Alt und Neu vereint: Georg Rupa (Mitte) hat zum 1. Januar 2021 das Amt als Vorstandsvorsitzender des Caritasverbandes Dortmund an Ansgar Funcke (links) übergeben. Mit dabei ist Vorstandsmitglied Tobias Berghoff (rechts). © CV Dortmund
Abschied bei der Caritas

„Menschen im Blick behalten, die an den Rand gedrängt werden“

Es ist ein Führungswechsel in besonderer Zeit. Georg Rupa ist Ende 2020 als Geschäftsführer der Caritas in Dortmund in den Ruhestand gegangen. In 24 Jahren hat er viele Veränderungen erlebt.

Das Jahr 1996 – Bill Clinton wird als US-Präsident wiedergewählt, die Telekom geht an die Börse, die Dortmunder Kronen-Brauerei wird mitsamt Stifts und Thier an die DAB verkauft, der BVB wird zum zweiten Mal in Folge deutscher Fußballmeister – und Georg Rupa tritt als Nachfolger von Lorenz Ladage sein Amt als Geschäftsführer der Caritas in Dortmund an.

Es ist eine lange und ereignisreiche Zeit, auf die Georg Rupa zurückblicken kann. Zum Jahresende ist der 66-Jährige nach fast einem Vierteljahrhundert an der Spitze der Dortmunder Caritas in den Ruhestand gegangen und kann zufrieden zurückblicken – auf einen Sozialverband, der sich gründlich gewandelt hat und mächtig gewachsen ist.

Georg Rupa führte fast 25 Jahre lang den Caritasverband in Dortmund. © CV Dortmund © CV Dortmund

„Ich schätze, dass sich die Mitarbeiterzahl in dieser Zeit verdoppelt hat“, sagt Rupa. „Ich war oft selbst überrascht, wenn die Zahlen, die ich im Kopf hatte, nicht mehr aktuell waren.“ Mit aktuell insgesamt 2.300 Beschäftigten in mehr als 50 Diensten und Einrichtungen vom Kindergarten bis zum Pflegeheim ist die Dortmunder Caritas einer der großen Arbeitgeber und Anbieter sozialer Dienstleistungen in der Stadt.

Christliches Menschenbild

Man bleibe aber trotzdem seinem Anspruch treu, für die Menschen da zu sein, ist der frisch ausgeschiedene Vorstandsvorsitzende überzeugt. „Größe und christliches Menschenbild sind kein Widerspruch“, betont Georg Rupa. „Unser Anliegen war es genauso, in die Qualität unserer Leistungen zu investieren. Ein Caritasverband muss immer auch die Menschen im Blick behalten, die in unserer Gesellschaft an den Rand gedrängt werden.“

Gewachsen ist die Caritas in fast allen Geschäftsfeldern durch die Schaffung neuer Dienste und Einrichtungen. Es gibt neue Kitas, ein Kinderförderzentrum zur Frühförderung, neue Pflegeeinrichtungen, Wohnhäuser für Menschen mit Behinderungen und neue Angebote der Jugendhilfe wie ein Mutter-Kind-Haus und Außenwohngruppen. Die Caritas hat damit auf neue gesetzliche Anforderungen etwa zur Kinderbetreuung reagiert, aber auch auf neue gesellschaftliche und soziale Herausforderung.

Einsatz für Migranten

Ein Beispiel ist der Einsatz für Flüchtlinge und Migranten. Mit dem Bernhard-März-Haus im Borsigplatz-Viertel ist der Verband mitten in einem sozialen Brennpunkt aktiv. „Die Arbeit für und mit Migranten passt zur Geschichte der Caritas“, erklärt Rupa. Eine große Rolle spielt dabei die Zusammenarbeit mit anderen Sozialverbänden und der Stadt, die der Caritas-Chef im Ruhestand als „sehr gut entwickelt“ lobt.

Es zeigt aber auch, dass die Caritas weit über den eigenen katholischen Tellerrand hinausblickt. Trotzdem sei die Verbindung zur Kirche und den Gemeinden sehr wichtig, betont Georg Rupa. „Die Caritas ist Teil der Kirche.“ Das sei auch wichtig bei der Einbindung der Ehrenamtlichen, die in der Alltagsarbeit unverzichtbar seien.

„Neben der Arbeit in den Caritas-Konferenzen in den Kirchengemeinden gibt es viele Projekte, bei denen Ehrenamtliche tolle Arbeit für die Caritas leisten“, sagt Rupa. Als Beispiel nennt er die Aktion „youngcaritas“ mit der sich junge Menschen für Menschen in Not, etwa für Obdachlose, einsetzen.

Sorgen um Mitarbeiter-Gewinnung

Vielleicht helfen solche Projekte auch bei der Nachwuchs-Werbung. Denn die Gewinnung neuer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sieht Rupa als größte Herausforderung der letzten Jahre.

„Obwohl wir offene Stellen letztlich immer besetzen konnten, ist es nicht wegzudiskutieren, dass sich gerade im Bereich der Pflege oder der Kindertagesstätten ein Arbeitnehmermarkt entwickelt hat. Wir müssen uns also als Arbeitgeber bei den Fachkräften bewerben“, erklärt er.

Eingeführt wurden etwa das Amt einer Ausbildungskoordinatorin und ein Trainee-Programm zur Gewinnung von Führungskräften. Ein Ziel ist dabei, die Arbeit und die Verantwortung auf viele Schultern zu verteilen.

Lob für Gemeinschaftsleistung

So ordnet Georg Rupa denn auch seine eigene Rolle in den vergangenen 24 Jahren ein. „Der Erfolg der Caritas in Dortmund ist eine gemeinschaftliche Leistung engagierter Mitarbeiterinnen, sei es in Leitungsfunktionen, sei es in unseren Diensten und Einrichtungen vor Ort“, stellt er fest.

Das habe sich gerade in den vergangenen Monaten in der Zeit der Corona-Pandemie gezeigt. „Das war eine außerordentlich anstrengende Zeit. Die Menschen vor Ort, etwa in den Pflege- und Behinderteneinrichtungen, sind da oft an die Grenzen der Leistungsfähigkeit gegangen“, sagt Georg Rupa.

In der Leitung der Caritas hatte er die wenig erfreuliche Aufgabe, sich „ständig mit neuen Verordnungen herumschlagen zu müssen“. Eine Aufgabe, die Georg Rupa nun weitergegeben hat.

Sein Nachfolger als Vorstandsvorsitzender des Caritasverbandes Dortmund ist seit dem 1. Januar Ansgar Funcke. Der 53-Jährige leitete zuvor den Caritasverband Darmstadt, bringt also ausreichend Führungs- und Caritas-Erfahrung mit.

Über den Autor
Redaktion Dortmund
Oliver Volmerich, Jahrgang 1966, Ur-Dortmunder, Bergmannssohn, Diplom-Journalist, Buchautor und seit 1994 Redakteur in der Stadtredaktion Dortmund der Ruhr Nachrichten. Hier kümmert er sich vor allem um Kommunalpolitik, Stadtplanung, Stadtgeschichte und vieles andere, was die Stadt bewegt.
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Oliver Volmerich

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