Mieter in Nette: Wasser im Keller war nur eine Frage der Zeit

dzVonovia

Wenn es anfängt zu regnen, gehen Elke Gnatkowski und Michael Knillmann sofort in den Keller. Sie kennen die Gefahr seit zwölf Jahren. Auch diesmal ist es wieder passiert.

Nette

, 30.08.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Elke Gnatkowski lebt seit zwölf Jahren in dem Vonovia-Haus an der Erdmannstraße in Nette. In dieser Zeit hatte sie siebenmal Wasser im Keller. Starke Regenfälle überfordern die Kanalisation sofort. So schlimm wie beim letzten Unwetter Mitte August war es aber noch nie.

Es hatte gerade erst angefangen zu regnen, als Elke Gnatkowski und Michael Knillmann merkten: „Das ist ein stärkerer Regen“. Aus Erfahrung klug geworden, gingen die beiden sofort in den Keller.

Bis zu den Knien im Wasser

Und tatsächlich, es dauerte nicht lange, da konnte der kleine Gulli an der hinteren Kellertreppe das Wasser nicht mehr fassen. Die beiden Mieter verfolgten die Überflutung ihres Kellers vom ersten Rinnsal an. „25 Minuten nach Beginn des Regens standen wir bis zu den Knien im Wasser“, berichtet Michael Knillmann.

Dieser Haufen Abfall steht im Keller herum. Elke Gnatkowski hofft auf Hilfe bei der Entsorgung.

Dieser Haufen Abfall steht im Keller herum. Elke Gnatkowski hofft auf Hilfe bei der Entsorgung. © Holger Bergmann

Neben den Füßen des Paares wurden auch zahlreiche Elektrogeräte, Möbelstücke, Kleidung und vor allem unzählige Fotos nass. Überschwemmungen haben in dem Haus aus den 50er-Jahren scheinbar eine unglückselige Tradition.

Barriere mit dem Hammer beseitigt

Frühere Mieter haben deshalb in jede einzelne Tür des Kellers eine bis etwa 30 Zentimeter Steinbarriere gemauert. Diesmal lief das Wasser über die Barrieren und füllte jeden Raum.

Als das Unwetter endete, verhinderten diese kleinen Mauern allerdings, dass das Wasser wieder abfloss. Michael Knillmann griff zum Hammer und schlug die Steine weg.

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Der Keller war schnell wieder begehbar. Der Abfluss des Hauses war nicht verstopft, er konnte nur die Regenmenge in dem kurzen Zeitraum nicht bewältigen. Nach dem Ende des Unwetters floss das schlammige Wasser langsam ab.

Hilfe kam zu spät

„Vier Stunden lang haben wir geflitscht“, erinnert sich Elke Gnatkowski.

Nach dem Ereignis begann für Elke Gnatkowski und Michael Knillmann das Saubermachen, das Aussortieren der zerstörten Besitztümer und das Ringen mit der Bürokratie ihre Vermieters.

Am Teppich kann man es erkennen: Im hinteren Teil des Kellers stand das Wasser noch so hoch.

Am Teppich kann man es erkennen: Im hinteren Teil des Kellers stand das Wasser noch so hoch. © Holger Bergmann

Die schickten einen Reinigungs-Trupp vorbei, „als wir schon alles sauber gemacht hatten“, so Elke Gnatkowski. Und für nächste Woche wurde ein Trockengerät für das Gebäude angekündigt. „Wir haben jetzt zwei Wochen lang gelüftet, es ist alles wieder trocken“, sagt Knillmann.

Container dürfen nicht genutzt werden

Was die beiden und die anderen des Hauses sich eigentlich von ihrer Hausverwaltung erwarten, ist Hilfe bei der Entsorgung des Sperrmülls. „Die Sachen sind nass und stinken, die kommen nicht in mein Auto. Ein Container wäre klasse.“

Zufälligerweise stehen an der Erdmannstraße gerade eine Mengede Container. Denn die Vonovia lässt die Häuser gerade renovieren und modernisieren. Doch diese Container dürfen die Bewohner nicht zur Entsorgung der beschädigten Dinge nutzen.

Mieterin fordert bauliche Maßnahmen

Laut Vonovia waren von dem Starkregen weitere Häuser an der Erdmann-, Dörwerstraße und dem Nackhofweg betroffen. „Diese Fälle sind alle in Bearbeitung der Versicherungs-Abteilung der Vonovia“, versichert Vonovia-Sprecherin Bettina Benner.

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Da ist Elke Gnatkowski in ihren Überlegungen einen Schritt weiter. Sie fordert bauliche Maßnahmen, die weitere Überschwemmungen zu verhindern: „Bereits vor elf Jahren hat man uns eine Pumpe versprochen, die ist bis heute nicht eingebaut worden.“ Auch über ein Rücklaufventil verfüge das Haus nicht.

Der siebte Schadensfall in zwölf Jahren

Eine weitere Sorge von Elke Gnatkowski sind ihre Hausrat-Versicherung und ihre Elementar-Versicherung: „Das war der siebte Schadensfall in zwölf Jahren.“ Am Telefon haben man ihr zu verstehen gegeben, dass man sie nicht mehr so gerne als Kundin hat.

Weil es keine Anzeichen gibt, dass die Gebäude baulich fit für weitere Starkregen-Ereignisse gemacht werden, sind die Mieter pessimistisch: „Die Herbststürme kommen bestimmt“, sagt Michael Knillmann.

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