Die Lockerungen bringen euch neue Freiheiten mit sich. Vorschnelle Urteile sollte man deshalb aber nicht treffen. © picture alliance/dpa
Kommentar

Meine Generation ist mehr als eine Gruppe unsozialer Partygänger!

Wenn es um junge Erwachsene und gerade Studierende in Zeiten von Corona geht, werden sie schnell als illegale Partygänger abgestempelt. Doch die Generation ist mehr als das, sagt unsere Autorin.

Die Corona-Zahlen sinken, Kneipen und Bars haben wieder geöffnet, man kann sich mit mehr Leuten treffen. Es keimt Hoffnung auf. Vor allem bei einer Generation, die in den vergangenen Monaten eine große Verantwortung tragen musste – und trotzdem oft für ihr Verhalten kritisiert wurde: junge Erwachsene in Studium oder Ausbildung.

Wie oft ich es im letzten Jahr hören musste: „Für euch Studierende ist Corona bestimmt hart, ihr könnt ja gar nicht feiern gehen.“ Klar, die meisten haben beim Leben eines Studierenden sofort das Bild eines partywütigen Faulenzer im Kopf, der bis mittags schläft und in einer WG lebt.

Aber googelt man mal „Studium Corona“, sieht man die Realität eines Studierendenlebens während der Pandemie. Seit Monaten greifen verschiedene Medien das Thema auf. Fast immer geht es dann in den Texten um Depressionen und Ängste.

Mehr als eine unsolidarische Feiertruppe

Die letzten 16 Monate waren für mich eine einsame Zeit. Seit Februar 2020 habe ich keinen Hörsaal mehr von innen gesehen. Freunde habe ich nur auf Distanz getroffen. Bin aus meiner WG alleine in eine eigene Wohnung gezogen, um meine Eltern und meine Oma besser schützen zu können. Zwischendurch hatte ich das Gefühl, dass die Rollen vertauscht wurden. Anstatt dass meine Eltern sich Sorgen um mich machen, machte ich mir Sorgen um sie.

So gerne ich mal feiern gehe – eine Party war zwischenzeitlich das Letzte, auf das ich mich gefreut habe. Eher macht es mich inzwischen wütend, wenn mich jemand auf fehlende Partys anspricht. Meine Generation ist mehr als eine unsolidarische Feiertruppe. Das haben wir auch lange genug bewiesen. Wir bekamen immer wieder eingebläut, dass wir die Verantwortung tragen für die Gesundheit und Sicherheit der Menschen Ü60.

Ein verlorenes Jahr

Zum Dank warten viele von uns immer noch auf eine Impfung, weil es für sie keinen Impfstoff gibt. Und auch, wenn ich mich in Sachen Party in der momentanen Phase noch zurückhalte, kann ich verstehen, dass viele Leute meines Alters ihre wiedergewonnenen Freiheiten genießen wollen. Ob man dafür einen illegalen Rave veranstalten muss, sei mal dahingestellt.

Rückblickend ist die Corona-Pandemie aber für viele ein verlorenes Jahr in einer Zeit, die als beste ihres Lebens gelten soll. Natürlich sollte man die neuen Freiheiten nicht ausreizen. Deswegen lasse ich mich immer noch regelmäßig testen, habe weiterhin einen festen Stamm von Kontaktpersonen. Aber die Zahlen gehen nun mal runter. Diese Zeit sollte man nutzen, um wieder Hoffnung auf bessere Zeiten zu bekommen.

Jetzt die Moralkeule zu schwingen, ist aber unangebracht. Die Gräben zwischen den Generationen sind inzwischen tief genug. Stattdessen würde uns etwas mehr Verständnis gut tun. Auf allen Seiten.

Über die Autorin
Freie Mitarbeiterin
1993 in Werne geboren. Habe Geschichte und Religionswissenschaften an der Ruhr-Uni Bochum studiert. Seitdem ich 15 bin bei Lensing Media: Angefangen in der Lokalredaktion Werne, inzwischen fast nur noch als Freie Mitarbeiterin in der Stadtredaktion Dortmund.
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Verena Schafflick

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