Beliebter Mittagstisch: Diese Vorschrift macht dem Angebot nach mehr als 20 Jahren den Garaus

dzNoah-Kirchengemeinde

Die Kirchenküche der Noah-Gemeinde bleibt ab sofort kalt. Die Entscheidung ist dem ehrenamtlichen Team nicht leicht gefallen. Im Gespräch ist aber bereits ein alternatives Angebot.

Mengede

, 23.10.2019, 17:10 Uhr / Lesedauer: 2 min

„Die Nachspeisen“, sagt Annegret Hanke, „die sind das Beste.“ Ob Himbeertraum, Obstsalat mit Mascarpone, Schokoladenpudding – alles ein Gedicht, schwärmt die 73-Jährige. Zukünftig muss sie darauf wohl verzichten.

Denn der wöchentliche Mittagstisch für Senioren der Noah-Kirchengemeinde im Gemeindehaus am Wiedenhof wird eingestellt. Nach 23 Jahren. Schweren Herzens und nach vielem Kopfzerbrechen haben sich Inge Valerius und ihr ehrenamtliches Team der Kirchenküche zu dieser Entscheidung durchgerungen.

Eine ganze lange Weile wurde noch hin und her diskutiert, auch mit der Gemeindeleitung. Geholfen hat es nicht. Für Inge Valerius ist der Entschluss alternativlos. Denn die Hürden, die den Köchinnen mit Herz in den Weg gelegt wurden, seien einfach zu hoch. Auslöser war der Besuch des Ordnungs- beziehungsweise Veterinäramts im vergangenen Jahr.

Zutritt nur für Personen mit Gesundheitszeugnis

Danach kristallisierte sich schnell heraus: Wegen der Hygienevorschrift zur Küchennutzung werde sich das Projekt in seiner ursprünglichen Form wohl nicht halten lassen, berichtet die 69-Jährige. Denn der Zutritt sei laut dieser Richtlinie nur Personen mit Gesundheitszeugnis, die zum Küchenteam gehören, erlaubt.

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Ein Unding, denn: „Hier im Gemeindehaus treffen sich doch auch andere Gruppen, die die Küche brauchen. Um sich zum Beispiel Kaffee und Tee zu kochen“, so Inge Valerius. Ein Problem, für das auch ihre Mitstreiterinnen Gudrun Vahrenkamp (77) und Gisela Heymanns (80) keine Lösung parat haben. Zumindest keine, die ihnen gefällt.

Catering-Konzept ist für das Küchenteam keine Option

„Möglicherweise macht ein anderer Kreis mit einem neuen Konzept weiter“, sagt Inge Valerius. Dieser erwäge einen wöchentlichen Mittagstisch, der von einem Caterer beliefert wird. Für die 69-Jährige, die mit ungebrochener Leidenschaft seit rund zehn Jahren Drei-Gänge-Menüs für ihre Gäste gekocht hat, ist das nicht vorstellbar. „So will ich nicht mehr weitermachen.“

Das hat sie auch im Namen ihres zehnköpfigen Teams Gemeindepfarrer Gerd Springer mitgeteilt. „Da das Treffen der älteren Generation nicht mehr in der gewünschten Form stattfinden kann, sehen wir keine andere Möglichkeit“, so Inge Valerius.

Schlechte Nachrichten für 35 Stammgäste

Für die 35 Stammgäste des Mittagstischs, für den sogar eine Warteliste existiert, sind das natürlich mehr als schlechte Nachrichten. „Viele der Senioren können nicht mehr selber kochen und haben das frisch zubereitete Essen hier sehr geschätzt“, sagt Annegret Hanke. An einen Erfolg des Caterer-Konzepts glaubt sie nicht: „Das will keiner. Dann kann man hier wirklich zumachen.“

Die Meinung kann Pfarrer Springer durchaus nachvollziehen. „Bei Inge Valerius und ihrem Team gab es beste Hausmannskost wie bei Muttern.“ Das sei natürlich ein deutlicher Unterschied zu einem Catering-Unternehmen. Nebenan in Nette würde der Mittagstisch, den ein Caterer beliefert, gut angenommen.

Gemeindepfarrer bedauert die Entscheidung

Der Gemeindepfarrer kann die Entscheidung des Küchenteams nachvollziehen, auch wenn er sie bedauert: „Sie alle waren mit großer Sorgfalt und großem Verantwortungsbewusstsein im Einsatz.“ Höchsten Respekt verdiene auch die aufwendige Dokumentation, die Inge Valerius im Zuge der immer strenger und komplizierter werdenden Vorschriften auf sich genommen habe.

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