Nach 30 Jahren Ehe war plötzlich Schluss. Eine Dortmunderin erzählt, wie sie danach den Neustart geschafft hat (Symbolbild). © Pixabay
Single mit Ü50

Mit 57 plötzlich wieder Single: Wie eine Dortmunderin den Neustart schaffte

Nach 30 Jahren Ehe war plötzlich Schluss. Mit Mitte 50 war eine Dortmunderin plötzlich auf sich alleine gestellt. Auch das Single-Leben musste sie ganz neu kennenlernen.

Wer für dreißig Jahre glücklich verheiratet ist und sich gemeinsam mit dem Ehepartner ein Leben aufgebaut hat, rechnet nicht mehr mit einer Trennung. Das hat Claudia Miller (Name von der Redaktion geändert) auch nicht. Dennoch hat sie diese harte Erfahrung machen müssen.

Trennung nach 30 Jahren Ehe

Claudia Miller kommt aus Dortmund und ist vor kurzem 57 Jahre alt geworden. Selbst beschreibt sie sich als eine herzliche Frau, die ihre Kinder über alles liebt.

Die Bindung zu ihren vier Kindern sei in den vergangenen Jahren noch intensiver geworden als sie zuvor bereits war, da Miller eine emotionale Zeit hinter sich habe. Vor gut fünf Jahren habe sich ihr Mann nach dreißig Jahren Ehe von ihr getrennt.

„Mein Ex-Mann hat eine andere Frau kennengelernt, mit der er es wohl vorgezogen, hat zusammen zu leben”, begründet sie die Trennung. Dieses Ereignis sei wohl der größte Einschnitt und die schwierigste Herausforderung in ihrem Leben gewesen. „Das war sehr schmerzhaft für mich, weil ich vorher gar nichts geahnt habe”, sagt sie.

Miller habe zu der Zeit gewusst, dass sie und ihr Ex-Mann einige Probleme hatten. Dennoch habe sie fest damit gerechnet, dass ihre Beziehung wieder die richtige Richtung einschlagen werde. „Ich habe gedacht: Das ist jetzt mal eine kleine Krise, die hat man in einer so langen Ehe schon mal”, beschreibt sie ihre damalige Gefühlslage.

„Das berührt mich immer noch, auch nach so vielen Jahren.”

Nach 30 Jahren Ehe plötzlich wieder als Single dazustehen, können sich wohl die wenigsten vorstellen. Für Claudia Miller sei es ein komisches und unbekanntes Gefühl gewesen. „Ich bin direkt von meinem Elternhaus zu meinem Ex-Mann gezogen. Ich war vor der Trennung nie alleine”, sagt sie.

Natürlich stand sie trotz der Scheidung in Kontakt zu ihren Kindern, jedoch haben diese zu der Zeit bereits nicht mehr Zuhause gewohnt. „Ich bin sehr froh die Kinder zu haben. An ihnen sieht man, dass zumindest etwas Gutes aus der Beziehung zurückgeblieben ist”, sagt sie.

Im Laufe der vergangenen Jahre habe sich Millers emotionale Verfassung verändert. Doch an der Trennung habe sie immer noch zu knabbern, obwohl sie bereits fünf Jahre her ist.

„Der erste Schock ist sicherlich vorbei. Die ersten zwei Jahre war ich sehr schockiert und auch handlungsunfähig. Das hat sich sicherlich gelegt”, sagt sie.

Die Alleinstehende bedauere es jedoch immer noch sehr, dass die Familie bei der Trennung auseinander gebrochen ist. Der Familienbruch äußere sich beispielsweise daran, dass ihre Kinder sie und ihren Ex-Mann an Geburtstagen nicht mehr zusammen einladen.

Auch Vorstellungen einer Partnerschaft wie Unterstützung, Vertrauen und Kraft habe die Trennung zunichtegemacht. „Das berührt mich immer noch, auch nach so vielen Jahren. Das ganze Lebenskonzept ist kaputt”, fasst sie zusammen.

Herausforderungen nach einer Trennung

Kontakt mit ihrem Ex-Mann habe sie kaum noch. Sie unterhalten sich sachlich über ihre Kinder, wenn es etwas zu regeln gibt. Aber auch dieser Berührungspunkt werde immer weniger. „Die persönliche Ebene gibt es für mich nicht mehr. Wenn er mit mir spricht, hört sich das nur gekünstelt an”, sagt sie.

Obwohl die Situation für Claudia Miller sehr hart war, hat sie dennoch etwas aus ihr gelernt: „Man kommt auch ohne Partner durchs Leben, auch wenn das nicht so lustig ist”. Zudem habe ihr die Zeit gezeigt, dass ihre Kinder zu ihr stehen und sie sich immer auf sie verlassen kann.

