Monteur-Unterkunft: Nach trügerischer Ruhe üben Anwohner weiter Kritik

dzKönigsheide 67

Wild parkende Autos, wechselnde Bewohner – ein gewohntes Bild an der Königsheide 67. Dabei war es zwischenzeitlich still um das Haus. Den Nachbarn bleibt die Frage: Ist das alles rechtens?

Groppenbruch

, 07.07.2020, 08:57 Uhr / Lesedauer: 3 min

Die kleine Nachbarschaftsrunde im Garten von Heinz Brunstein ist ratlos. Seit zweieinhalb Jahren ärgern sie sich über die Zustände rund um das Haus Königsheide 67. Es ist das erste in der etwas zurückgesetzt liegenden Häuserzeile, direkt neben einem Kornfeld.

Hier wohnen Menschen, die in Dortmund und Umgebung ihrem Beruf nachgehen. Die Frage, die die Nachbarn in all dieser Zeit untereinander diskutieren und auch in der Bezirksvertretung Mengede öffentlich gemacht haben, ist: Wohnen die Menschen hier wirklich oder übernachten sie nur?

Jetzt lesen

Autos und Transporter mit Kennzeichen aus dem Emsland, aus Frankreich und aus Osteuropa werfen diese Frage auf. Handelt es sich um eine private Nutzung oder eine gewerbliche Vermietung? „Wir wollen darauf nur eine rechtlich klare Antwort“, sagt Heinz Brunstein. „Und, um es klar zu sagen: Wir haben nichts gegen die Menschen. Die gehen ihrer Arbeit nach.“

Stadt markierte Parkstreifen

Wogegen die Anwohner etwas haben, ist teilweise das Parkverhalten der Nachbarn. Der Parkraum ist knapp, weitere Parkplätze gibt es hier nicht. Um das Parken in der Sackgasse zu regeln, hat die Stadt im Frühjahr Parkstreifen markiert. Seitdem dürfen die Autos halbseitig auf dem Bürgersteig stehen – das Ergebnis eines Vor-Ort-Termins mit Mengeder Politikern und Vertretern der Verwaltung.

Vor den Häusern in der Sackgasse hat die Stadt im Frühjahr den Parkraum markiert.

Vor den Häusern in der Sackgasse hat die Stadt im Frühjahr den Parkraum markiert. © Uwe von Schirp

Die Bewohner von Hausnummer 67 indes stellen ihre PKW und Transporter auch gern mal an den Rand des Feldweges oder in die Einfahrt neben dem Haus. Die ist allerdings die Zufahrt zu den Garagen der Anwohner.

Am 24. März ändert sich das Bild. „Da reisten die letzten Monteure ab“, erinnert sich Heinz Brunstein. „Das Haus stand dann zwei Monate komplett leer.“ Seit dem 25. Mai sei alles wieder beim Alten. Brunstein setzt sich im Namen der Nachbarn erneut mit der Stadtverwaltung in Verbindung, kommt im Juni erneut in die Bezirksvertretung. Es ist das neunte Mal, dass er den Ärger und die Ratlosigkeit der Nachbarn vorträgt.

Eigentümerin bewirbt „Klassische Vermietung“

Die Bezirksvertreter kennen das Problem. Im Februar beschlossen sie, die in der Sache zuständigen Dezernenten in die BV zu bitten, um Rede und Antwort zu stehen. Letztlich verzichteten sie Anfang Mai aufgrund der Nachricht über den Leerstand aber auf die Einladung.

Jetzt lesen

„Die Wohnungsaufsicht hat die Eigentümerin sowohl zu Beginn des Jahres als auch aktuell hinsichtlich möglicher Zweckentfremdung von Wohnraum angehört“, schreibt Stadtsprecher Maximilian Löchter auf Anfrage dieser Redaktion. „Auf die erste Anhörung hin wurde zutreffend mitgeteilt, dass das Haus zur Zeit leer steht und künftig längerfristige Mietverträge beabsichtigt sind.“

Darauf deutet auch eine geänderte Bewerbung des Wohnraums auf der Seite monteur-wohnung-24.de hin. Dort steht nun „Klassische Vermietung“ für die Adresse Königsheide 67. Anbieter der Wohnungen ist die Firma Abraham Immobilien.

