Dortmunder Förderschule bekommt Auszeichnung als „Schule der Zukunft“

dzMax-Wittmann-Schule

Die Max-Wittmann-Schule trägt jetzt den Titel „Schule der Zukunft“. Dahinter verbirgt sich in ihrem Fall viel Lebenspraxis und weit mehr als Digitalisierung und Umweltschutz.

Wickede

, 17.09.2020, 18:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

An der Max-Wittmann-Schule (MWS) werden ganz gewöhnliche Unterrichtsfächer wie Deutsch, Mathe und Kunst unterrichtet - dazu aber noch viel mehr.

Die Evinger Förderschule für Geistige Entwicklung, die momentan wegen Sanierungsarbeiten ihres Schulgebäudes unter anderem nach Wickede ausgelagert ist, besuchen 323 Schüler zwischen sechs und 18 Jahren. Sie lernen in kleinen Klassen zu maximal 13 Personen.

Jedes Kind wird nach seinen individuellen Fähigkeiten betreut. Denn die MWS unterrichtet Kinder mit besonderem Förderbedarf, Lernschwierigkeiten und geistiger Behinderung unterschiedlicher Schwere.

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„Wir wollen, dass die Schüler, wie auch an Gymnasien, über 12 reguläre Schuljahre bei uns sind. Niemanden soll ohne Schulabschluss gehen“, sagt Lehrerin Veronika Breucker. In diesen 12 Jahren sollen die Schüler vor allem eines tun: Für das Leben lernen.

„Uns geht es da um ganz lebenspraktische Dinge: Wie vermeidet man Müll? Wie kauft man kostengünstig ein? Wie erreicht man ein Ziel mit öffentlichen Verkehrsmitteln?“, erklärt Breucker.

Für ihre fächerübergreifende Arbeit im Bereich nachhaltiger Verbraucherbildung ist die Förderschule bereits dreimal als Verbraucherschule in der Kategorie Gold ausgezeichnet worden. Seit August trägt sie außerdem den Titel „Schule der Zukunft“.

Vorteil gegenüber anderen Schulformen

An der Kampagne „Schule der Zukunft“ nahmen Lehrer und Schüler von 2016 bis 2020 teil. Es handelt sich dabei um ein Projekt des Landes NRW. Um „Schule der Zukunft“ zu werden, muss eine Bewerberschule über einen Zeitraum von vier Jahren nachweisen, dass sie jungen Menschen Fähigkeiten vermittelt, die diese für eine zukunftsfähige Gestaltung ihres eigenen Lebens benötigen.

Wichtige Stichworte in diesem Zusammenhang sind zum Beispiel Nachhaltigkeit, Umweltschutz und internationale Zusammenarbeit in diesen Bereichen. Die Kampagne bietet Lehrern wie Schülern einen Anreiz, diese Themen besser und alltäglicher in das Schulleben zu integrieren.

Aufwändig sei der Weg zum Titel gewesen, erinnert sich Veronika Breucker, die für Bewerbung und Umsetzung zuständig war. Aber die viele Arbeit habe sich allemal gelohnt. Besonders wegen der Erfahrungen, die ihre Schüler aus den vergangenen vier Jahren mitnehmen.

Über die Auszeichnung zur "Schule der Zukunft" freut sich Monika Breucker als Verantwortliche für das Projekt ganz besonders. Die Urkunde kam in diesem Jahr wegen der Corona-Pandemie per Post. In den vergangenen Jahren hatte eine feierliche Übergabe stattgefunden.

Über die Auszeichnung zur „Schule der Zukunft" freut sich Monika Breucker als Verantwortliche für das Projekt ganz besonders. Die Urkunde kam in diesem Jahr wegen der Corona-Pandemie per Post. In den vergangenen Jahren hatte eine feierliche Übergabe stattgefunden. © Rebekka Wölky

Im Laufe der Kampagne stellte Breucker nach anfänglichen Zweifeln schnell fest: Gegenüber anderen Schulformen hatte die Förderschule keineswegs einen Nachteil, sondern sogar einen entscheidenden Vorteil. „Wir arbeiten nicht nur während eines solchen Projekts, sondern immer fächerübergreifend. Deswegen konnten wir die Kampagne leicht in verschiedenen Fächern gleichzeitig umsetzen. Da haben die Gymnasien, Real- und Gesamtschulen noch etwas von uns gelernt“, sagt Breucker.

Die MWS ging die Sache zwar etwas anders an als andere Schulen, schaffte es damit aber vermutlich sogar, ihre Schüler stärker in das Projekt einzubinden, als es andernorts möglich war.

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Kochen und putzen beim Wohntraining

Veronika Breucker und ihre Kollegen stützten sich auf das, was sie als Verbraucherschule bereits konnten. Denn nachhaltiger Konsum und ein bewusster Umgang mit Geld und neuen Technologien und Medien spielen im - wie gesagt sehr lebenspraktischen - Lehrplan der MWS ohnehin eine große Rolle. So auch eine gesunde Ernährung und die Gesundheit der Schüler. Behandelt werden all diese Themen in fächerübergreifenden Unterrichtseinheiten und AGs.

Das Wohntraining der MWS bereitet die Schüler zum Beispiel auf ein möglichst selbstbestimmtes Leben vor. Gemeinsames Einkaufen und Kochen, Gartenarbeit und Putzen stehen dabei auf dem Programm.

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„Für das Thema Mülltrennung ist sogar extra ein Herr von der Verbraucherzentrale zu uns gekommen“, erinnert sich Breucker. „Das war richtig nett, weil er sofort einen sehr guten Draht zu unseren Schülern hatte. Man hätte meinen können, wir würden uns schon ewig kennen.“ Und beim Mobilitätstraining legen alle Schüler den Schulweg der Klassenkameraden mit Bus und Bahn zurück.

Vorbereitung auf den Arbeitsmarkt

„Etwas Besonderes ist auch unsere 18+AG. Hier lernen diejenigen Schüler, die geistig fit und damit ab dem 18. Geburtstag auch voll geschäftsfähig sind, welche Verantwortung damit auf sie zukommt“, sagt Breucker. „Damit sie später zum Beispiel keine teuren Verträge abschließen oder eine Enzyklopädie in 20 Bänden bestellen, die sie eigentlich gar nicht haben wollen.“

Auf das spätere Berufsleben bereiten das Werken mit Metall und Holz, die Arbeit im Schülercafé und in der schuleigenen Wäschepflege vor. „Das ist sowohl für diejenigen gut, die später in einer Werkstatt arbeiten als auch für die, die fit genug für den ersten Arbeitsmarkt sind“, so Breucker.

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Während der Ausflüge, AGs und Unterrichtsstunden hat Veronika Breucker viele Fotos gemacht. Aus diesen und kurzen Texten sind später bunte Broschüren entstanden.

Als schöne Erinnerung, aber auch zur Dokumentation der Arbeit an der MWS für das Projekt „Schule der Zukunft“. Denn nicht nur mussten die Lehrer über den Zeitraum von vier Jahren an Fortbildungen teilnehmen, sie mussten die Umsetzung der erlernten Inhalte in der Schule auch nachweisen.

Das ist ihnen geglückt. Seit gut einem Monat ist die „MWS“ nun offiziell eine zukunftsträchtige Schule. Zwar musste die feierliche Übergabe der Urkunden in diesem Jahr corona-bedingt ausfallen, die Freude an der MWS mindert das aber nicht.

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