamt erleichtert sei ob des nahen Endes: „Je länger das alles läuft, desto mehr zehrt es an unseren Kräften.“

Für ihren Mann Joachim ist die Anspannung noch stärker: „Bis zum Urteil“, wie er sagte. Als der Verteidiger des Angeklagten darüber sprach, warum sein Mandant freizusprechen sei, verließ Joachim Schalla den Saal. „Das kann ich mir nicht ziehen, dann gehe ich lieber raus“, erklärte der Vater im Anschluss. Wäre er geblieben, sei die Versuchung zu groß geworden, dem Verteidiger ins Wort zu fallen.

Ein Urteil wird für Montag, den 25. Januar, erwartet.

Über den Autor
Redaktion Dortmund
Kevin Kindel, geboren 1991 in Dortmund, seit 2009 als Journalist tätig, hat in Bremen und in Schweden Journalistik und Kommunikation studiert.
Zur Autorenseite
Kevin Kindel

Dorsten am Abend

Täglich um 19:00 Uhr berichten unsere Redakteure für Sie im Newsletter über die wichtigsten Ereignisse des Tages.

Informationen zur Datenverarbeitung im Rahmen des Newsletters finden Sie hier.