Max-Wittmann-Schule ist eine Dauerbaustelle – jetzt fliehen die Schüler nach Wickede

dzFörderschule in Eving

Die Max-Wittmann-Schule in Eving ist nach wie vor eine große Baustelle. Die Bauarbeiten belaste alle, besonders die Schüler. Jetzt haben die Verantwortlichen die Reißleine gezogen.

Dortmund

, 03.02.2019, 14:29 Uhr / Lesedauer: 3 min

Torsten Sundermann ist seit fünf Monaten Leiter der Max-Wittmann-Schule in Eving. Die Förderschule – idyllisch gelegen – ist seit eineinhalb Jahren immer noch eine der größten Schulbaustellen der Stadt. Die Schule ist eine einzige große Baustelle. Mit massiven Folgen für Lehrer und Schüler.

Als Torsten Sundermann im vergangenen Sommer von Soest nach Dortmund, in seine Heimatstadt, zurückkehrte, da musste er noch davon ausgehen, dass das Ende des ersten von insgesamt zwei Bauabschnitten bevorsteht. So verkündet es auch immer noch das große Bauschild am Eingang des Schulgeländes: Voraussichtliche Fertigstellung August 2018.

Max-Wittmann-Schule ist eine Dauerbaustelle – jetzt fliehen die Schüler nach Wickede

Noch immer steht das Bauschild, das für August 2018 das Ende des ersten Bauabschnitts ankündigt. © Britta Linnhoff

Es wird wohl fast noch weitere vier Jahre dauern

Davon ist nichts zu sehen, ebenso wenig wie irgendwelche Bauarbeiter. Stattdessen: Gerüste innen wie außen, Provisorien an jeder Ecke. „Wir befinden uns noch nicht einmal am Ende des ersten Bauabschnitts“, sagt Sundermann. Und rechnet vor, dass – wenn es so weiterlaufe – das Ganze noch weitere vier Jahre dauern würde.

Jetzt haben Schule und Schulverwaltung die Reißleine gezogen. „So können wir nicht weitermachen“, sagt Sundermann. Die Dauerbaustelle belaste alle, besonders die Schüler, die es wegen ihrer Beeinträchtigungen ohnehin schon schwerer haben, als andere. Es sei einfach an der Zeit, diese „Belastung jetzt endlich rauszunehmen“. Eine Meinung, die er mit der Schulverwaltung teilt.

Vor wenigen Tagen ist Sundermann mit Gernot Willeke, Bereichsleiter Schulorganisation bei der Stadt, und weiteren Verantwortlichen von Immobilienwirtschaft und Bauverwaltung nach Wickede gefahren: Zum Gebäude der ehemaligen Hauptschule Wickede. Die wird derzeit noch als Ausweichquartier von der Max-Born-Realschule genutzt, die ebenfalls gerade saniert wird.

Der Unterschied zur Wittmannschule: Hier ist das Ende definitiv in Sicht: Nach den Osterferien, so sagt Gernot Willeke, kehren Born-Schüler und Lehrer an ihren eigentlichen Standort zurück – und machen Platz für die Schüler der Max-Wittmann-Schule.

Max-Wittmann-Schule ist eine Dauerbaustelle – jetzt fliehen die Schüler nach Wickede

Bunt ist nur der Schriftzug an der Wittmann-Schule. Mit dem Baufortschritt sieht es trist aus. © Britta Linnhoff

Damit haben Schüler und Lehrer der Förderschule endlich wieder Aussicht auf einen normalen Schulbetrieb für alle Schüler der Wittmann-Schule. Schon seit einiger Zeit ist die Primarstufe der Schule ausgezogen, in die ehemalige Minister-Stein-Schule am Gretelweg. Die 100 Schüler in zehn Klassen werden jetzt im zweiten Jahr dort unterrichtet. Und sie werden dort auch bleiben, denn für alle der insgesamt gut 300 Schüler der Förderschule ist am Ausweichstandort in Wickede kein Platz.

Einen genauen Termin für den Umzug gibt es noch nicht

Wann genau es zum Umzug kommen kann, das vermag Gernot Willeke derzeit noch nicht zu sagen. Aber so viel verspricht er dem Schulleiter: „So schnell es geht“. Möglichst zeitnah nach den Osterferien.

