FFP2-Masken schützen weitgehend vor Coronavirus-Aerosolen. Dass sie mittlerweile nicht in jedem Gesicht hängen, ist auch ein politisches Versagen. © Martin Klose
Coronavirus

Meinung: Wir brauchen jetzt die FFP2-Maskenpflicht

FFP2-Masken schützen vor dem Coronavirus. Und zwar deutlich besser als andere Masken. Sie wären eigentlich das Werkzeug dieser Pandemie. Zeit für eine Pflicht - aber bitte durchdacht.

Es gibt ein simples Werkzeug, dass die Verbreitung des Coronavirus effektiv unterbindet. Täglich wird es tausendfach in Krankenhäusern und medizinischen Einrichtungen erfolgreich eingesetzt. Dass uns FFP2-Masken mittlerweile nicht bei jedem Supermarktbesuch kostenlos in die Hand gedrückt werden, ist ein gewaltiges politisches Versagen. Und auch die Pflicht zur „medizinischen Maske“ greift auf zwei Arten zu kurz.

Zu viel Spielraum in Qualität und Quantität

Erstens sind mit „medizinische Masken“ neben FFP2-Masken auch einfache OP-Masken gemeint. FFP2-Masken ohne Ventil, die von einer der 41 in der EU zugelassenen Stellen zertifiziert wurden, filtern mindestens 94% der Aerosole aus der Atemluft – beim Einatmen und Ausatmen. OP-Masken schützen zwar besser als Alltagsmasken, erreichen diesen Standard aber nicht. Sie sind schlicht nicht dafür entwickelt, Aerosole aus der Einatemluft zu filtern. Grob vereinfacht schützen sie vor allem das Gegenüber vor der feuchten Aussprache des Trägers. FFP2-Masken sind zum Eigenschutz vorgesehen. Das sollte sich in der Rechtslage widerspiegeln.

Zweitens stecken sich Menschen eben nicht nur in Bussen, Bahnen und Supermärkten an. Wo in Dortmund ohnehin eine Maskenpflicht gilt, sollte diese auch zu einer FFP2-Pflicht ausgeweitet werden: auf Wochenmärkten, an belebten Orten von Phoenix-See über City bis Nordmarkt, beim Arztbesuch und bei ausnahmsweise zugelassenen Veranstaltungen – wie klein sie auch sein mögen.

Auch an manchen Arbeitsplätzen in Innenräumen mit viel Kontakt zu Kollegen (oder aktuell seltener: Kunden) wäre eine FFP2-Pflicht wohl sinnvoll. Die damit einhergehenden häufigeren Pausenzeiten müssen Arbeitgeber in Kauf nehmen, wollen sie die Arbeitskraft ihrer Angestellten schützen. Oder sie nehmen die Pflicht zum Anlass, häufiger Homeoffice zuzulassen. Die Quote im zweiten Lockdown liegt dabei nämlich deutlich unter der des ersten – und noch weiter unter dem Potenzial.

Soweit die Wunschvorstellung. Einfach mal eben eine FFP2-Pflicht einzuführen, wie es Markus Söder in Bayern gemacht hat, wäre aber grob ungerecht.

17 Euro im Monat reichen nicht

Als Beispiel müssen oft Bezieher von Arbeitslosengeld II herhalten. Dessen Regelsatz (rund 17 Euro für „Gesundheitspflege“) reicht hinten und vorne nicht für eine sinnvolle Zahl an Masken pro Monat. Und auch für Menschen, die keine Sozialleistungen beziehen und dennoch mit wenig Geld auskommen müssen, könnte der Anschaffungsschmerz bei Masken für 2 bis 4 Euro das Stück bisweilen recht hoch sein.

Die absehbare Konsequenz: FFP2-Masken, die zu häufig verwendet werden und ihre Schutzwirkung verlieren. Das macht den epidemiologischen Effekt zunichte und verstärkt den Einfluss des Einkommens auf die Gefährdung in der Pandemie.

Katastrophenschutz ist Staatsaufgabe

Es ist eine der zentralen Aufgaben eines Staates, seine Bevölkerung zu schützen. Schon vor Monaten hätte die Bundesregierung anfangen müssen, so viele Masken zu kaufen, dass diese in ausreichender Zahl gratis mindestens an das ärmere Drittel der Bevölkerung verteilt werden können.

Und wenn es diese Masken nicht gegeben hätte, hätten Abnahmegarantien und andere Anreize dafür sorgen können Produktionskapazitäten aufzubauen. Beim Impfstoff hat das auch funktioniert.

Die Kostenfrage ließe sich auf verschiedene Weisen beantworten: zum Beispiel durch eine Pandemie-Sonderabgabe der reichsten Deutschen, mit einem kleinen Teil von Olaf Scholz‘ „Bazooka“ oder, wenn Gleichheit vor sozialer Gerechtigkeit gehen soll, mit einer kurzzeitigen Erhöhung der Mehrwertsteuer nach der Pandemie.

Allerdings ist „wer soll das alles bezahlen?“ ohnehin zu kurz gedacht. Denn die Pandemie ist ursächlich für die aktuelle Wirtschaftskrise – nicht etwa, wie es oft formuliert wird, der Lockdown an sich. Die Pandemie mit FFP2-Masken auch nur ein bisschen schneller in den Griff zu kriegen, lässt sich auch als Konjunkturprogramm sehen. Nicht, dass es dieses Argument brauchen sollte, um Menschen vor schlimmen Krankheitsfolgen bis hin zum Tod zu schützen.

Über den Autor
Redaktion Dortmund
Gut recherchierter Journalismus liegt mir am Herzen. Weil die Welt selten einfacher wird, wenn man sie einfacher darstellt. Um Zusammenhänge zu erklären, setze ich auf klaren Text und visuelles Erzählen – in Videos, Grafiken und was sonst dabei hilft.
Zur Autorenseite
Bastian Pietsch

Der neue Lokalsport-Newsletter für Dorsten

Immer freitags um 18:30 Uhr das Wichtigste aus dem Dorstener Lokalsport direkt in Ihr E-Mail-Postfach.

Informationen zur Datenverarbeitung im Rahmen des Newsletters finden Sie hier.