Friseurmeisterin Bianka Bergler aus Dortmund kämpft für ihren Laden und ihr Handwerk in der Krise. Ihr Hilferuf ist bis in das Bundeskanzleramt vorgedrungen. © Irina Höfken
Nach Tränen-Video

„Meinungen interessieren mich null“: Dortmunder Friseurin fordert Taten

Die Dortmunder Friseurin Bianka Bergler hat Tausende mit ihrem emotionalen Ausbruch berührt. Sogar im Bundeskanzleramt war er Thema. Wir haben sie getroffen – und erneut sind Tränen geflossen.

Von jetzt auf gleich hat die von der Corona-Krise bundesweit hart getroffene Friseurbranche ein Gesicht bekommen: Friseurmeisterin Bianka Bergler aus Dortmund hatte in mehreren Instagram-Clips ihre finanziellen Probleme durch den Lockdown und die Folgen für ihre Angestellten geschildert sowie die ausbleibende Hilfe der Politik kritisiert – verzweifelt und in Tränen aufgelöst.

„Wo seid ihr? Wo ist eure Hilfe? Wo ist der Staat, wenn man ihn braucht?“, rief Bianka Bergler in ihre Smartphonekamera. Das Video ging viral. In den sozialen Medien wurde es tausendfach geklickt, geteilt und kommentiert. Die Friseurmeisterin hat mit ihrem Aufruf einen Nerv getroffen.

Dass sie so viele Reaktionen darauf erhält, damit habe sie niemals gerechnet, erzählt die 39-Jährige in ihrem Laden an der Prinz-Friedrich-Karl-Straße in der östlichen Innenstadt, in dem wir uns mit ihr treffen. Sie ist sichtlich erschöpft. Tränen rollen während des Gesprächs über ihre Wangen.

Bianka Bergler will Antworten von der Politik, will wissen, warum die versprochenen Überbrückungshilfen noch nicht ausgezahlt worden sind. Tatsächlich habe sie einen Anruf der Bundestagsabgeordneten für ihren Wahlkreis Dortmund, Sabine Poschmann, erhalten. Ob sie ihr wirklich helfen könne, bleibe abzuwarten, so Bergler.

„Ich bin pleite. Wenn nicht sofort Hilfe kommt, muss ich meinen Laden dicht machen“, sagt sie. Ihre Stimme zittert. Das Geschäftskonto sei mit 5000 Euro im Minus, Strom und Miete könne sie nicht zahlen und auch beim Kurzarbeitergeld für ihre fünf Mitarbeiter könne sie nicht in Vorkasse gehen. Das Limit sei ausgereizt.

Hier in der Cutfactory hofft Friseurmeisterin Bianka Bergler, ihre Kunden nach dem Lockdown wieder begrüßen zu können.
Hier in der Cutfactory hofft Friseurmeisterin Bianka Bergler, ihre Kunden nach dem Lockdown wieder begrüßen zu können. © Irina Höfken © Irina Höfken

Wer unterstützt Unternehmer in der Krise?

Wenn sie die Löhne nicht zahlen könne, erwarte Bergler, dass die Regierung das übernehme. Ihr helfe es nicht, wenn Kanzleramts-Chef Helge Braun ihr Video in einem Interview als „eindrucksvoll und bestürzend“ kommentiere.

„Für seine Meinung interessiere ich mich null. Ich fordere Taten“, sagt die Friseurmeisterin. Es müsse ein Soforthilfepaket geben, das nicht zeitverzögert sondern sofort ausgezahlt werde, unterstreicht die 39-Jährige. Immerhin seien die Schließungen auch sofort erfolgt und die Kosten laufen weiter.

Ihre Bank habe sie um einen Kredit angefleht – umsonst. „Wieso können Banken Unternehmer in der Not nicht mit flexiblen Krediten auffangen?“, fragt die Friseurmeisterin. „Wir können nichts für die Schließungen. Wir haben die Krise nicht verursacht.“

„Es fühlte sich an wie ein Abschied“

Nach dem ersten Lockdown habe sie die Preise im Salon erhöhen müssen, das könne sie nicht wieder tun. Selbst wenn sie ihren Laden bald wieder öffnen dürfe, wisse sie nicht wie.

Wovon solle sie Farben bestellen, wovon Desinfektion und weitere notwendige Materialien für das Hygienekonzept einkaufen? Bianka Bergler ist mit den Nerven am Ende.

Wie es die nächsten Tage weitergehen soll, das wisse die Dortmunderin nicht. Sicher sei aber, dass sie trotz Erschöpfung weiter kämpfen wolle – für ihren Laden und für ihr Handwerk.

Bei der bundesweiten Mahnaktion der Friseure brannte am Sonntag (31.1) auch in Biankas Cutfactory die ganze Nacht das Licht, um auf ihre dramatische Situation aufmerksam zu machen: „Es fühlte sich an wie ein Abschied. Ein Licht in der Dunkelheit. Das tut einfach nur weh“, sagt sie.

Über die Autorin
Volontärin
Ist am Niederrhein geboren und aufgewachsen. Hat Germanistik und Kunstgeschichte studiert und lebt seitdem in ihrer Wahlheimat Bochum. Liebt das Ruhrgebiet und all seine spannenden Menschen und Geschichten.
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Irina Höfken

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