Menschen aus Hörde bestimmen, wo Bäume gepflanzt werden sollen

dzWanderbaum-Allee

Hörde wird grüner – zumindest für kurze Zeit. An einigen Straßen steht in den nächsten Wochen eine Wanderbaum-Allee, die ständig umzieht. Hörder können nun abstimmen, wo sie stehen soll.

von Alexandra Wachelau

Hörde

, 11.08.2020, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Hoch „Detlef“ lässt den Asphalt flirren. Rund um den Hörder Neumarkt sind schattige Plätzchen rar, stattdessen schleichen Autos die Nebenstraßen in Hörde entlang – die meisten auf der Suche nach einem Parkplatz.

Die Bäume im Kasten stehen stellvertretend für einen Baum, der am Standort gepflanzt werden könnte. Anwohner können sich so mit dem Straßenbild, das mit einem Baum entstehen könnte, vertraut machen.

Die Bäume im Kasten stehen stellvertretend für einen Baum, der am Standort gepflanzt werden könnte. Anwohner können sich so mit dem Straßenbild, das mit einem Baum entstehen könnte, vertraut machen. © Alexandra Wachelau

Die wurden an der Kleinen Gildenstraße ausgedünnt. Stattdessen stehen sechs große Holzkisten am Straßenrand verteilt, ausgeschmückt mit Schild, Reflektoren und jungen Bäumen. „Wanderbaum-Allee“ heißt das Prinzip und soll Anwohner mit dem potentiellen Standort eines Baumes vertraut machen.

Abstimmung über die einzelnen Standorte

„Eigentlich haben wir das beste Wetter für die Aktion“, sagt Susanne Linnebach, Leiterin des Amts für Stadterneuerung. Die neuen Bäume sollen bei steigenden Temperaturen durch den Klimawandel für Abkühlung sorgen.

Die Anwohner werden durch die Bäume entlastet: Die Luft wird gefiltert, die Kronen spenden im Sommer kühlen Schatten. Auch Tiere finden im Blätterdach ein Zuhause.

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Das Problem ist die Finanzierung. Nicht alle der angedachten Straßen in Hörde werden Bäume bekommen. Deswegen sind nun die Anwohner gefragt: Seit Samstag (8. 8.) kann abgestimmt werden, an welchen Stellen den Anwohnern die Wanderbäume am sinnvollsten erscheinen. Auch die Hörder Stadtteilagentur an der Alfred-Trappen-Straße nimmt Vorschläge entgegen.

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Besuch von der Wanderbaum-Allee bekommen: Kleine Gildenstraße, Lugierstraße, Graudenzer Straße, Piepenstockstraße, Beukenbergstraße, Nervierstraße, Suebenstraße und der Entenpoth. Hier könnten dann auch feste Baumscheiben angebracht werden – vorausgesetzt, die Anwohner sprechen sich dafür aus.

„Anwohner kennen sich im Umfeld am besten aus, außerdem bildet sich so ein Interessenkreis“, sagt Katja Schnell von der Stadt Dortmund. Die angedachte Bürgerbeteiligung fand vor Ort schnell Anklang: Am Samstag (8. 8.) wurden die ersten Wanderbäume in die Hitze der Kleinen Gildenstraße gestellt – und kurzerhand von besorgten Anwohnern begossen, wie Susanne Linnebach berichtet.

Anwohner zeigen bereits jetzt Interesse

„Das zeigt bereits, wie groß die Bereitschaft und das Interesse vor Ort ist“, sagt Linnebach. Die Anwohner werden so in Stadtplanungsprozesse eingebunden, Kümmern ist daher mehr als willkommen. Doch wird es den Bäumen zu trocken, springt die Grünbau gGmbH anwohnerunabhängig ein und gießt mit. Zusammen mit der Stadt Dortmund hat die gemeinnützige Gesellschaft das Projekt geplant.

„Das Bauen hat rund zwei Wochen gedauert, das Planen über zwei Monate“, sagt Katharina Kwiring von der Grünbau gGmbH. In den Grünbau-Werkstätten wurden die Kisten entworfen und gebaut – „theoretisch könnten wir damit jetzt in Serie gehen“, sagt Kwiring und lacht. Obwohl es das Prinzip der Wanderbäume in Deutschland schon länger gibt, hat sich Dortmund erst jetzt an das Projekt gewagt. Sie sind besonders standfest und können laut Kwiring sogar als Sitzgelegenheit dienen.

Die Wanderbäume selbst, übrigens ist es die Sorte Zierapfel, werden jedoch nicht in die Baumscheiben gepflanzt. Sie stehen stellvertretend für resistente Stadtbäume, auch Zukunftsbäume genannt.

Auch per QR-Code lassen sich Informationen zur Aktion abrufen.

Auch per QR-Code lassen sich Informationen zur Aktion abrufen. © Alexandra Wachelau

Bis zum 19. Oktober wandern die Bäume alle zehn Tage durch die Hörder Straßen. Am 31. Oktober endet das Voting für die Standorte. Rund 10.000 bis 20.000 Euro seien die Kosten für eine Baumscheibe, sagt Katja Schnell. „Das ist allerdings standortabhängig“, betont sie. Vor dem Projekt der Wanderbaum-Allee seien die Standorte bereits vom Tiefbauamt geprüft worden. Für die Umgestaltung des Schildplatzes und die besagte Begrünung der acht Straßen stehen rund 445.000 Euro zur Verfügung, gepflanzt werden die Bäume frühestens im nächsten Frühjahr.

Empfehlungen, Vorschläge, Abstimmung

  • Im Internet kann digital über die Standorte der jungen Bäume abgestimmt werden, doch auch Fragen, Vorschläge und Empfehlungen sind dort willkommen.
  • Ansonsten können sich Bewohner via Mail, Telefon (Tel. 222 023 13) oder per Post an die Hörder Stadtteilagentur wenden: Alfred-Trappen-Straße 18.
  • Die Bürozeiten der Stadtteilagentur sind dienstags und donnerstags von 15 Uhr bis 18 Uhr, freitags von 10 Uhr bis 13 Uhr.

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