Plötzlich saß eine Dohle stundenlang auf der Schulter von Manfred Konieczny

dzDohle in Marten

Wer an Hitchcocks „Die Vögel“ denkt, liegt falsch: Manfred Konieczny hatte in Marten Besuch von einem Rabenvogel - auf seiner Schulter. Der griff nicht an, er machte es sich dort gemütlich.

von Tobias Weskamp

Marten

, 18.07.2019, 09:28 Uhr / Lesedauer: 2 min

Als der Martener Manfred Konieczny vor einigen Tagen in seinen Garten kam, traute er seinen Augen kaum: Eine junge Dohle kam plötzlich angeflogen und setzte sich auf seine Schulter.

„Eine Nachbarin schrieb uns eine Nachricht und sagte uns, dass auf ihrem Balkon eine Dohle sitzt“, erinnert sich Konieczny. Als er daraufhin in den Garten ging, landete der Rabenvogel plötzlich auf seiner Schulter. Aber keine Spur von Bedrohung: „Das Tier war richtig zutraulich“, beschreibt Konieczny. „Ich bin mit ihm durch den Garten spaziert, und er blieb ganz ruhig sitzen. Zwischendurch ist er mal über meinen Kopf gekrabbelt und auf die andere Schulter gewandert.“

Der gefiederte Gast blieb mehrere Stunden

Über drei Stunden blieb die Dohle bei Konieczny. „Während der Zeit habe ich sogar ein kleines Nickerchen gemacht. Als ich wach wurde, war das Tier immer noch da.“ Als es richtig dunkel wurde, hat er seinen „Besuch“ aber verabschiedet: „Ich habe ihn dann ganz vorsichtig ins Gebüsch gesetzt. Da war er für die Nacht gut aufgehoben.“ Gesehen hat er den Vogel seitdem nicht mehr.

Nähere Erfahrung mit gefiederten Gästen hat Konieczny bereits. „Wir haben oft Jungvögel im Garten, etwa Amseln“, erzählt er. „Im Rollladenkasten saß mal ein Rotkehlchen.“ Auch eine Schildkröte, die in dem Garten lebt, hatte schon mal gefiederten Besuch. „Irgendwann hatte sich mal ein Vogel auf ihren Panzer gesetzt. Sie hat sich aber nicht weiter gestört, sondern ist ruhig weitergekrochen, mit dem Vogel als Reiter“, erzählt Konieczny schmunzelnd.

Vogel hatte schon engeren Kontakt zu Menschen

Dass die Dohle so zutraulich ist, ist kein Wunder. „Sie wurde von Menschen groß gezogen“, berichtet Ewald Ferlemann, der eine Auffang- und Auswilderungsstation besitzt und sie per Foto wiedererkannte. Als sie freigelassen wurde, landete sie bei einer Martener Familie, die die Dohle zu Ferlemann brachte. „Sie befindet sich noch in meiner Station und wird für die Freiheit vorbereitet.“

Das Verhalten des Tieres stuft der Dortmunder Ornithologe Dr. Erich Kretzschmar als nicht üblich ein. Zahme Rabenvögel tauchten in Dortmund allerdings des öfteren auf. „Wenn sie mit Menschen vertraut werden, verlieren sie ihre natürliche Scheu“, erklärt der Ornithologe. „Besonders wenn sie es gewohnt sind, aus der Hand gefüttert zu werden.“ Das könne durchaus auch zum Problem werden, wenn die Tiere ihr natürliches Verhalten zu sehr ändern. „Bei der Krähe dürfte das aber ganz harmlos sein“, beruhigt er. „Normalerweise greifen sie auch keine Menschen an.“

Auch die Möglichkeit der Übertragung von Krankheiten werde oft übertrieben. „Generell sollte man aus der Situation heraus entscheiden, wie man sich verhält“, gibt er als Tipp.

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