Seniorenheime ohne Masken und Schnelltests? Jörg Wunsch sieht das mehr als kritisch. © Bauerfeld
Corona-Lockerungen

Lockerungen für Seniorenheime? Besucher bleiben ein Problem

In Seniorenheimen sind fast alle Bewohner geimpft, ebenso immer mehr Mitarbeiter. Zeit für Lockerungen? In Dortmund gibt es Kritik an den Plänen von Minister Laumann.

Mehr Besucher, keine Schnelltests mehr, gemeinsames Singen, Basteln, Tanzen in den Seniorenheimen, dabei ein Verzicht auf Masken – „generell wäre das schon wünschenswert“, findet Jörg Wunsch.

Er ist Chef einer Firma in Dortmund-Kirchlinde, die Betreutes Wohnen für Senioren anbietet, Tagespflege, Wohngemeinschaften und ambulante Pflege. Und er fragt sich, wie das alles gehen soll, wie man Lockerungen und Öffnungen guten Gewissens umsetzen könne.

Heimleiter Wunsch: „Wir sind noch mittendrin“

NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) hatte erklärt, in den Seniorenheimen seien Bewohner wie Mitarbeiter mittlerweile so gut gegen Corona durchgeimpft, dass man viele Einschränkungen zurücknehmen könne.

Wirklich? Jörg Wunsch bezweifelt das. „Wir sind noch mittendrin“, sagt der Chef von Wunsch-Pflege.

„Natürlich hat Herr Laumann recht, dass eine hohe Anzahl von Bewohnern geimpft ist und dass es bei den Mitarbeitern auch so aussieht.“ Aber, so Wunsch, was sei mit den Besuchern und denen, die aus verschiedenen Gründen noch nicht geimpft seien?

Fünf Besucher pro Tag, Kinder zählen nicht mit

Über 90 Prozent der Senioren hätten schon ihre Impfung bekommen, bei seinen Mitarbeitern seien es ab dieser Woche 75 bis 85 Prozent.

Und: „Natürlich freut sich die Mutter, zu der bisher zwei Besucher pro Tag kommen konnten, wenn es dann fünf pro Tag sind.“

Aber Wunsch rechnet weiter: Fünf Senioren wohnen jeweils in seinen Wohngemeinschaften zusammen. Kämen nun zu allen Freunde oder Verwandte, vielleicht sogar mit Kindern (Wunsch: „Unter-14-Jährige zählen ja hier nicht“), und gleichzeitig wiederum öffnen Schulen und Geschäfte…

„Rechnen Sie das mal hoch für eine Einrichtung“, unterstreicht Wunsch: „Durch mehr Kontakte geben wir dem Virus wieder mehr Möglichkeiten, sich zu verbreiten. Und was ist denn, wenn auch ein geimpfter Bewohner nochmal an Corona erkrankt?“

Bei größeren Trägern laufen noch die Absprachen

Bei mehreren größeren Seniorenheim-Trägern in Dortmund laufen noch die Absprachen, wie es weitergehen soll. Ob die Lockerungen tatsächlich so umgesetzt werden sollen. „Wir befinden uns derzeit in intensivem Austausch mit unseren Einrichtungsleitungen“, hieß es am Freitag etwa von der Caritas.

Vieles sei ja in den vergangenen Monaten auch möglich gewesen, „unter Einhaltung höchstmöglicher Schutzmaßnahmen“. Konkret zu den Lockerungen äußerte man sich aber nicht.

Immunologe: Schnelltests für Außenkontakte sinnvoll

Carsten Watzl, Immunologe beim Leibniz-Institut für Arbeitsforschung der TU Dortmund, sieht das Thema zwiespältig. Wenn Personal wie Bewohner geimpft seien, können man das Pflegeheim zwar als Insel betrachten und davon ausgehen, dass die Herdenimmunität erreicht sei.

Damit seien etwa auch gemeinsame Aktivitäten wie Gymnastik wieder möglich.

Schwierig seien aber nach wie vor Außenkontakte. Hier seien weiter Schnelltests sinnvoll, sagt Watzl. Die Umsetzung könne aber schwierig werden, wenn die Zahl der erlaubten Besucher deutlich erhöht wird.

Wenigstens eine Empfehlung, Masken zu tragen

Jörg Wunsch hingegen hat sich schon festgelegt: Vorschreiben könne man das Tragen einer Maske nicht mehr: „Aber wir können eine Empfehlung aussprechen.“ Und da man ein gutes Verhältnis zu den meisten Angehörigen habe, würden sicher die meisten mitmachen. Zu mehr habe man ja „keine Chance, wenn so eine Anordnung vom Land herauskommt“.

Singen? „Aerosole sind die größte Gefahr“

Und so sehr er das Prinzip befürworte, Bewohner, Besucher und Mitarbeiter alle paar Tage einem Corona-Schnelltest zu unterziehen – wenn er die Kosten dafür nicht refinanziert bekomme, werde er das wohl nicht machen können.

„Und wenn wir wieder anfangen zu singen“, sagt Wunsch, „das kann doch nicht sein. Wir reden doch seit Monaten darüber, dass die Aerosole die größte Gefahr sind.“

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Jahrgang 1977 - wie Punkrock. Gebürtiger Sauerländer. Geborener Dortmunder. Unterm Strich also Westfale.
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Björn Althoff
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Oliver Volmerich, Jahrgang 1966, Ur-Dortmunder, Bergmannssohn, Diplom-Journalist, Buchautor und seit 1994 Redakteur in der Stadtredaktion Dortmund der Ruhr Nachrichten. Hier kümmert er sich vor allem um Kommunalpolitik, Stadtplanung, Stadtgeschichte und vieles andere, was die Stadt bewegt.
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Oliver Volmerich

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