Zwei Wochen Maskenpflicht: Dortmunder Geschäfte ziehen erstes Fazit

dzEinzelhandel

Die Maskenpflicht besteht seit rund zwei Wochen. Wir haben Dortmunder Geschäfte befragt, wie gut sich ihre Kunden daran halten – und sind dabei auch auf unterschiedliche Philosophien gestoßen.

Dortmund

, 11.05.2020, 09:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

In allen Geschäften des Einzelhandels sind Kunden seit Montag, 27. April, dazu verpflichtet, einen Mund-Nasen-Schutz zu tragen. Striktere Hygiene-Auflagen im Zuge der Coronaschutzverordnung gibt es schon seit etwa Mitte März.

Wir haben einige Handelsketten gefragt, wie sie die Akzeptanz der Hygiene-Vorschriften ihrer Kunden und besonders der Maskenpflicht bislang erleben.

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Sieben Unternehmen haben bis Freitagnachmittag geantwortet - und damit faktisch 80 Dortmunder Geschäfte:

Aldi Nord (28 Dortmunder Filialen), Netto (20 Filialen), Lidl (19 Filialen), Kaufland (5 Filialen), Decathlon (3 Filialen), Media Markt/Saturn (jeweils 2 Filialen) und Peek und Cloppenburg (eine Filiale) – alle sprechen von einer grundsätzlich hohen Akzeptanz ihrer Kunden.

Vereinzelte Anlaufschwierigkeiten mit der Maskenpflicht

Während Lebensmittelgeschäfte ununterbrochen öffnen durften und sollten, dürfen andere Einzelhändler mit einer Verkaufsfläche von unter 800 Quadratmetern dies erst wieder seit dem 20. April.

In den ersten beiden Tagen seit der Maskenpflicht seien zur Decathlon-Filiale in der Kampstraße durchaus vereinzelt Besucher ohne Maske gekommen, heißt es von Filialleiter Georg Kühne.

Diese hatten aber nach Aufforderung, eine Maske zu tragen, vollstes Verständnis. Ähnliches hört man von den Saturn- und Media-Markt-Filialen.

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Eine Sprecherin von Peek und Cloppenburg macht auf eine besondere Schwierigkeit der Maskenpflicht im Kundenumgang aufmerksam:

„Ein freundliches Lächeln zum Beispiel verschwindet unter der Maske vollkommen und auch die Empfindungen der Kunden nur an den Augen abzulesen, erschwert die Beratung. Mimik ist ein wichtiger Teil der Kundenkommunikation“, sagt sie.

Absperrzäune, Flatterband, Security

Für die Herangehensweise an den Eingängen an Supermärkten gibt es überdies durchaus verschiedene Herangehensweisen.

Ein Beispiel: Discounter Lidl betreibt auf der Kaiserstraße eine seiner insgesamt 19 Dortmunder Filialen. Am Eingang prägen Absperrzäune, Flatterband und ein Security-Mitarbeiter das Bild.

Beim Lidl an der Kaiserstraße prägen auch Anfang Mai noch Absperrzäune, Flatterband und ein Sicherheitsmann das Bild am Eingang.

Beim Lidl an der Kaiserstraße prägen auch Anfang Mai noch Absperrzäune, Flatterband und ein Sicherheitsmann das Bild am Eingang. © Wilco Ruhland

Auf einen Einkaufswagen gestützt, mit Mundschutz und Handschuhen ausgestattet, beobachtet der Sicherheits-Mann am Freitagnachmittag (8.5.) das Treiben am Eingang des Lidl vor sich.

An der Station für Einkaufswagen ein Aufsteller: Papiertücher, Flächen-Desinfektionsmittel, Einweg-Handschuhe. „Hier reinigst du deinen Einkaufswagen“, steht auf einem Schild, inklusive Zeichnung.

Beim Lidl an der Kaiserstraße steht eine „Service-Station“ mit Flächen-Desinfektionsmittel, Tüchern und Einweg-Handschuhen. Darunter angebracht ist ein Mülleimer.

Beim Lidl an der Kaiserstraße steht eine „Service-Station“ mit Flächen-Desinfektionsmittel, Tüchern und Einweg-Handschuhen. Darunter angebracht ist ein Mülleimer. © Wilco Ruhland

Nur 450 Meter liegen zwischen zwei Welten

Während der Eingangsbereich der Lidl-Filiale auf der Kaiserstraße auch Anfang Mai noch eher dem einer Diskothek gleicht, sieht es 450 Meter weiter Richtung Körne ganz anders aus. Hier sitzt Mitbewerber Aldi Nord kurz hinter dem Ortseingangsschild.

Die große Straße heißt hier mittlerweile Körner Hellweg. An der Aldi-Filiale sucht man Absperrungen und Security-Mitarbeiter vergebens.

Auf Anfrage erklärt Unternehmenssprecher Dr. Axel vom Schemm, dass sich im Aldi-Markt in Körne aktuell maximal 120 Kunden gleichzeitig aufhalten dürfen. „Diese Zahl erreichen wir dort selbst in Spitzenzeiten nicht“, sagt er.

Aldi: „Kein Bedarf für Security“

Als Sicherheitsmaßnahme gibt es am Aldi-Eingang Hinweisschilder und ein reduziertes Kontingent an Einkaufswagen.

„Für zusätzliche Security-Mitarbeiter am Eingang, die wir während der Phasen mit überdurchschnittlich starkem Andrang (Ostern, Beginn der Ausgangsbeschränkungen) im Einsatz hatten, besteht inzwischen kein Bedarf mehr“, sagt von Schemm.

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Das sei allerdings keine Regel für alle Aldi-Filialen. An vielen anderen Märkten, „vor allem in den großen Ballungsgebieten“, setze man bei Bedarf nach wie vor auf externes Personal.

Probleme mit uneinsichtigen Kunden habe es in keiner der 28 Dortmunder Filialen bislang gegeben, sagt von Schemm. Im Gegenteil: Die Kunden unterstützten das Geschäft „hervorragend“ bei der Umsetzung der Hygiene-Vorschriften, lobt der Unternehmenssprecher.

350 Bürger-Beschwerden in 6 Wochen

So wie die Geschäfte ihre Kunden loben, so sind auch die Geschäfte selbst in Sachen Verstöße – im Verhältnis zur Größe Dortmunds – eher unauffällig. Wenn das städtische Ordnungsamt Geschäfte kontrolliert, dann vornehmlich auf Bürger-Beschwerden hin, wie Sprecher Maximilian Löchter sagt.

In sechs Wochen, dem Zeitraum vom 23. März – also dem Beginn der strengeren Hygiene-Vorgaben – bis zum 4. Mai, habe das Ordnungsamt 350 Beschwerden über Gewerbe erhalten.

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Das habe insgesamt 555 Kontrollen nach sich gezogen – inklusive Erst- und Nachkontrollen. Dabei sei es zu 55 Ordnungswidrigkeitsanzeigen und 91 Aufforderungen zu Schließungen gekommen.

Wenn das Ordnungsamt ein Geschäft auffordert, im Rahmen der Corona-Schutzverordnung zu schließen, heiße das, dass dort an den Schutzmaßnahmen „nachgearbeitet“ werden müsse, erklärt Löchter.

Nach erneuter und erfolgreicher Kontrolle könne das jeweilige Geschäft dann wieder öffnen.

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