Zuvor gibt es aber noch einiges zu tun, nicht nur baulich, sondern auch logistisch. Das Einzugsgebiet der Schule ist riesig. Es umfasst die gesamten nördlichen Dortmunder Stadtteile von West bis Ost, von Westerfilde bis nach Wickede. Busse bringen die Kinder und Jugendlichen nach Eving.

Die Fahrtrouten müssen komplett neu geplant werden, und: In Eving ist Platz auch für große Busse gewesen, in Wickede ist das nicht der Fall. Willeke plant inzwischen neue Routen, auf denen ausschließlich kleine Busse zum Einsatz kommen, die die Kinder auf das Schulgelände in Wickede fahren können.

Das Übergangsquartier muss noch hergerichtet werden

Aber auch die Bauverwaltung muss noch ran: Es müssen Wege angelegt werden, es muss gestrichen und repariert werden. Und bei allen im Hinterkopf: Die Schüler mit ihren Beeinträchtigungen brauchen besondere Bedingungen: „Wir können die Kinder nicht wie anderswo einfach irgendwo in einem Container unterbringen, weil dann zum Beispiel für sie der Weg zu den Toiletten zu weit ist“, sagt Sundermann.

Obwohl alle sich bewusst sind, dass das noch einmal eine große Aufgabe wird, freuen sich alle, dass endlich eine Lösung gefunden ist, die einen geregelten Schulbetrieb möglich macht; auch wenn ein bisschen Wehmut dabei ist, den lieb gewonnenen Standort verlasen zu müssen.

Viel Hoffnung, dass durch den Umzug alles viel schneller als in vier Jahren fertig ist, hat Sundermann nicht. Aber es wird in „seiner“ Schule endlich wieder normalen Unterricht geben. Seit einem Jahr zum Beispiel war die Sporthalle der Schule nicht nutzbar. Nächste Woche findet zum ersten Mal wieder Sportunterricht statt. Da wird sich wohl der ein oder andere Schüler neue Sportschuhe kaufen müssen, weil die alten schon längst nicht mehr passen.

Max-Wittmann-Schule ist eine Dauerbaustelle – jetzt fliehen die Schüler nach Wickede

Gerüste liegen und stehen im Gebäude und auch überall auf dem Schulhof herum. © Britta Linnhoff

Warum ist das alles zeitlich derart aus dem Ruder gelaufen?

Die Frage, die sich natürlich bei alldem stellt, ist die, wie die Sanierung der Schule, derart aus dem Ruder laufen konnte. Die Ursachen seien vielfältig, sagt Gernot Willke von der Schulverwaltung.

Und Schulleiter Sundermann geht auch von dem vermutlich ein oder anderen Fehler in der Planung aus, aber es gibt noch mehr Gründe: Die Arbeiten werden aus verschiedenen Fördertöpfen bezahlt, erklärt Willeke. Die aber stünden nicht immer dann zur Verfügung, wie es für den Fortschritt der Baumaßnahme sinnvoll wäre. Da bleibt dann auch schon mal ein halb fertiger Raum liegen, weil die nächste Maßnahme aus einem anderen Topf bezahlt werden muss.

Und noch ein Grund: Es sei schwierig, Handwerker zu bekommen, sagt Willeke. Die haben Hochkonjunktur, und können sich die Aufträge aussuchen. Und so ist es, wie es ist: Auch nach langer Bauzeit ist die Hälfte der Schule noch immer im Originalzustand der 1970er.

  • Die Max Wittmann-Schule ist eine Förderschule mit dem Schwerpunkt geistige Entwicklung. Die Schule hat rund 300 Schüler von der Jahrgangsstufe 1 bis zum Erwachsenenalter.
  • Das Schulgebäude stammt aus den 1970er Jahren. Im Rahmen der Baumaßnahmen sind neben einer energetischen Sanierung auch die Erneuerung der gesamten Haustechnik (Wasser/elektrische Leitungen) vorgesehen. Außerdem werden neue Fenster eingesetzt, das Dach wird erneuert und die Lüftungstechnik modernisiert; ebenso Decken und Böden.
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