Pool-Verbot ist lächerlich - Kleingärtner, werdet lockerer!

dzKlare Kante

Die Diskussion um ein Pool-Verbot im Kleingarten oder das Verbot von Trampolinen sind aus der Zeit gefallen, meint unser Autor. Die Regeln in Kleingärten müssen lockerer werden.

Dortmund

, 08.08.2020, 11:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Kleingärten erleben einen Boom wie lange nicht. Menschen lassen sich auf immer längere Listen eintragen, um eine der begehrten Parzellen zu bekommen. Viele suchen das Glück im Grünen, die kleine Insel an frischer Luft, wo doch allenorten Abstand geboten ist, die potenzielle Corona-Infektion an der nächsten Ecke lauert, Kurzarbeit das Portemonnaie dünner werden lässt, die alljährliche Urlaubsreise flachfällt.

Tatsächlich ist der Kleingarten eine Idylle, gerade in einer vollen Stadt wie Dortmund. Und Dortmund hat zum Glück noch viele solcher Idyllen. Und wenn man den richtigen Kleingartenverein findet, kann dies über viele Jahre eine große Freude sein. Doch manchmal folgt eben auf die Euphorie Ernüchterung, nämlich immer dann, wenn die Regeln im Kleingarten nicht zum erhofften Glück passen. Wenn antiquierte Vorstellungen auf die modernen Bedürfnisse der Städter treffen. Klar, in einer Gemeinschaft sind grundlegende Absprachen wichtig, doch häufig sind manche Regeln im Kleingarten nicht mehr zeitgemäß.

Der Garten als Lebensmittelgarant ist überholt

Ein Beispiel. Das Bundeskleingartengesetz etwa sieht vor, dass auch Obst und Gemüse gezogen werden sollen. Zum Eigenbedarf, es darf also nicht verkauft werden. (§ 1 Abs. 1 Nr. 1, Bundeskleingartengesetz). In manchem Kleingarten ist dies Kür, doch oft wird diese Regel allzu genau genommen. Baut der Gärtner kein Gemüse an, droht ihm auch schon mal die Abmahnung. Ärger ist da vorprogrammiert.

Ein Drittel des Gartens sollte also dem Anbau dienen, eine Regelung, die äußerst sinnvoll war, als sie entstand: Nach dem Zweiten Weltkrieg war die Versorgung der Bevölkerung nur schwer leistbar, es gab nichts außer Land. Die Kleingärten wurden den Menschen äußerst günstig in Pacht zur Verfügung gestellt, damit sie dort tatsächlich in Eigenbedarf Obst und Gemüse zogen oder sich ein paar Karnickel hielten. Und der Nachbar kriegte auch noch etwas ab. Die Folge: Weniger Menschen verhungerten.

Jungen Städtern fehlen Raum und Zeit

Heute gibt es Nahrung im Überfluss. Die Bio-Zucchini gibt es zum Spottpreis auch im Supermarkt. Was aber fehlt, ist freier Raum, frische Luft. Kurz Platz. Was ebenfalls fehlt, ist Zeit.

Den Platz brauchen gerade junge Familien, die mit wenig Wohn- und Lebensraum auskommen müssen. Grünflächen, auf denen sonst Toben möglich war, werden „nachverdichtet“, es gibt immer mehr Verkehr, Kinder können draußen deshalb nicht sicher spielen. Der Kleingarten bietet einen Raum dafür, und deswegen ist er zu Recht so begehrt.

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Zeit haben junge Familien aber zu wenig: Die Arbeit wird dichter und länger, häufig müssen Menschen zur Arbeit pendeln. Da bleibt nur wenig Zeit für die Pflege des Gartens, wer nicht täglich vom frühen Nachmittag an im Garten sein kann, bei dem sprießt auch schon mal das Unkraut. Wieder droht Ärger, wenn dem Nachbarn der Löwenzahn entgegenfliegt. Wie viel schneller wäre da eine Rasenfläche gemäht, als das Unkraut auf dem Acker gezupft.

Pools und Trampoline nicht erlaubt

Wie schön wäre es, einen kleinen Pool im Kleingarten zu haben, schließlich sind die Plätze im Schwimmbad begrenzt, der Urlaub fällt aus: Die nötige Abkühlung an heißen Tagen wie zurzeit ist gesichert. Auch sind Trampoline beliebt bei Familien mit Kindern. Beides ist in Dortmund nicht erlaubt. In der Debatte um diese Verbote schrieb jemand dieser Redaktion, was Kinder denn im Kleingarten sonst machen sollten, wenn es zu heiß auf dem Spielplatz sei: dem Gras beim Wachsen zuschauen?

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Es sind die jungen Familien, auf die die Kleingärten setzen müssen, denn die jungen Leute schaffen in den Gemeinschaftsstunden etwas weg, leisten die anfallende ehrenamtliche Arbeit - und das auch noch in Zukunft. Ihnen muss das Kleingartenwesen entgegenkommen, damit die Idylle für alle erhalten bleibt. War es die Versorgung der Bevölkerung mit Lebensmitteln, ist es nun die Ausstattung der geplagten Städter mit lebenswertem Raum. Also: Werdet lockerer!

Der Autor war selbst Kleingärtner und hat sich in seinem Verein stets sehr wohl gefühlt.

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