Tote Hose: Am legendären „Ballermann 6“ ist zurzeit gar nichts los. © Michael Schuh
Urlaub in der Pandemie

Mallorca trotz Corona: Paare und Radfahrer statt Party-Touristen

Dem Feier-Tourismus auf Mallorca schieben die Corona-Regeln momentan einen Riegel vor. Unser Reporter vor Ort berichtet von Paaren und Radfahrern - aber er trifft auch andere Gäste.

Zugegeben, ich gehöre zu jenen Menschen, die schon mal der Party wegen nach Malle geflogen sind. 2018 war das, pünktlich zur Fußball-WM, wo jedes Spiel unter lautem Gejohle live in der Kneipe geguckt wurde. Seitdem sind nicht mal drei Jahre vergangen – und trotzdem ist der Unterschied gewaltig: Das Mallorca von 2018 ist mit dem von 2021 nicht mehr zu vergleichen.

Das fällt schon am Dortmunder Flughafen auf: Wo in früheren Zeiten stets lustige, vielfach einheitlich gekleidete Grüppchen es kaum erwarten konnten, auf der Urlaubsinsel den Junggesellenabschied oder den Aufstieg in die Kreisliga A zu feiern, geht es in Coronazeiten deutlich gesitteter zu.

Dem tristen Leben entfliehen

Viele Pärchen stehen vor dem Check-In, die meisten mittleren Alters, aber auch ältere Menschen und ein paar Familien mit kleinen Kindern warten darauf, dem doch recht tristen Leben in der Heimat für eine kurze Zeit zu entfliehen. Und auch im Flugzeug deutet nichts auf eine bevorstehende Feier hin. Wo früher gerne schon morgens Bier und Wein geordert wurde, sind heute Mineralwasser und Kaffee die Standardgetränke.

Auf der Promenade an der Playa de Palma sieht es an diesem Samstagnachmittag nicht viel anders aus als in deutschen Fußgängerzonen: Es ist kaum jemand unterwegs. Das mag teilweise dem schlechten Wetter geschuldet sein, doch eine zentrale Rolle spielt zweifelsfrei die Pandemie.

Laut Kellner Mimo sind momentan vor allem ältere Pärchen und Familien mit kleinen Kindern in El Arenal unterwegs: „Hier ist es ruhig und entspannt.“ © Michael Schuh © Michael Schuh

Das weiß auch Mimo, der vor sechs Jahren seine alte Heimat Wolfsburg in Richtung Mallorca verließ und seither in El Arenal als Kellner arbeitet. „An den Wochenende ist zurzeit mehr los als unter der Woche“, sagt der 30-Jährige, „aber kein Vergleich zu den Jahren vor Corona.“

Ältere Paare und Familien

Auch er bestätigt meinen Eindruck: „Momentan sind hier vor allem ältere Paare und Familien mit Kindern unterwegs. Das gab es ansonsten am Ballermann nicht in dem Maße. Es kommen zwar auch jüngere Leute, die zwei oder drei Bier trinken, aber nicht so viele wie früher. Und das, obwohl die Corona-Regeln gerade auf Mallorca meiner Meinung nach besser sind als in Deutschland.“

Dass auf die Einhaltung dieser Regeln peinlich genau geachtet wird, macht bereits die Ankunft im Hotel deutlich. Gleich beim Einchecken muss jeder Gast eine Haftungserklärung unterschreiben, womit er sich verpflichtet, die Präventions- und Hygienemaßnahmen einzuhalten.

Vor allem Deutsche zu Gast

„Bei uns sind momentan viele Deutsche zu Gast, aber auch Spanier, die seit ein paar Tagen ja wieder reisen dürfen“, sagt Annett, die seit vielen Jahren auf der Ferieninsel lebt und im direkt an der Playa de Palma liegenden Hotel „HM Ayron Park“ an der Rezeption arbeitet.

Als am Sonntag die Sonne endlich scheint, füllen sich die Terrassen vor den geöffneten Cafès dann doch – vor allem mit Familien und Paaren. © Michael Schuh © Michael Schuh

Unter den Besuchern seien vor allem Pärchen, die sich Autos oder Fahrräder mieteten, um individuelle Ausflüge zu unternehmen. Denn wer die Insel erkunden möchte, sei derzeit auf sich allein gestellt: „Fest gebuchte Ausflüge sind noch nicht wieder erlaubt.“

Auf eine Klientel, die früher gerade in Arenal zum festen Besucherstamm zählte, ist auch Annett bislang kaum gestoßen: „Gruppen sind im Moment kaum unterwegs.“ Den sogenannten Ballermann-Tourismus gebe es zurzeit nicht – schließlich müssten ja alle Kneipen und Restaurants schon um 17 Uhr schließen. „Aber vielleicht ändert sich das im Sommer.“

Während viele der klassischen Ballermann-Touristen ausbleiben, kommen die Radfahrer nach wie vor – und genießen die Ruhe auf Mallorca. © Michael Schuh © Michael Schuh

Zu den vielen Radfahrern, die auf Mallorca unterwegs sind, zählt Udo Albersmann, der sich nach eigener Aussage auf der Insel durchaus sicher fühlt. Viele Jahre schon nutzten er und seine Bekannten die tollen Möglichkeiten für Radfahrer auf dem bergigen Eiland. „Doch so leer wie heute habe ich es hier noch nie erlebt“, sagt der 64-Jährige.

Kölsch und fröhliche Lieder

Und dann, bei einem letzten Spaziergang auf der Promenade, sehe ich sie dann doch noch: Jene jungen Männer, mit denen man die Partyzentrale El Arenal fast zwangsläufig verbindet. Vor dem „Steak House Tango“ sitzt eine ganze Gruppe Kölner, singt fröhliche Lieder und trinkt Kölsch.

Corona und allen Regeln zum Trotz ist die Truppe tatsächlich zum Feiern hier. Aber wie geht das in Zeiten, in denen um 17 Uhr die Zapfhähne hochgeklappt werden?

Ein Herr am Nebentisch schildert mir den Tagesablauf der jungen Herren aus der Domstadt: „Die kommen um 9 Uhr morgens, wenn das Restaurant öffnet, und trinken dann bis 17 Uhr. Anschließend gehen sie auf ihr Hotelzimmer, wo weiter getrunken wird. Und am nächsten Morgen sind sie wieder um 9 Uhr hier.“ Selten wurde die berühmte Liedzeile so wörtlich genommen: „Scheiß drauf – Malle ist nur einmal im Jahr.“

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