Der Westenhellweg in Dortmund am ersten Tag des Lockdowns. © Schaper
Bund-Länder-Beratungen

Lockdown verlängert: Angst vor Insolvenzwelle ab April bei Dortmunds Handel

Das Warten geht für den überwiegenden Teil des Einzelhandels in Dortmund weiter. Der Lockdown wird vorerst bis zum 14. Februar verlängert. Die Stimmung beginnt zu kippen.

Es ist seit Wochen derselbe Ablauf: Bund und Länder beraten sich per Videokonferenz, und (nicht nur) die Inhaber von Geschäften in den deutschen Innenstädten warten auf die Ergebnisse. Und am Ende stehen weitere Wochen der Schließung.

Mit der Verlängerung des Lockdowns bis zum 14. Februar steht nun auch für Einzelhändler in Dortmund fest, dass das Warten weitergeht. Ziemlich genau zwei Monate werden die meisten Geschäfte dann am Stück geschlossen haben. Die Sorgen vieler Unternehmer wachsen mit jedem weiteren Tag.

Viele Einzelhändler warten weiter auf finanzielle Hilfe vom Bund

„Die Stimmung ist sehr gedrückt“, sagt Nicole Laubert, Vorsitzende der Werbegemeinschaft Kaiserstraße. Sie sehe, wie kreativ und engagiert viele Betriebe versuchen, weiterzuarbeiten.

„Aber es ist ärgerlich, wenn die Maßnahmen dann nicht passgenau sind“, sagt Nicole Laubert. So sitzt ein Friseursalon weiter auf den Kosten für einen nachweislich effizienten Luftreinigungsfilter, darf aber nicht öffnen. Viele andere warten weiterhin auf die angekündigte finanzielle Unterstützung vom Bund.

Manche Händler rechnen vor Ende Februar nicht mit einer Wiedereröffnung

Das berichtet auch Blumenhändlerin Ute Kersting für die Geschäftsleute im Kreuzviertel. Viele der Kreuzviertel-Unternehmer, die sich untereinander austauschen, hätten ohnehin schon mit einer Verlängerung gerechnet, manche gehen sogar von einem Lockdown bis Ende Februar aus. „Man rechnet damit, aber wenn man es hört, ist es trotzdem immer wieder nochmal ein Schock.“

Ihre Branche gilt in NRW als systemrelevant und darf deshalb weiter öffnen. „Für alle anderen tut es mir unendlich leid“, sagt Kersting.

Im Kreuzviertel leiden gerade besonders die Unternehmer, die ohne Einnahmen weiterhin Miete zahlen müssen. „Viele Vermieter rücken da keinen Meter ab“, sagt Ute Kersting.

Sie befürchtet deshalb eine Konkurswelle ab April. Schon jetzt seien ihr drei Geschäfte bekannt, die nach jetzigem Stand selbst nach dem Ende des Lockdowns nicht wieder eröffnen könnten.

Kritik: Warum dürfen Discounter weiterhin Non-Food-Artikel verkaufen?

Im Kreuzviertel und in anderen Nebenzentren der Stadt fühlen sich viele Einzelhändler noch aus einem weiteren Grund ungerecht behandelt. Der Grund: Discounter dürfen weiterhin auch Non-Food-Artikel wie Kleidung verkaufen, während die kleine Boutique geschlossen bleiben muss.

Ute Kersting meint: „Das ist eine Ungerechtigkeit. Wenn, dann müsste man alle gleich behandeln. Aber das zieht sich ja wie ein roter Faden durch die vergangenen Monate.“

Tobias Heitmann, Vorsitzender des Cityrings, bemüht sich, den 14. Februar als Perspektive zu sehen. „Die Händler brauchen das, denn die Leute werden ungeduldig. Und die Planungen müssen beginnen, wenn wir irgendwann wieder eröffnen sollen“, sagt er.

Geschäfte rund um den Westenhellweg und in den Zentren der Stadtteile lebten vom Publikumsverkehr – und dieser müsse möglichst schnell wieder hergestellt werden.

Cityring-Vorsitzender: „Den klassischen Stadtbummel wird es nicht mehr geben“

Er sieht schon jetzt mittelfristige Folgen für den Einzelhandel in der Innenstadt. „Die Leute werden in Zukunft gezielter kaufen, den klassischen Stadtbummel wird es nicht mehr geben.“ Zugleich glaubt Heitmann, dass sich das sehr hohe Mietniveau am Westenhellweg auf Dauer so nicht zu halten sei.

Bei einer möglichen Wiedereröffnung der Geschäfte für den Publikumsverkehr werden medizinische Schutzmasken eine zentrale Rolle spielen. Hier herrscht aktuell noch Unsicherheit, wie die Regelungen in Nordrhein-Westfalen genau aussehen werden.

Dennoch gibt es unterschiedliche Überlegungen, etwa die Anschaffung größerer Mengen über Werbegemeinschaften, um auch Kunden mitzuversorgen.

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Redaktion Dortmund
Seit 2010 Redakteur in Dortmund, davor im Sport- und Nachrichtengeschäft im gesamten Ruhrgebiet aktiv, Studienabschluss an der Ruhr-Universität Bochum. Ohne Ressortgrenzen immer auf der Suche nach den großen und kleinen Dingen, die Dortmund zu der Stadt machen, die sie ist.
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Felix Guth

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