Marode Kanalbrücke: Behelf soll denkmalgeschützten Bau ersetzen

dzDortmund-Ems-Kanal

Über die Schwieringhauser Brücke wird kein Auto mehr rollen. Anwohner müssen Umwege in Kauf nehmen. Sie fordern eine Lösung und zeitliche Perspektiven. Die gibt es – unter Voraussetzungen.

Schwieringhausen

, 18.11.2020, 20:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Julia Meininghaus atmet auf: „Es ist schön, dass wir nun eine Rückmeldung haben.“ Die Rückmeldung ist die Presseinformation des Wasser- und Schifffahrtsstraßenamts (WSA) Duisburg-Meiderich zur gesperrten Schwieringhauser Brücke vom Dienstag (17.11.).

Zufall oder nicht: Am Wochenende hatte Julia Meininghaus zusammen mit ihrer Schwester Nina Lamhaouch einen Brief geschrieben – stellvertretend auch für zwei weitere Familien aus Schwieringhausen. Seit genau zwei Monaten ist die Kanalbrücke für Kraftfahrzeuge gesperrt. Nur Fußgänger und Radfahrer können sie nutzen.

„Wir haben so oft beim Schifffahrtsamt angerufen und nie eine Antwort erhalten“, sagt Nina Lamhaouch. Den Brief richteten die beiden Schwestern auch an Dortmunds Planungsdezernent Ludger Wilde, Bezirksbürgermeister Axel Kunstmann sowie seine Stellvertreter Bruno Wisbar und Holger Martens.

Weite Wege zu den Schulen

„Die Brücke muss für den PKW-Verkehr wieder nutzbar gemacht werden“, fordern die Anwohner in dem Schreiben. „Ob durch Neubau oder Sanierung ist uns egal.“ Wie schon am Tag der Sperrung weisen sie auf die weiten Umwege hin, die vor allem auch die Kinder der Familien treffen.

Zur Regenbogen-Grundschule in Mengede ist der Weg neun Kilometer statt drei Kilometer lang. Zum Heinrich-Heine-Gymnasium in Nette sind es fast zehn statt gut drei Kilometer. Nur 800 Meter entfernt wohnt eine Tagesmutter an der Altmengeder Straße – die Fahrstrecke beträgt 8,5 Kilometer. Die Buslinie 473 fährt ebenfalls einen Umweg. Fahrzeit zum Netter Schulzentrum: 42 Minuten.

Im Namen von Schwieringhauser Anwohnern schrieb Nina Lamhaouch (2.v.r.) mit ihrer Schwester einen Brief an das Wasser- und Schifffahrtsstraßenamt, Dortmund Planungsdezernent Ludger Wilde sowie an Mengeder Lokalpolitiker.

Im Namen von Schwieringhauser Anwohnern schrieb Nina Lamhaouch (2.v.r.) mit ihrer Schwester einen Brief an das Wasser- und Schifffahrtsstraßenamt, an Dortmunds Planungsdezernent Ludger Wilde sowie an Mengeder Lokalpolitiker. © Uwe von Schirp (Archivbild)

„Dieser enorme Zeitaufwand ist nicht akzeptabel und hinnehmbar“, schreiben die Schwieringhauser. Und sie verweisen auf ältere Nachbarn. Für diese sei in der dunklen Jahreszeit die Nutzung eines Fahrrads keine Alternative.

Anwohner wünschen eine zeitliche Perspektive

Nun also die Presseinformation des Schifffahrtsamtes. Klar ist demnach: Das WSA muss eine neue Brücke bauen. „Um die Sperrzeit der Brücke bis zum Ersatz des Bauwerks zu verkürzen, erarbeitet das WSA Duisburg-Meiderich derzeit Lösungen für den temporären Ersatz des Überbaus mittels eines Behelfsüberbaus“, heißt es in der Presseinformation.

Julia Meininghaus und Nina Lamhaouch stellt diese Perspektive nur bedingt zufrieden. „Wir möchten wissen, wann die Behelfsbrücke kommt“, sagt Lamhaouch im Gespräch mit dieser Redaktion. „Wenn man weiß, es dauert ein Jahr, dann ist es gut.“

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So lange wird es in der Tat wohl dauern – wenn die Behelfsbrücke denn überhaupt kommt. Das erklärt Oliver Jaswetz, zuständiger Sachbereichsleiter beim WSA, auf Nachfrage. Die Idee einer Behelfsbrücke sei Ergebnis von Gesprächen des Schifffahrtsamtes mit der Stadt Dortmund.

Über bestehende Brücke wird kein Auto mehr fahren

Ins Auge gefasst hat das WSA einen Bau aus Fertigmodulen. Diese Bauweise sei bereits bei Behelfsbrücken der Bahn zum Einsatz gekommen. Bei Vor-Ort-Terminen mit zwei infrage kommenden Firmen will das Amt in den nächsten zwei Wochen nun die Machbarkeit klären. Offen ist, ob sich die Module in die Spannweite der Brücke einpassen lassen.

Für mindestens ein Jahr noch bleibt die Kanalquerung in Schwieringhausen gesperrt. Über die Fachwerkbrücke (im Hintergrund) wird kein Fahrzeug mehr rollen.

Für mindestens ein Jahr noch bleibt die Kanalquerung in Schwieringhausen gesperrt. Über die Fachwerkbrücke (im Hintergrund) wird kein Fahrzeug mehr rollen. © Uwe von Schirp

Weiteres Detail ist die Einbauhöhe. „Wir wollen die bestehenden Widerlager nutzen“, sagt Jaswetz. Und da komme es darauf an, ob an den Brückenköpfen der Übergang zu den Fahrbahnen passe. Letztes Wort hat dann die vorgesetzte Generaldirektion Wasserstraßen und Schifffahrt. Sie muss die Finanzierung genehmigen.

Klar ist: Über die denkmalgeschützte Fachwerkbrücke wird nie wieder ein Kraftfahrzeug rollen. Und mit dem Bau einer Behelfsbrücke wird das WSA sie ausbauen müssen. Einen weiten Transport lasse der bauliche Zustand nicht zu, sagt Jaswetz. Die Zukunft des Bauwerks: ungewiss.

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