Martener Wirt verteidigt Trinkerszene: „Diese armen Menschen darf man nicht verjagen“

dzSteinhammer-/Martener Straße

Über den Martener Trinkertreff wird kontrovers diskutiert. Der Wirt vom gegenüberliegenden Martener Hof kann die ganze Aufregung nicht nachvollziehen. „Die tun doch niemandem was“, sagt er.

Marten

, 06.06.2019 / Lesedauer: 3 min

Michael Smajlovic ist seit 43 Jahren Wirt des „Martener Hofs“ an der Martener Straße 337. Von hier und von seiner Wohnung aus, die ein Stockwerk höher liegt, hat der 72-Jährige freien Blick auf die Trinkerszene schräg gegenüber an der Hinterseite des Penny-Markts. „Das sind arme Menschen, die darf man doch nicht von Ecke zu Ecke jagen“, sagt er und reagiert damit auf die öffentliche Beschwerde einer Anwohnerin.

Auch in seiner Nachtruhe fühle er sich von der rund 50 Meter entfernten Gruppe nicht gestört. „Da trinkt jeder höchstens ein Bierchen, mehr Geld haben die doch gar nicht“, sagt Michael Smajlovic. Dass sie sich dort nicht mehr treffen sollen, so wie es eine Anwohnerin fordert, hält er für falsch und ungerecht. Mehr als fünf bis zehn Personen habe er dort nie gesehen.

„Das ist einfach nur ein lustiges Zusammensein“

„Diese Leute sind weder aggressiv noch laut. Die machen keinen Ärger. Ab und zu gehen die bei mir auf die Toilette, ich kenne die. Die wollen nur ein bisschen Unterhaltung. Die haben doch nichts anderes.“ Auch der Begriff Trinkerszene missfällt Michael Smajlovic. „Das ist einfach nur ein lustiges Zusammensein.“

Dass nun die beiden kleinen Mauern am Penny-Markt abgerissen werden sollen, damit sich der Treff an dieser Stelle dauerhaft auflöst, kritisiert nicht nur Michael Smajlovic. Bald habe Marten gar keine Sitzmöglichkeiten mehr, befürchtet auch Monika Rößler vom Martener Forum. Dabei wünschten sich gerade ältere Bürger mehr Bänke im Ortskern.

Auch Raumplanungsstudenten der TU Dortmund, die gerade eine Masterarbeit über Marten schreiben, hätten das herausgefunden, so Rößler. Am 25. Juni (Dienstag) um 18 Uhr werden sie darüber in der Nachbarschaftswerkstatt Meilenstein, In der Meile 2, berichten.

„Das Problem wird damit nur auf die nächste Martener Bank geschoben“

Die Bezirksvertretung Lütgendortmund hat aufgrund eines Brandbriefs einer Anwohnerin und häufiger Beschwerden in der Vergangenheit den Abbau der Sitzgelegenheiten in ihrer März-Sitzung mehrheitlich beschlossen. Die Holzsitze auf den Mauern wurden bereits entfernt, laut Bezirksbürgermeister Heiko Brankamp (SPD) soll der Abriss der Mauern noch folgen.

Die Entscheidung ist den Bezirksvertretern nicht leicht gefallen - weil sie wissen, dass sie mit der Verdrängung das eigentliche Problem nicht lösen. Genau deshalb hat die Grünen-Fraktion gegen den Antrag gestimmt. „Das Problem wird damit nur auf die nächste Martener Bank geschoben“, so ihr Sprecher Frank Meyer. Die Grünen fordern stattdessen mehr Präsenz von Ordnungsamt, Polizei und Sozialhelfern oder Streetworkern. Um die Gesamtsituation besser beurteilen zu können, hat Meyer jetzt einen Fragenkatalog an die Verwaltung geschickt.

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Martener Forum wünscht sich einen Sozialarbeiter für Marten

Einen eigenen Sozialarbeiter für Marten wünscht sich Monika Rößler. Da Marten als Aktionsraum zum Aktionsplan Soziale Stadt gehöre, sei diese Forderung berechtigt, findet sie. Ein ständiger Ansprechpartner könne die Situation sicherlich entspannen. Generell müsse man das Thema umfassender betrachten und nicht einfach Bänke abbauen, so Monika Rößler.

Auch in den sozialen Netzwerken wird sehr kontrovers über die Trinkerszene diskutiert. Die einen halten die Anwohner-Schilderungen für übertrieben, andere fühlen sich von der Geräuschkulisse genervt oder machen sich Sorgen um ihre Kinder - weil sich die Trinker nach einem Platzverweis am Penny-Eingang neben dem Spielplatz aufhalten würden. „Heute werden sofort alle Menschen, auch die dort einfach mal so stehen und sich irgendein Getränk einverleiben, als Säufer und Penner tituliert“, kritisiert ein Martener auf Facebook.

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