Frau mit Hammer verletzt: Streit eskaliert bei Methadonausgabe in Dortmunder Innenstadt

Polizeieinsatz am Eisenmarkt

Bei einem Streit auf dem Gelände eines Drogenhilfecafés ist an Karfreitag eine Frau schwer verletzt worden. Es kam zu Tumulten. Nun widerspricht der Betreiber des Café Kick der Polizei.

von Joshua Schmitz, Felix Guth

Dortmund

, 19.04.2019 / Lesedauer: 4 min
Frau mit Hammer verletzt: Streit eskaliert bei Methadonausgabe in Dortmunder Innenstadt

Großeinsatz in der Innenstadt: Mit mehreren Streifenwagen und einem Krankenwagen war die Polizei wegen eines Streits in der Dortmunder Innenstadt vor Ort. © Dennis Werner

Aktualisierung Dienstag (23.4.)

Am Dienstag meldet sich der Leiter der Drogenhilfeeinrichtung Kick, Jan Sosna, in der Redaktion. Und gibt einen wichtigen Hinweis: Anders als in der Polizeimeldung von Ostermontag sei der Vorfall nicht im Café Kick passiert, sondern auf dem Gelände. „Unsere Einrichtung hatte von Karfreitag bis Ostermontag geschlossen“, sagt Jan Sosna.

In einer Stellungnahme der Aidshilfe Dortmund, die das Café betreibt, heißt es: „Wir möchten an dieser Stelle den Vorfall nicht herunterspielen und bedauern, dass im Zuge dieses Einsatzes auch Polizeibeamte angegriffen wurden. Letztlich muss man jedoch konstatieren, dass die im Presseartikel genannte Örtlichkeit nicht der Wahrheit entsprechen kann.“

Polizei räumt ungenaue Ortsangabe in Meldung ein

Die Polizei Dortmund bestätigt am Dienstag auf Nachfrage, dass es auf dem Gelände, aber nicht im Café selbst zu dem Streit gekommen war. „Auf dem Gelände gibt es eine Methadonausgabe der Pur Ggmbh, die über eine Rampe zugänglich ist“, sagt Polizeisprecherin Nina Vogt. Dies sei für die Beamte vor Ort am Freitag nicht direkt ersichtlich gewesen.

Die Drogenhilfe Pur organisiert die zentrale Vergabe von Substitutionsmitteln für Opiatabhängige an Wochenenden und Feiertagen und bietet Beratung an.

Das Café Kick ist an sieben Tagen in der Woche geöffnet. „Wir arbeiten mit einem Sicherheitsdienst zusammen und tragen dadurch zur Deeskalation bei“, sagt Jan Sosna. Rund 300 Klienten kommen täglich an das Gelände an der Ecke Eisenmarkt/Kuhstraße. Im vergangenen Jahr gab es rund 50.000 Drogenkonsumvorgänge.

Michael Mantell aus dem Vorstand der Aidshilfe Dortmund bedauert, dass diese falschen Angaben der Polizei in eine Phase treffen, in der die Zukunft der Drogenhilfe in der Dortmunder Innenstadt ohnehin schon Gegenstand vieler Diskussionen ist.

„Solche Nachrichten schüren Ängste. Unsere Arbeit ist eigentlich gesellschaftlich anerkannt. Aber niemand will uns in der Nähe haben“, sagt Michael Mantell. Laut Polizei ist das Café Kick kein unbekannter Ort, aber auch keiner, an dem überdurchschnittlich viele Straftaten auffielen.

Der Umzug des Drogenkonsumraums in an den Hohen Wall ist bereits beschlossen. Klagen von Anwohnern verhindern den bereits vor einem Jahr geplanten Umzug aber bisher. Aktuell läuft ein Mediationsverfahren zwischen allen Beteiligten.


Urprünlgiche Meldung: Montag (22.4.), 14 Uhr:

Die Polizei Dortmund hat am Montag detaillierte Informationen zu dem Vorfall an Karfreitag in der Drogenhilfeeinrichtung „Café Kick“ in der Straße Eisenmarkt bekannt gegeben. Ein Tatverdächtiger wurde festgenommen, eine Person sitzt in U-Haft. Außerdem mussten die Polizisten vor Ort eine Gruppe von rund 80 Personen zurückdrängen.

Laut Polizei hatten hatten sich zwei Männer (41 und 48) im Café Kick getroffen und direkt gestritten. Als die 34-jährige Lebensgefährtin des 48-Jährigen dazwischen ging, schlug der 41 Jahre alte Waltroper mit einem Hammer auf sie ein. Die Dortmunderin erlitt durch diesen Angriff zum Teil schwere Verletzungen.

Polizeibeamte nahmen den 41-Jährigen noch im Café Kick fest.

Kurz darauf wurde aber auch der Lebensgefährte der schwer verletzten Frau abgeführt. Die Szenerie schildert die Polizei in einer Pressemitteilung so: „Als die Beamten ihn zum Streifenwagen bringen wollten, bedrängte der Lebensgefährte der Verletzten die Beamten. Er beleidigte und bedrohte sie, schließlich griff er die Beamten an. Zur Verhinderung weiterer Straftaten wurde er gefesselt und in Gewahrsam genommen.“

Laut Polizei führte dies dazu, dass sich 80 weitere Besucher des Café Kick mit dem 48-Jährigen solidarisierten und die Polizisten massiv behinderten. Erst als weitere Wagen zur Unterstützung eintrafen, war die Situation unter Kontrolle.

Gegen den 41-Jährigen laufen Ermittlungen wegen gefährlicher Körperverletzung und gegen den 48 Jahre alten Verdächtigen wegen Widerstandes gegen und tätlichen Angriffes auf Vollstreckungsbeamte ermittelt. Ein Polizeibeamter erlitt leichte Verletzungen, war aber weiter dienstfähig.

Erstmeldung: Freitag (19.4.)

Am Freitagvormittag kam es in der Nähe des Gesundheitsamtes zu einer Auseinandersetzung zwischen zwei Männern. Am Eisenmarkt an der Ecke Kuhstraße haben die Männer lautstark auf sich aufmerksam gemacht. Aus bis jetzt noch unbekannten Gründen war einer der beiden mit einem Hammer bewaffnet.

Als ein dritter Mann sich in den Streit eingemischt hat, wurde er von der mit dem Hammer am Kopf verletzt. Er musste danach ins Krankenhaus eingeliefert werden.

Wegen einer größeren Anzahl an Schaulustigen ist die Polizei zeitweise mit acht Einsatzwagen vor Ort. Nach dem sich die Lage beruhigt hatte nahmen die Beamten die streitenden Männer mit auf die Wache.

Der Grund für die Auseinandersetzung ist noch unklar.

Lesen Sie jetzt
Dorstener Zeitung Umzug Café Kick

Drogenkonsumraum: Gericht holt die Streithähne an den Verhandlungstisch

Der Umzug des Drogenkonsumraums („Café Kick“) vom Eisenmarkt in den geplanten Neubau am Grafenhof drohte wegen eines Rechtsstreits zur Hängepartie zu werden. Jetzt kommt Bewegung hinein. Von Gregor Beushausen

Lesen Sie jetzt