Das Dortmunder Landgericht muss den Fall erneut prüfen. © Martin von Braunschweig
Prozessauftakt

Messerstich am Hauptbahnhof: Bundesgerichtshof zweifelt an Notwehr

Dreieinhalb Jahre nach einem lebensgefährlichen Messerstich am Dortmunder Hauptbahnhof beschäftigt der Fall erneut das Landgericht. Der Bundesgerichtshof zweifelt an der Aussage des Beschuldigten.

Bei einem handfesten Streit an Gleis 5 des Hauptbahnhofs wurde am 28. September 2017 ein Mann schwer verletzt. Ein heute 30-jähriger Dortmunder soll dem Opfer damals ein Jagdmesser in die Seite gerammt haben. Es bestand Lebensgefahr.

Dass er die Waffe eingesetzt hat, hat der Beschuldigte von Anfang an zugegeben. Er will sich mit dem Messer jedoch nur verteidigt haben.

Psychische Erkrankung

Schon einmal hatte sich das Landgericht mit der Bluttat befasst. Weil der heute 30-Jährige seit Jahren an einer schweren psychischen Erkrankung leidet, war es dabei lediglich um die Frage gegangen, ob er zum Schutz der Allgemeinheit in eine geschlossene psychiatrische Klinik eingewiesen werden muss.

Überraschend hatten sich die Richter am Ende des ersten Prozesses jedoch dagegen entschieden und den Mann freigesprochen. Der Messerstich sei in Notwehr erfolgt, hieß es damals in der Urteilsbegründung.

Erhebliche Zweifel

Der Bundesgerichtshof, der die Akten auf die Revision der Staatsanwaltschaft vorgelegt bekam, hat daran jedoch erhebliche Zweifel. Deshalb hat der 4. Strafsenat den Fall zur erneuten Verhandlung ans Landgericht zurückverwiesen.

Zum erneuten Prozessbeginn wurde am Montag schnell klar, dass der Beschuldigte weiterhin psychisch krank ist. Vorerst bleibt er jedoch auf freiem Fuß.

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