Mordfall Schalla: So geht es mit dem Angeklagten jetzt weiter

dzGeplatzter Prozess

Seit Ende 2019 wird im Mordfall Schalla nicht mehr verhandelt. Der Angeklagte Ralf H. wollte deshalb seine Freilassung erzwingen. Das Oberlandesgericht hat dazu eine Entscheidung getroffen.

Dortmund

, 16.04.2020, 17:48 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der Castrop-Rauxeler Ralf H. sitzt seit seiner Festnahme im Sommer 2018 in Untersuchungshaft. Damals hatte die Polizei bei der nachträglichen Untersuchung von DNA-Spuren einen Treffer gemeldet und den Mordfall aus dem Herbst 1993 endlich für gelöst erklärt. Nicole-Denise Schalla war nach dem Aussteigen aus dem Bus auf dem Heimweg im Jungferntal erwürgt worden. Die Leiche der damals 16 Jahre alten Schülerin wurde am nächsten Tag gefunden.

Trotz der DNA-Spur, die an der unbekleideten Leiche gesichert wurde und - so die Experten - mit übergroßer Wahrscheinlichkeit ihm zugerechnet werden kann, bestreitet Ralf H., etwas mit dem Mord zu tun zu haben. Das hat er am ersten Verhandlungstag erklärt. Und so sprach er auch noch knapp ein Jahr später, als das Dortmunder Schwurgericht zum vorerst letzten Mal verhandeln konnte.

Prozess ruht seit Dezember

Seit Dezember 2019 ruht der Prozess gegen den Mordverdächtigen. Die Erkrankung einer Richterin ließ zunächst einen geplanten Fortsetzungstag nach dem anderen und schließlich den ganzen Prozess platzen. Als im März feststand, dass die Richterin auch die letzte gesetzliche Frist verstreichen lassen musste, wurde das Verfahren ausgesetzt. Demnächst soll der Prozess noch einmal ganz von vorne beginnen.

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Die Zwischenzeit wollte der Angeklagte nun dazu nutzen, vorzeitig aus der Untersuchungshaft entlassen zu werden. Die Haftprüfung musste vom zuständigen Strafsenat des Oberlandesgerichts in Hamm vorgenommen werden. Und der kam am Freitag zu einem eindeutigen Ergebnis.

Der Angeklagte Ralf H. vor dem Dortmunder Schwurgericht.

Der Angeklagte Ralf H. vor dem Dortmunder Schwurgericht. © Jörn Hartwich

Strafsenat: Keine Verfahrensverzögerung

Nach Ansicht der Hammer Richter ist Ralf H. „weiterhin dringend verdächtig“, Nicole-Denise Schalla ermordet zu haben. Darüber hinaus sei auch nicht zu erkennen, dass das Dortmunder Schwurgericht das Verfahren gegen den Castrop-Rauxeler in unzulässiger Weise verschleppt hat. Im Gegenteil: „Aus Sicht des Senats ist die Kammer ihrem Beschleunigungsgebot nachgekommen“, erklärte OLG-Sprecher Martin Brandt am Freitag. Dass die Dortmunder Richter zunächst davon ausgingen, mit vier Verhandlungstagen auszukommen, sei ebenfalls nicht zu beanstanden, so das OLG. Denn die vielen Tage, die sich anschließend dazugesellten, seien nur deshalb erforderlich geworden, weil die Verteidiger von Martin H. „sukzessive neue Beweisanträge gestellt“ hätten, so Brandt.

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Aus Sicht des Strafsenats ist die Fortsetzung der Untersuchungshaft dringend erforderlich, weil weiter Fluchtgefahr bestehe und es außerdem um einen Fall der Schwerkriminalität gehe. Wenn der Prozess neu startet, wird Ralf H. also aus der Haft in den Saal gebracht werden. Wann das sein wird, steht aber noch nicht fest.

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