Literat Josef Reding gestorben

Todesfall

Die Literaturfreunde trauern um einen Dortmunder und Castrop-Rauxeler Autor, dessen Texte Mahnmal und Gebet waren. Der „Asphalt-Literat“ ist gestorben.

Dortmund, Castrop-Rauxel

, 10.01.2020, 16:18 Uhr / Lesedauer: 2 min
Literat Josef Reding gestorben

Josef Reding (Archivbild) ist gestorben. © Dieter Menne

Schon 1969, bei der Verleihung des Annette-von-Droste-Hülshoff-Preises hat Josef Reding gesagt: „Ich will die Zustände beim Namen rufen. Nach allem, was ich in Asien, Afrika, Lateinamerika und auch Europa erlebt habe, kann ich nicht mehr glauben, dass diese Welt heil ist. Aber ich glaube daran, dass sie verbesserungsfähig ist.“ In der Nacht zu Freitag hat Josef Reding diese Welt verlassen, der Pflegedienst hat ihn um 7 Uhr tot aufgefunden.

Der Dortmunder Schriftsteller wurde 90 Jahre alt. Im vergangenen Jahr habe er viel im Krankenhaus gelegen, sagt seine Schwester, die Künstlerin Elisabeth Stark-Reding.

Weihnachtslesungen

Erinnerungen an Josef Reding. Das sind Erinnerungen an einen außergewöhnlichen Menschen, der bescheiden war, viel Humor hatte, aber sehr ernst wurde, wenn es um Ungerechtigkeiten ging.

Erinnerungen an Josef Reding – dazu gehören die Weihnachtslesungen in der Dortmunder Stadt- und Landesbibliothek, die er gekrönt hat, wenn er am Schluss seine Brille zurechtrückte, einen seiner Kurzgeschichtenbände aufklappte und las. Es waren immer kluge Texte, mit denen er charmant und in Worten, aus denen viel spröder Ruhrgebietscharme klang, den Finger in Wunden legte.

Als Sohn eines Filmvorführers wurde Reding am 20. März 1929 in Castrop-Rauxel geboren, wo er 1951 Abitur machte. Da war er aus der amerikanischen Kriegsgefangenschaft zurückgekehrt; seine Bewacher überließen ihm Zeitschriften und Taschenbücher – so lernte er Kurzgeschichten kennen und lieben.

Ab 1953 hat Reding in Münster Germanistik, Psychologie, Publizistik, Kunstgeschichte und Anglistik studiert und dieses Studium 1957 in den USA fortgesetzt. „Nennt mich nicht Nigger“ heißt eines der bekanntesten Bücher dieses großartigen Erzählers, in dem in Geschichten aus zwei Jahrzehnten auch seine Erlebnisse in den USA verarbeitet sind.

1957 gelang ihm mit diesem Buch der literarische Durchbruch. Mit vielen Preisen wurde sein Werk ausgezeichnet, unter anderem 1989 mit dem Literaturpreis Ruhr.

Mahnung und Gebet

Ein „Asphalt-Literat“, der nicht nur in den „Asphaltgebeten“ die Themen den Menschen abgelauscht hat, war Reding und später Gründungsmitglied der Schriftstellergruppe 61. Der Kampf gegen Gewalt und Kinder für das Lesen zu begeistern, war Josef Reding am wichtigsten.

Schon 2013 hat er seine Werke als Vorlass dem Dortmunder Fritz-Hüser-Institut für Literatur und Kultur der Arbeitswelt übergeben.

Mit seinen Büchern bleibt er in Erinnerung. Aber einer wie er, der Unterdrückten eine Stimme gegeben hat, wird fehlen. Seine Texte sind Mahnung und Gebet, sie rütteln auf und lassen schmunzeln. Dafür sagen wir das Wort, das Josef Reding in einem Gedicht „Das schwerste Wort“ genannt hat: „Danke“.

Schlagworte:
Lesen Sie jetzt