Zum Pensionsbetrieb gehören Dienstleistungen

„Grundsätzlich ist eine Vermietung an Monteure aber nicht rechtlich ausgeschlossen. Laut Rechtsprechung kann auch eine kurzfristige Vermietung zum Beispiel an Monteure ‚Wohnen‘ sein“, erklärt Stadtsprecher Maximilian Löchter.

„Zu einem ‚Pensionsbetrieb’ gehören auch Dienstleistungen wie Putzen, Frühstück oder Wäsche waschen. Derartige Dienstleistungen der Eigentümerin sind hier nicht festzustellen.“ Die wollen die Anwohner hingegen aber festgestellt haben.

„Jeden Montag zwischen 8 und 11 Uhr kommt ein Auto der Firma Abraham, um eine Vollreinigung zu machen und Betten zu beziehen“, erklären sie im Garten. Aktuell hat Heinz Brunstein eine offenkundige Reinigung am Freitag (3.7.) notiert.

Keine Tatbestände bei Kontrollen Mitte Juni

Die Stadt berichtet indes von Kontrollen des Ordnungsamts-Außendienstes am 15., 18. und 19. Juni, jeweils zwischen 18.30 Uhr und 18.45 Uhr. „Tatbestände, die ein Einschreiten gerechtfertigt hätten, lagen an allen drei Terminen nicht vor“, schreibt Maximilian Löchter.

Regelmäßig parken die Bewohner des Hauses widerrechtlich am Rande des Feldwegs.

Regelmäßig parken die Bewohner des Hauses widerrechtlich am Rande des Feldwegs. © privat

„Vor Ort wurden keine oder nur wenige Personen (2) angetroffen. Parkverstöße waren bei den drei Kontrollen nicht festzustellen. Das Haus ist unscheinbar, mit aufgeräumtem Innenhof.“

An beiden Tagen der Woche, an denen das Ordnungsamt nicht kontrollierte, protokollieren die Nachbarn hingegen Auffälligkeiten. Am 16. Juni (Dienstag) parken am späten Abend ein Kastenwagen und ein BMW auf dem Grünstreifen im Feldweg nahe der Häuser. Die Straße ist für den Verkehr gesperrt.

Bewohner schläft im Auto

Am Abend darauf geht Martin Radke mit seinem Hund Gassi. Eher zufällig sieht er in ein Auto, das auf dem Parkstreifen steht, und entdeckt einen schlafenden Bewohner des Hauses Königsheide 67 auf dem Beifahrersitz.

Bei einem Ortstermin dieser Redaktion mit den Anwohnern am 22. Juni (Montag) macht das Haus einen unscheinbaren Eindruck. Lediglich zwei PKW mit polnischem und ungarischem Kennzeichen ordnen die Nachbarn den Bewohnern der Königsheide 67 zu. Daran ändert sich auch in den nächsten 13 Tagen nichts, wie Heinz Brunstein erklärt.

Sonntagabend, 6. Juli: Bewohner parken ihren Firmenwagen im Parkverbot halb vor der Einfahrt zu den Garagen der Anwohner.

Sonntagabend, 6. Juli: Bewohner parken ihren Firmenwagen im Parkverbot halb vor der Einfahrt zu den Garagen der Anwohner. © privat

Zeigen die Maßnahmen der Stadt womöglich eine abschreckende Wirkung? Oder ist es das sprichwörtliche Katz-und-Maus-Spiel? Am vergangenen Sonntag (5.7.), um 18.21 Uhr schickt Heinz Brunstein ein Foto von einem Kastenwagen. „Voll vor die Einfahrten und im Parkverbot geparkt“, scheibt er. „Das hört einfach nicht auf.“

Lesen Sie jetzt