Mammographie: Keine Einladung bekommen

DORTMUND Tief verwundert las eine 56-jährige Dortmunderin in der letzten Woche die Ruhr Nachrichten. Nicht einmal die Hälfte aller angeschriebenen Frauen, die zur Röntgen-Reihenuntersuchung ihrer Brust eingeladen wurden, würden auch tatsächlich zu diesem Screening gehen. Karola Distelkamp wäre sofort gegangen, nur: Bei ihr im Briefkasten landete nie ein Schreiben der Zentralen Stelle in Münster, die diese Termine koordiniert.

von Von Ulrike Böhm-Heffels

, 14.07.2008, 16:53 Uhr / Lesedauer: 2 min
Karola Distelkamp wartet noch immer auf eine Einladung zur Röntgenuntersuchung, geschickt von der Zentralen Stelle fürs Mammographie Screening in Münster.

Karola Distelkamp wartet noch immer auf eine Einladung zur Röntgenuntersuchung, geschickt von der Zentralen Stelle fürs Mammographie Screening in Münster.

Alle Frauen in Dortmund zwischen 50 und 69 Jahren werden nun schon in der zweiten Runde zum Mammographie-Screening eingeladen. Schriftlich. Wirklich alle? Karola Distelkamp dachte, sie hätte sich verlesen, als sie vergangenen Donnerstag die Ruhr Nachrichten aufschlug. Die 56-jährige Dortmunderin hätte nämlich dabei sein müssen. Schon in der ersten Runde der Röntgen-Reihenuntersuchungen vor gut zwei Jahren. War sie aber nicht, weder sie noch viele ihrer Freundinnen, Bekannten und Kollegen, die bis heute keine Einladung zum Screening erhalten haben.

80.000 Frauen dieser Altersgruppe sollen allein in Dortmund für die vollständig von den Kassen finanzierte Reihenuntersuchung in Frage kommen. Sind es in Wirklichkeit also viel mehr? Hat das Einwohnermeldeamt nicht alle Daten an die zentrale Einladungsstelle des Screenings in Münster übermittelt?

Übermittlungssperre

Hat es nicht, wie eine RN-Nachfrage ergab. Durfte es auch nicht, denn: Wer beim Einwohnermeldeamt eine Übermittlungssperre eingerichtet hat, de facto also eine komplette Auskunftssperre, dessen Daten dürfen in der Tat nicht weitergegeben werden. Rainer Wagener von der Abteilung für Meldewesen war selbst gespannt darauf, wie viele der betroffenen Frauen dies so verfügt hatten. Seit gestern Morgen, kurz nach 7 Uhr, liefen die Rechner im Systemhaus heiß: Am Ende waren es dann doch nur 70 Frauen im fraglichen Alter.

Einwilligung versagt

Bei Karola Distelkamp liegt der Fall anders. Als sie vor zwölf Jahren nach Dortmund zog, hatte sie lediglich schriftlich ihre Einwilligung versagt zur Weitergabe von Ehe- und Altersjubiläen sowie zur Datenübermittlung an Adressbuchverlage. Der Zentralen Stelle in Münster meldete die Stadt ihre Adresse folgerichtig. Wagener: „An uns lag es also nicht, dass sie bisher nicht eingeladen wurde.“

Schlichtweg übersehen

Karola Distelkamp wurde vermutlich schlichtweg übersehen bei der Einladung zum Mammographie- Screening. Das ärgert sie, denn im Gegensatz zu vielen Frauen, die schriftlich benachrichtigt wurden und nicht zur Krebs-Früherkennung der Brust gehen – mehr als die Hälfte – möchte sie Verantwortung für ihre Gesundheit übernehmen.

Zwischen 50 und 69

Es geht um die Reihen-Röntgenuntersuchungen. Frauen zwischen 50 und 69 Jahren erhalten im zweijährigen Rhythmus unaufgefordert eine schriftliche Einladung mit einem festen Terminvorschlag. Wer in diesem Alter ist und noch immer darauf wartet, der hat – im Gegensatz zu Karola Distelkamp – womöglich einst beim Einwohnermeldeamt eine Übermittlungssperre zu einer möglichen Auskunftserteilung einrichten lassen.

Gefahren drohen

Dies können Bürger veranlassen, wenn sie konkrete Anhaltspunkte dafür haben, dass sonst  „Lebensgefahr oder andere schwerwiegende Gefahren drohen“, so heißt es im Gesetz. In solchen Fällen sollten sich die Frauen direkt mit der Zentralen Stelle fürs Screening in Verbindung setzen.

Hinweis: Die Zentrale Stelle fürs Mammographie Screening sitzt in Münster, Tel. 0251/929 50 00. Per E-Mail zu erreichen über: zentrale-stelle@mswl.de

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