Emotionaler Abschied: Kultgastronomie im Kreuzviertel muss aufgeben

dzCorona-Krise

Das Kreuzviertel verliert aufgrund der Corona-Krise eines seiner Gastronomie-Aushängeschilder. Die Betreiberfamilie schließt nach zehn Jahren am Sonntag dort für immer ab.

Dortmund

, 02.05.2020, 17:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Übers Wochenende wird die Familie Döring das Verkaufsfenster des „Lokales“ an der Essener Straße 24 nochmals öffnen, hausgemachten Kuchen zum Mitnehmen anbieten. Der Außerhausverkauf süßer Leckereien war als Service für die Gäste gedacht, die dem Gastronomiebetrieb auch während der Corona-Krise die Treue gehalten haben.

Die Umsatzeinbußen, die durch die temporäre Stilllegung des regulären Café -, Bar- und Restaurantbetriebs in den vergangenen Wochen entstanden sind, konnten damit nicht aufgefangen werden.

Jetzt lesen

Das und die derzeitig vorherrschende Unsicherheit, wie es im Schatten von Corona in der Dortmunder Gastronomie weitergehen könnte, hat letztlich dazu geführt, dass das betreibende Mutter-Tochter-Gespann Uta und Annika Döring den Entschluss gefasst haben, das „Lokales“ aufzugeben.

Lokal schon ausgeräumt

„In der vergangenen Woche haben wir den Laden schon ausgeräumt, Montag übergeben wir die Schlüssel“, sagt Peter Döring. Zum Aus des beliebten Gastrobetriebs im Kreuzviertel würde sich auch seine Frau Uta gerne äußern, aber sie sei dazu aktuell emotional zu mitgenommen.

Zwei Jahre lang war das „Lokales“ am Westpark beheimatet, zehn weitere Jahre führten die Dörings den Betrieb im Kreuzviertel weiter.

„Wir haben uns all die Jahre so stark eingebracht, sind mit den Gästen zu einer gemeinsamen Familie verschmolzen“, resümiert Peter Döring. Immer wieder bricht seine Stimme, wenn er über das „Lokales“ spricht. Bei dem, was gerade passiert, kann auch er seine Tränen nicht zurückhalten.

Politik handelte zu spät

Mit dem Ende des Familienbetriebs verlieren auch drei Vollzeitkräfte und fünf Aushilfen ihren Job. Und da sei die Hilfe der Politik, die Mehrwertsteuersätze für Gastronomen zeitweise herabzusetzen, zu spät gekommen, meint Peter Döring.

„Wir haben die Option gehabt, die Pacht für das Lokal stunden zu lassen. Auch haben einige Stammgäste uns angeboten, uns finanziell in der Krise auszuhelfen. Aber es war nicht daran zu denken, Schulden anzuhäufen, wenn man nicht weiß, ob man in absehbarer Zukunft überhaupt Einnahmen macht“, so Döring.

Jetzt lesen

Einen Plan B habe die Familie nicht in der Hinterhand gehabt. Man hätte sich gerade einmal so von einem recht mageren Geschäft 2018 erholt gehabt, den Betrieb wieder auf Kurs gebracht - „Und dann kam Corona".

Wie es jetzt beruflich bei Frau und Tochter weitergehen wird, kann Peter Döring noch nicht sagen. Nur: "Als Selbstständige in die Gastronomie zurückzukehren, kommt nicht in Frage."

Lesen Sie jetzt