Mord-Drama: Mann erschießt Mutter und begeht Selbstmord

DORTMUND Familiendrama in der Nordstadt: Siegfried W. (55) erschoss am Mittwoch seine Mutter Johanna (83), anschließend tötete er sich selbst. Hintergrund der Verzweiflungstat ist offenbar eine drohende Haftstrafe wegen Umweltdelikten.

von Von Andreas Wegener

, 31.07.2008, 22:15 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der selbstständige Autolackierer hatte im April vergangenen Jahres für Aufsehen gesorgt, als er elf Giftfässer illegal entsorgte: Gleich neben seiner Firma in Körne verbaggerte er die umweltgefährdenden Stoffe in dem Stollen einer alten Zinkhütte. Dummerweise beschädigte er dabei eine Wasserleitung, die Straftat flog auf. Damals gab er sich reumütig: „Es war eine Verzweiflungstat“, sagte „Siggi“ unserer Zeitung. Früher habe er stets darauf geachtet, dass bloß kein Tropfen Öl auf den Boden fällt. Doch das schlechte Gewissen plagte ihn nicht lange: Im März fanden Polizisten in Eving auf einem Gartengrundstück mehrere defekte Kanister voll Altöl und Lösungsmittel – wieder führte die Spur zu Siegfried W. Schon für die erste Tat hatte die Staatsanwaltschaft eine mehrjährige Bewährungsstrafe gefordert – als Wiederholungstäter drohte ihm jetzt der Gang ins Gefängnis. Am 28. August hätte er sich vor Gericht verantworten müssen.Täter rief selbst 110 Offenbar quälte den 55-Jährigen auch die Sorge um seine kranke Mutter, die er vor drei Jahren aus dem sauerländischen Werdohl in die Nordstadt geholt hatte. Dort lebte die Seniorin in einer Parterre-Wohnung in der Altonaer Straße. Ein Nachbar, der sich hin und wieder um sie kümmerte: „Er besuchte sie jeden Tag, alleine kam sie nicht mehr zurecht. In Kürze wollte er sie zu sich in die Wohnung holen, der Mietvertrag war schon unterschrieben.“ Doch in den letzten Tagen, berichtet der Bekannte, sei es rapide bergab gegangen mit dem Gesundheitszustand der 83-Jährigen.Die meisten Nachbarn bekamen von den Schüssen nichts mit. „Siggi“ selbst hatte noch die Polizei gerufen. „Hier liegen gleich zwei Leichen“, soll er den Beamten gesagt haben. Gegen 12.42 Uhr bremste der Notarzt vor dem Haus. Er konnte nur noch den Tod der beiden feststellen. Seit einigen Wochen hatte der Lackierer neue Firmenräume am Straßenstrich. „Eigentlich war er immer ein sehr netter Kerl“, sagt ein junger Mann, der einen Steinwurf entfernt bei einem anderen Betrieb arbeitet. „Ich kenne den Siggi schon seit zehn Jahren, für seine Tat habe ich keine Erklärung.“ Der Vermieter seiner Firmenräume hat jedenfalls schnell gehandelt: „Zu vermieten“ steht auf einem handgeschriebenen Zettel an der Tür.

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