Wie 250 Menschen verschiedener Unternehmen im Gewerbehof zusammenarbeiten

dzUnion Gewerbehof

Im Union Gewerbehof herrscht seit Jahrzehnten ein besonderes Flair: Der Charme alter Industriebauten vereint sich mit innovativen Geschäftsideen - und Menschen, die Ideen haben.

11.07.2019, 09:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Mehr als 30 Jahre ist es her, seit Hans-Gerd Nottenbohm in den Gewerbehof im Unionviertel kam. Der heute 65-Jährige hat damals gerade sein Wirtschaftswissenschafts-Studium absolviert. „Und es war nicht so einfach, einen Job zu finden“, erinnert er sich.

Wie 250 Menschen verschiedener Unternehmen im Gewerbehof zusammenarbeiten

Hans-Gerd Nottenbohm und Svenja Noltemeyer in einem der hübschen Innenhöfe. © Martina Niehaus

Gemeinsam mit anderen Akademikern und Handwerkern entdeckt er den Gewerbehof, der damals eine teilweise leerstehende Ansammlung von Hoesch-Gebäuden war: Lager- und Versuchshallen, Schuppen, Büroräume. „Wir haben den Hof hier entdeckt und gedacht: Hier müssen wir hin“, erzählt Nottenbohm.

Arbeitsdirektor hat ein Faible für kleine Unternehmen

Der damalige Hoesch-Arbeitsdirektor Dr. Alfred Heese gibt sein Einverständnis für die „Besetzung“ der Hoesch-Gebäude. „Er hatte wohl ein Faible dafür“, glaubt Hans-Gerd Nottenbohm. Aus gewerkschaftlicher Initiative entstehen im Gewerbehof erste Arbeitsbeschaffungs-Maßnahmen.

Wie 250 Menschen verschiedener Unternehmen im Gewerbehof zusammenarbeiten

Viele Menschen mi vielen Ideen sind hier angesiedelt. © Martina Niehaus

Die kleinen Unternehmen, die sich dort ansiedeln, schließen sich zu einer gemeinnützigen GmbH zusammen. Ihr erster Geschäftsführer ist Nottenbohm. Heute sind es knapp 100 Unternehmen mit 250 Beschäftigten aus verschiedenen Branchen, die den Gewerbehof mit Leben füllen. Und die sich richtig gut verstehen.

Hier merkt man: Jeder kennt den anderen

An jeder Ecke ist zu spüren: Hier kennt man sich. Wenn der Hof auch für den Besucher von außen zunächst wie ein kleiner Irrgarten wirkt. Überall zweigen Wege ab, verstecken sich Büros und Werkstätten hinter Rolltoren, massiven Eisentüren oder kleinen Fenstern mit Holzrahmen.

Wie 250 Menschen verschiedener Unternehmen im Gewerbehof zusammenarbeiten

Rund 100 Unternehmen arbeiten hier. Oft arbeiten sie zusammen. © Martina Niehaus

„Wen suchen Sie, Herrn Nottenbohm? Einen Moment, ich glaub‘, der ist da hinten.“ Ein hilfsbereiter Mensch weist den Weg zum Pionier der ersten Stunde, der gerade in einer Besprechung sitzt. Und die er freundlicherweise unterbricht.

Lampenschirme und kleine Hocker aus Restholz

Mit ihm zusammen führt Raumplanerin Svenja Noltemeyer (38) durch den Gewerbehof. Ein Halt führt direkt in die Manufaktur der Urbanisten. Der gemeinnützige Verein versteht sich als Netzwerk und Impulsgeber für eigenverantwortlich gestalteten Lebensraum. In der Manufaktur kann man handwerklich arbeiten, eigene Ideen umsetzen oder an Workshops teilnehmen.

An der Wand hängen kleine und große Objekte, die in der Manufaktur aus Restholz hergestellt wurden. Lampen, Hocker, Vogelhäuschen, Bienenhotels. Werkstattleiter Florian Artmann zeigt von der Werkbank aus auf den Hof draußen.

„Wenn wir hier drinnen arbeiten und haben das Tor offen - dann können wir eigentlich gar nicht arbeiten, weil wir dauernd mit jemandem reden“, erzählt Florian Artmann und lacht. Man kenne sich und es herrsche ein großer Austausch. „In Projekten arbeiten wir uns gegenseitig zu. Das hier ist wirklich ein wundervoller Ort“, sagt der 36-Jährige.

Jeder Riss in den Wänden sorgt für Atmosphäre

Ein Treffpunkt für viele Leute, die im Gewerbehof arbeiten, ist das Hofcafé. Hier hält Claudia Lüdtke ein Blech mit Apfel-Mandelkuchen in der Hand. „Ich bin seit sieben Jahren hier“, erzählt sie, „und mache hier das Catering für alle.“ Im oder am Café, zwischen Hochbeeten mit selbst angepflanzten Salaten und Gemüse, sitzen die Leute auch gerne mal in ihrer Pause.

Wie 250 Menschen verschiedener Unternehmen im Gewerbehof zusammenarbeiten

Claudia Lüdtke leitet das Hofcafé. © Martina Niehaus

„Hier ist nichts gerade oder gleich oder monoton“, freut sich Svenja Noltemeyer. Jeder Riss in den Wänden, jede verrostete Tür, sogar die Patina der alten Werkshalle sorgt hier für eine besondere Atmosphäre.

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Im Union Gewerbehof herrscht ein besonderes Flair. © Martina Niehaus

Und wenn Hans-Gerd Nottenbohm auch ein Pionier der ersten Stunde ist - er freut sich darüber, dass jüngere Menschen die Idee des Miteinander am Gewerbehof fortführen. „Man muss immer offen sein für neue Ideen“, sagt er. „Und auch wenn manches so bleiben sollte, wie es ist - es gibt noch Vieles, was sich weiterentwickeln kann.“

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