Beim gemeinsamen Spaziergang unterwegs: Richard Schmidt zusammen mit Gerda Krüger, die auch als Begleitperson dient. © Didi Stahlschmidt
Blind durch die Corona-Zeit

Masken und Visiere sind für Blinde ein besonders großes Problem

Die Corona-Zeit bringt Besonderheiten mit sich. Wie lebt es sich, wenn man Hinweise nicht lesen kann oder Abstände nicht genau wahrnimmt? Zwei Menschen, die (fast) nichts sehen, berichten.

Neue Hygienebestimmungen, Sicherheitskonzepte oder Maskenpflicht sind zur Gewohnheit geworden. Für blinde oder sehbehinderte Menschen ist das Alltagsleben zu Corona-Zeiten schwieriger geworden.

“Als der Lockdown eintrat, war für mich sofort klar, dass dies zu Problemen führen wird”, so Richard Schmidt. Der blinde Hombrucher hat unterschiedliche Erfahrungen im Umgang mit den speziellen Situationen im Alltag gemacht.

Vermutlich wundern sich einige, dass er auch im Wald die Maske trägt, doch dies ist für ihn so selbstverständlich, wie das Fläschchen mit Desinfektionsmittel, das er immer dabei hat. “Ich muss dafür sorgen, die, die mich begleiten oder die ich beim Spazierengehen in der Bolmke treffe, zu schützen”, erklärt Schmidt.

Schmidt stellt fest, dass es auf der einen Seite viele hilfsbereite und zuvorkommende Menschen gibt. Andererseits aber auch viele unachtsame Menschen, vor denen er sich schütze. “Viele sind einfach mit der Situation überfordert, unabhängig davon, dass ich blind bin”, hält er fest.

In Hombruch habe er den Vorteil, dass ihn viele seit Jahren kennen. Dazu zählt auch Gerda Krüger, die regelmäßig mit ihm spazieren geht und als Inhaberin des gleichnamigen Frisörbetriebs für seinen Haarschnitt verantwortlich ist.

Die Masken können zu einem Problem werden

Im Gegensatz zu anderen Sehbeeinträchtigten stört Schmidt zum Beispiel das viele Plexiglas nicht, das auf zahlreichen Verkaufstresen in den vergangenen Monaten als Spuckschutz aufgebaut wurde. Er erkenne beim Ertasten durch den Schlitz die passende Stelle zum Durchreichen. Mit den Masken oder Visieren gibt es jedoch Probleme.

“Die Ohren funktionieren ein wenig wie ein Radarsystem”, erklärt er. Masken und Visire wiederum beeinträchtigen die Akustik. Das schränke Blinde in der Orientierung ein – und führe zu Unsicherheiten.

Ein Hilfsmittel, das viele Menschen mit Seh-Beeinträchtigung nutzen, ist aktuell doppelt praktisch: Der so genannte Blindenstock sorgt mit einer mittleren Länge von 1,50 Meter automatisch für die Einhaltung der Abstandsregelung.

Im Frisörgeschäft
Im Frisörgeschäft “Gerda Krüger Frisuren” ist Richard Schmidt schon lange Stammtgast und kennt sich dort gut aus. Der “Weiße Langstock” liegt direkt vor ihm. © Didi Stahlschmidt © Didi Stahlschmidt

Nicht jeder kann den Stock nutzen

Besagter “Weißer Langstock” – so heißt er wirklich – kann aber nicht von jedem genutzt werden. So ist Siegfried Volkert als Sehbeeinträchtigter auch noch auf einen Rollator angewiesen.

Damit wiederum ergeben sich Probleme mit der Abstandsregel, beispielsweise beim Einkaufen oder auch bei Bahnfahrten. “Es ist schon vorgekommen, dass ich beim Bahnfahren deswegen angemacht wurde”, so Volkert.

Nicht nur in der Bahn zeigt sich zudem ein Hygieneproblem für Blinde, das Menschen, die normal sehen können, wohl gar nicht so auf dem Schirm haben: Wenn irgendwo Blindenschrift vorhanden ist, sind diese öffentlichen Tastfelder ein Paradies für Keime und Vieren.

Wie hier an der Haltestelle
Wie hier an der Haltestelle „Reinoldikirche“ muss Siegfried Volkert das Feld mit der Blindenschrift ertasten, während parallel die Brille beschlägt. © Didi Stahlschmidt © Didi Stahlschmidt

Anfangs habe er deswegen immer Einweghandschuhe getragen, die mittlerweile gegen ein Fläschen mit Desinfektionsmittel getauscht wurden. Zudem sind für Volkert die überall vorhandenen Plexiglaskonstrukte eher Hindernisse. “Wenn das Plexiglas nicht kenntlich gemacht ist, haue ich ständig mit der Nase davor”, so Volkert.

Achtsamkeit und Hilfe sind oftmals angebracht

Grundsätzlich wünschen sich beide, Volkert wie Schmidt, eine Sensibilisierung für die schwierigen Situationen der Blinden und Sehbehinderten zu Corona-Zeiten.

Viele Hygienehinweise und Vorgaben sind für sie nämlich nicht lesbar, Abstandsmarkierungen nicht automatisch einhaltbar, Warteschlangen nicht sichtbar, das Bus- und Bahnfahren wird schwieriger und der Einkaufswagen ersetzt den Blindenstock nicht.

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Seit Februar 2007 bin ich als freier Redakteur mit der Kolumne "quer gehört" für die Bereiche Musik/ Nightlife/ Kultur/ Creativ Industries bei den Ruhr Nachrichten aktiv. Parallel arbeite ich als freier Journalist für verschiedene Magazine, Gastronomie-Führer, als freier Fotograf und als Autor und Werbe-Texter.
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