OB Westphal im Gespräch mit den Airport-Betriebsräten vor Sitzungsbeginn in der Halle. © Beushausen
Dortmund Airport

Mögliche Flughafen-Alternative: OB Westphal kritisiert Gutachten

Die Stadt Dortmund trägt das Vorhaben des Airports mit, die Landebahn für Flieger aus Richtung Osten über volle 2000 Meter nutzbar zu machen. Ein anderer Punkt dürfte dem Airport weniger gefallen.

Die Stadt hat freie Hand, der Münsteraner Bezirksregierung ihre positive Stellungnahme zum Ansinnen des Flughafens abzugeben. Bekanntlich will der Airport die Landebahn so herrichten, dass Maschinen aus Richtung Osten die Bahn bei der Landung über volle 2000 Meter nutzen können. Bislang dürfen Maschinen erst nach 300 Metern aufsetzen, weshalb ihnen lediglich 1700 Meter zur Verfügung stehen.

Nun soll die „Landeschwelle“ (bzw. der Aufsetzpunkt) um eben diese 300 Meter in Richung Osten verlegt werden. Genehmigt werden muss das Vorhaben von der Münsteraner Bezirksregierung. Dazu benötigt sie u.a. die Stellungnahmen der umliegenden Gemeinden. Am Donnerstag (11.2.) gaben die Politiker im Dortmunder Rat der Verwaltung mehrheitlich das „Okay“ zur Unterstützung des Flughafens bei der Bezirksregierung.

Airport-Betriebsräte durften Flyer nicht verteilen

Zumindest das dürfte Thomas Stegmann, Betriebsratsvorsitzender am Airport, und seine drei Mitstreiter gefreut haben. Die Vier hatten sich vor Beginn der Ratssitzung frierend vor die Westfalenhalle gestellt, um Flugblätter zu verteilen. Bis die Polizei eingriff und die Weitergabe der Flyer aus Hygieneschutzgründen verbot. Man habe das als „Spontandemonstration“ gewertet, der aber keine Anzeige folgen soll, hieß es.

Mit ihrer Aktion trommelten die Betriebsräte für die Schwellenverlegung. Und gleichzeitig gegen den Antrag einer Koalition aus Grünen, CDU und Linken+. Sie wollen einen Gutachter mit einem „Nachfolgeszenario“ für den Fall beauftragen, dass der Airport floppt. Entweder, weil Wizz Air verloren geht oder die EU-Vorgaben nicht erreicht werden.

Was SPD-Ratsherr und Flughafen-Aufsichtsrat Rüdiger Schmidt mit Blick auf die Arbeitsplätze zur Bemerkung veranlasste, das sei letztlich „der Auftrag, den Flughafen mit gutachterlicher Begleitung zu schließen.“ FDP-Fraktionschef Michael Kauch assistierte: „Der Antrag torpediert den Airport im Markt und entzieht ihm die wirtschaftliche Grundlage“, sagte Kauch. Die CDU müsse sich fragen lassen, ob sie ihren „wirtschaftlichen Kompass auf die Grünen eingeschwenkt hat?“

“Das Papier ist kein Schließungsantrag”

Die sehen das naturgemäß anders. Das Papier von Grünen, CDU und Linke+ sei „kein Schließungsantrag“, widersprach Grünen-Sprecherin Ingrid Reuter. Er sei vielmehr Beleg für eine „vorausschauende Politik“. Auch habe der Flughafen bei Weitem nicht die Bedeutung für die Wirtschaft, wie sie immer wieder betont werde. Auch CDU-Fraktionschef Jendrik Suck griff in die Debatte ein – und verwahrte sich gegen die Stichelei von FDP-Fraktionschef Kauch.

Die Haltung der CDU zum Flughafen sei bereits bei der Schwellenverlegung deutlich geworden – die von der CDU zuvor mitgetragen worden war. Suck betonte die „hohe Verantwortung“ der Politik für die kommunalen Unternehmen.

OB Westphal besorgt über Signal in den Markt

Es gehe darum, „wesentliche Abhängigkeiten“ zu beleuchten, sagte der CDU-Fraktionschef mit Fingerzeig auf den Airport-Platzhirsch Wizz Air, der rund 70 Prozent des Passagieraufkommens trägt. Der Antrag sei Ausfluss einer „verantwortungsvollen Politik”. Dem müsse der Rat in seiner Rolle als Gesellschafter nachkommen, sagte Suck.

OB Thomas Westphal überzeugten die Argumente nicht. Seiner Meinung nach braucht es eher kein gutachterliches Nachfolgeszenario. Weil bereits die Airport-Geschäftsführung eine Risikoanalyse erstelle. „Im Luftverkehrsmarkt ist die Erzählung eine andere“, warnte Westphal.

Dort heiße es inzwischen: Es sei schwierig, mit dem Dortmund Airport zu verhandeln, weil die Stadt ihren Flughafen schließen wolle. „Sie lassen die Geschäftsführung im Regen stehen“, sagt der OB. Beeindrucken ließen sich CDU, Grüne und Linke+ nicht: Sie brachten ihren Antrag mit eigener Mehrheit durch.

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Jahrgang 1961, Dortmunder. Nach dem Jura-Studium an der Bochumer Ruhr-Uni fliegender Wechsel in den Journalismus. Berichtet seit mehr als 20 Jahren über das Geschehen in Dortmunds Politik, Verwaltung und Kommunalwirtschaft.
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