"Mord"-Vorwurf wegen Baumfällung

DORTMUND „Dieser Baum soll gemordet werden.“ So war es jetzt an einem Ahorn am Robert-Koch-Platz zu lesen. Die ausführlichen Pamphlete waren im gesamten Kaiserstraßen-Viertel angeschlagen. Ein selbst ernannter Baumschützer, der mit seinem grünen Engagement weit übers Ziel hinausschießt, treibt dort seit Jahren sein Unwesen.

von Von Bettina Kiwitt

, 01.07.2008, 18:33 Uhr / Lesedauer: 2 min
Arnold Vogt (l.) und Lars Terme mit Pamphleten und Trauerkarten, mit denen sie von einem anonymen, selbst ernannten Baumschützer traktiert werden.

Arnold Vogt (l.) und Lars Terme mit Pamphleten und Trauerkarten, mit denen sie von einem anonymen, selbst ernannten Baumschützer traktiert werden.

Regelmäßig fischt Arnold Vogt, Vorsitzender der Werbegemeinschaft Kaiserstraße, anonyme Trauerkarten aus seinem Briefkasten. Als „Mörder“ wird er darin beschimpft, der illegale Fällungen unterstützt. Ebenso betroffen sind OB Dr. Gerhard Langemeyer, Stadtdirektor Ullrich Sierau und der städtische Gärtnermeister Lars Terme, die auch mit Trauerkarten und wüstesten Beschimpfungen bombardiert werden. Terme wird z.B. von dem selbst ernannten Baumschützer als „Grünpfleger“ – in Anführungsstrichen – bezeichnet, „der das Todesurteil sprach“.

Baum von Pilz befallen

Beim jetzigen Fall geht es um einen 70 bis 80 Jahre alten Ahorn, der möglicherweise gefällt werden muss. Er ist vom heimtückischen Lacksporling befallen. „Da dieser Pilz den Stammfuß und die Wurzel befällt, kann der Baum umfallen“, erklärt Lars Terme, der sich ausgiebig in der einschlägigen Fachliteratur schlau gemacht hat. Den Pilz könne man nicht bekämpfen. Es bestehe sogar die Gefahr, dass er auch andere Bäume befalle, wenn man ihn nicht fälle. Denn es zeigten sich bereits außen am Stamm die Fruchtkörper, die dann die Sporen ausstreuten.

Gutachten in Auftrag gegeben

Doch noch ist gar nicht klar, ob der Ahorn der Säge zum Opfer fallen wird. Terme hat ein Gutachten bei einem externen Sachverständigenbüro in Auftrag gegeben. Der Gärtnermeister fühlt sich von den Anschuldigungen persönlich tief getroffen, da er aus Überzeugung den Beruf des Gärtnermeisters gewählt hat. „Für jeden Baum, der gefällt wird, pflanzen wir oft zwei, drei neue“, betont er. Auch Arnold Vogt macht klar, dass er den Ahorn alles andere als als „unschönen Grünbewuchs“ empfinde, wie ihm von dem Unbekannten unterstellt wird.

„Hier ist mein Elternhaus. Ich bin mit dem Ahorn groß geworden.“ Wenn der Baum allerdings zu einer Gefahr werde, müsse er weg. „Der Unbekannte soll sich endlich zu erkennen geben“, fordert Vogt. Das Geld für Porto und die Trauerkarten könne er besser in der Werbegemeinschaft anlegen, in der man sich für ein attraktives und grünes Kaiserstraßen-Viertel stark mache. Strafantrag wegen „Stalking“ und Verleumdung hat Vogt bereits gestellt.

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