Mittlerweile haben sich einige Dinge verändert im Gegensatz zu der Zeit als sie noch verheiratet war. Viele Entscheidungen könne sie wieder alleine treffen. Dabei müsse sie nun keine Rücksicht mehr auf einen Partner nehmen.

Am Anfang habe sie erst wieder lernen müssen, wie sie eine eigenständige Entscheidung treffe. „Wir hatten eine sehr konventionelle Ehe, da hat der Mann schon vorgegeben, was gemacht werden sollte. Er hatte die Entscheidungsmacht”, so Miller. „Entscheidungen treffen zu müssen, aber auch treffen zu dürfen. Das hat sich extrem verändert”, führt sie fort.

Außerdem müsse sie ihre Sorgen inzwischen mit sich selbst ausmachen. Anders als damals könne sie diese nicht mehr auf zwei Schultern verteilen. „Früher war der eine für den anderen da. Das gibt es jetzt nicht mehr. Das ist auch der Punkt, der mir sehr schwerfällt”.

Trennungen mit Ü50 sind anders als im jungen Alter

Claudia Miller glaubt auch, dass eine Trennung mit Mitte 20 ganz anders ist als in ihrem Alter. Im jungen Erwachsenenalter können die Betroffenen die Partnerschaft meist einfacher hinter sich lassen.

„Je älter man ist und je länger eine Ehe angedauert hat, desto verflochtener ist das gemeinsame Leben”, erklärt sie. Auch die jeweiligen Familien seien nach einer solchen Zeit nur schwer auseinander zu dividieren.

Miller denkt auch, dass es im höheren Alter schwieriger sei, einen neuen Partner kennenzulernen. Denn junge Erwachsene hätten um sich herum viel mehr andere Alleinstehende. „In meinem Alter sind nur noch die übrig gebliebenen Singles”, sagt sie.

Wenn sie heutzutage auf eine Party gehe, seien dort überwiegend Paare. In solchen Situationen käme sie sich schnell wie das fünfte Rad am Wagen vor. „Manchmal habe ich dann auch gar keine Lust mehr auf Feiern zu gehen – und alleine zwischen all diesen Paaren zu sitzen”.

Ebenso seien die Ansprüche an einen potenziellen Partner im Alter höher. „Man kennt sich selbst im Alter viel besser als in der Jugend. Dann überlegt man, wie der Partner sein könnte, der noch irgendwie zu einem passen kann”, erklärt sie die Situation.

Diese höheren Ansprüche seien jedoch eher auf den Charakter bezogen. Das Aussehen spiele eine immer kleinere Rolle „Allerdings bringt ein toller Charakter auch nichts, wenn man jemanden vom Aussehen her völlig abstoßend findet”, sagt sie.

Erfahrungen mit dem Ex-Mann sind nicht mehr wiederholbar

Miller ist aufgefallen, dass ihre Vergangenheit sie immer noch häufig einhole. „Aus der ehemaligen Beziehung sind Wunden entstanden, die immer noch offen sind”. Früher sei sie ein Mensch gewesen, der anderen Leuten viel Vertrauen entgegengebracht habe. Doch seit ihr Ex-Mann ihres missbraucht habe, passe sie besser auf, wem sie ihr Vertrauen noch schenke.

Trotz ihrer schlechten Erfahrungen könne sie sich tendenziell eine Beziehung mit einem neuen Partner vorstellen. Zeitweise habe sie bereits einen Mann getroffen, jedoch habe dieses Verhältnis nicht gehalten.

Der Mann habe nämlich rund 100 Kilometer von ihr entfernt gewohnt, weshalb er sich gewünscht hätte, dass sie zusammenziehen. Das Problem daran war aber, dass beide Parteien ihren Wohnort nicht verlassen wollten.

Zudem sei Miller zu der Zeit aufgefallen, dass keine Beziehung nochmal so werde wie die mit ihrem Ex-Mann. Schließlich seien sie und ihr Ex-Mann miteinander gereift und haben über die Jahre viele gemeinsame Erfahrungen gemacht. „Wenn ich mit meinem Ex-Mann zu den Gräbern unserer Eltern gegangen bin, wussten wir, wer darunter liegt. Wir wussten alles voneinander. Das fehlt jeder neuen Beziehung”, sagt sie.

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Über die Autorin
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Neben dem Journalistik-Studium unterstützt Charlotte Schuster die Redaktion in Werne. Im Sommer 2020 hat sie ein Praktikum bei den Ruhr Nachrichten absolviert, welches ihr die schönen Seiten des Lokaljournalismus gezeigt hat.
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Charlotte Schuster

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