Mal eben schnell unter die Dusche - wie dieser fromme Wunsch für eine Zwillingsmutter endet

dzEltern-Kolumne „Doppelkinder“

Auch als Mutter von vierjährigen Zwillingen hat man mal das Bedürfnis zu duschen. Ausgiebig und in Ruhe. Wie dieser fromme Wunsch im Chaos endet.

Dortmund

, 02.06.2019, 14:19 Uhr / Lesedauer: 2 min

Mit fast vierjährigen Zwillingssöhnen ist es überhaupt kein Problem, morgens schnell unter die Dusche zu springen. Sollte man annehmen. Und ich nahm es fälschlicherweise an. Zuweilen zeigen sich die Kinder schon so verständig, da wird man waghalsig in seinen Hoffnungen.

Wider besseren Wissens habe ich länger geschlafen. Das heißt bis 6.40 Uhr anstatt bis 6 Uhr. Mein jüngeres Ich haut sich an dieser Stelle auf den Oberschenkel und lacht schallend, aber für Eltern bedeutet diese Uhrzeit ja fast, bis mittags im Bett zu liegen.

In die Besucherritze gedrängt

Mein Körper bedarf dringend einer rudimentären Reinigung, es duldet keinen Aufschub. Die Kinder schlafen noch. Um das einschätzen zu können, muss ich praktischerweise nicht weit laufen, denn sie liegen gleich links und rechts neben mir, so dass ich die Nacht mal wieder mit Schulter und Hüfte versunken in der Ritze zwischen zwei ergonomisch anpassungsfähigen Matratzen verbringen durfte.

Einer der Söhne beginnt sich zu räkeln. „Ich geh schnell duschen, dann hole ich dich“, flüstere ich. Er nickt und kuschelt sich in die Decke. Mit dem Gefühl, alles im Griff zum haben, gehe ich ins Badezimmer und drehe das Wasser an. Just in dem Augenblick, in dem ich meinen Knöchel unter den warmen Strahl schieben will, ertönt ein Kreischen aus dem Schlafzimmer.

Pflaster gefordert

„Ich brauche ein Pflaster!“ Klar, was auch sonst um diese Uhrzeit. Ich bringe das Erwünschte und fange mir dabei noch einen Anpfiff ein, weil ich das Licht in der Diele eingeschaltet habe, um nicht in der Kramschublade, in der die Pflaster hausen, verschütt zu gehen. Was denke ich mir eigentlich, das Kind am frühen Morgen mit Dämmerlicht zu quälen?

Ich verarzte die unsichtbare Verletzung, erneuere die Duschgenehmigung und mache mich davon. Das Herrliche an mehreren Kindern ist jedoch, dass mit ihnen potenziell auch die Chance steigt, von den eigenen Vorhaben abgebracht zu werden.

Schaum und Geschrei

Ich stehe mit Schaumkrone hinter dem Duschvorhang, da gibt es erneut Geschrei. Der andere Sohn sucht seinen Schnuller, den er zum Schlafen noch braucht – fragen Sie nicht. Ich rufe, dass ich gerade unter der Dusche stehe und er ihn bitte selbst suchen möge. Für alle weiteren Belange sei ich im Badezimmer anzutreffen.

Netter, etwas bemitleidenswerter Versuch, an die Vernunft des Kindes zu appellieren. Ich seufze und schäume schneller. Unter anhaltendem Geschrei aus dem Schlafzimmer. Am Rande der Schnullerkrise scheint eine Bruderfehde entbrannt zu sein. Über den Grad der Bewaffnung vermag ich nichts zu sagen, doch ich habe ohnehin längst entschieden, es beim Schnellpflegeprogramm zu belassen.

Fliegender Zucker

Ich versuche, aufgrund der bisherigen Ereignisse keine Prognosen über den weitern Verlauf des Morgens abzugeben. Doch so viel sei gesagt: Ein Schälchen Zucker flog noch durch die Küche und ich war nicht diejenige, die es geworfen hat. Hätte ich aber gerne.

UNSERE KOLUMNE „DOPPELKINDER“

AUS DEM LEBEN EINER ZWILLINGSMAMA

In unserer Eltern-Kolumne berichtet Julia Scharnowski jeden zweiten Sonntag aus ihrem Alltag, den sie mit Ehemann und Zwillingssöhnen in Dortmund erlebt. Sie schreibt darüber regelmäßig auf ihrem Blog „Doppelkinder“ und bei Instagram (@juli_scharnowski_mompwr).
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