Messerstich in der Nordstadt: Saufgelage lief aus dem Ruder

dzPolizei

Dem lebensgefährlichen Messerstich am Samstag in der Nordstadt ging ein Saufgelage und ein Streit voraus. Ein Video hilft Staatsanwaltschaft und Polizei, den Fall aufzuklären.

Dortmund

, 31.08.2020, 13:32 Uhr / Lesedauer: 2 min

Dem blutigen Messerstich am frühen Samstagmorgen (29.8.) in der Nordstadt, dem ein 33-jähriger Pole zum Opfer fiel, ging offensichtlich ein Saufgelage in einer Gaststätte und anschließend in der Wohnung der 52-jährigen Tatverdächtigen voraus. Wie Staatsanwalt Henner Kruse auf Nachfrage am Montag berichtet, waren vier Personen darin verwickelt.

Das Opfer war am Montag noch nicht vernehmungsfähig. Die deutsche Tatverdächtige macht drogen- und alkoholbedingt Erinnerungslücken geltend, so Kruse. Zu den Beteiligten gehören auch die Halbschwester der Tatverdächtigen und die Freundin des Opfers, die bislang nichts Substanzielles zur Aufklärung beigetragen haben, beziehungsweise für die Polizei nicht greifbar waren.

Video vom Tathergang

Dennoch konnten Polizei und Staatsanwaltschaft den Tathergang weitestgehend rekonstruieren. Dabei half auch ein Video. Opfer und Tatverdächtige hatten sich in der Nacht zu Samstag in einer Gaststätte an der Oesterholzstraße nahe des Borsigplatzes kennengelernt und sympathisch gefunden. Gemeinsam mit der Halbschwester der Tatverdächtigen und der Freundin des Opfers verließen sie die Gaststätte und gingen in die Wohnung der Tatverdächtigen ganz in der Nähe.

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Dort soll es zum Streit zwischen dem Opfer und der Halbschwester der Tatverdächtigen gekommen sein. „Es soll dabei auch Handgreiflichkeiten gegeben haben“, teilt Kruse mit. Daraufhin habe die Tatverdächtige das spätere Opfer und seine Freundin aus der Wohnung geworfen. Alle vier seien dann auf die Straße gegangen.

Aggressor war die Halbschwester

Wie die Aufzeichnungen einer Videokamera an der Oesterholzstraße belegen, hat sich die Halbschwester der Tatverdächtigen weiter ziemlich aggressiv gegenüber dem 33-Jährigen verhalten. Die Tatverdächtige selbst hat sich das laut Staatsanwalt zunächst teilnahmslos angeschaut, dann aber plötzlich ein Messer in der Hand gehabt und dem Opfer in den linken Rücken gestochen. Kruse: „Alle waren stark alkoholisiert.“

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Das Opfer habe erst nach „einem kleinen zeitlichen Verzug“ gemerkt, dass es blutet und dies erst gar nicht als bedrohlich empfunden. Erst an der Bushaltestelle sei ihm oder der Freundin wohl klar geworden, dass es sich um eine schwere Verletzung handelte, sagt der Staatsanwalt. Sie riefen einen Krankenwagen. Am Montag war der 33-Jährige zwar nicht mehr in Lebensgefahr, aber immer noch im kritischen Zustand. Er musste noch einmal operiert werden.

Die Tatverdächtige stellt nicht in Abrede, dass sie zugestochen hat, glaubt aber, dass sie das bereits in ihrer Wohnung getan hat. Die Ermittlungen laufen weiter. Die Frau sitzt in Untersuchungshaft.

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