Leonide (14) steckte wegen Polizei-Großeinsatz in Stadtbahn-Tunnel fest

dzFahndung nach Raubüberfall

Unterbrochene Linien, gesperrte Stationen: Tausende Stadtbahn-Nutzer waren am Freitag vom Polizei-Großeinsatz in Dortmunds City betroffen. Einige steckten sogar kurz fest - wie Leonide (14).

Dortmund

, 27.06.2020, 19:11 Uhr

Der Polizei-Großeinsatz nach einem bewaffneten Raubüberfall am Freitagnachmittag hat für mächtig Aufsehen im Dortmunder Zentrum gesorgt. Ein Helikopter kreiste auf der Suche nach flüchtigen Tätern über der Stadt, Polizisten mit Maschinenpistolen waren unterwegs.

Die Fahndung schrieb aber auch für unzählige kleine Geschichten - etwa die von Leonide Kaplan. Die 14-jährige Dortmunderin war mit ihrer kleinen Schwester gerade auf dem Weg nach Hause, als ihre Stadtbahn abrupt im Tunnel zwischen Kampstraße und Westentor stoppte.

„Wir sollten Geduld haben und nicht die Türen aufbrechen“

„Am Anfang gab es eine Durchsage, dass es gleich weitergeht“, erzählt die 14-Jährige, „aber dann sagten sie, dass es was mit der Polizei zu tun habe. Wir sollten Geduld haben und nicht die Türen aufbrechen.“

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Polizei-Großeinsatz: Leonide (14) steckte im Stadtbahn-Tunnel fest

Was Leonide zu dem Zeitpunkt nicht wusste: In der Stadtbahn-Station vor ihr war die Polizei gerade dabei, drei Männer festzunehmen. Sie wurden verdächtigt, am Raubüberfall beteiligt gewesen zu sein - ein Verdacht, der sich später nicht erhärtete. Auf der Zwischenebene der Station wurden sie gefesselt und von schwer bewaffneten Polizisten bewacht. Die gesamte Station wurde abgeriegelt.

Nach etwa einer halben Stunde ging es weiter

So war auch die Ost-West-Verbindung der Stadtbahn mit den Linien U43 und U44 unterbrochen. Nach etwa 30 Minuten des Wartens, erzählt Leonide, ging es dann doch weiter für die Stadtbahn, in der sie und ihre Schwester saßen - aber in die andere Richtung: „Wir fuhren zurück zur Kampstraße.“

Von dort gingen die Schwestern zu Fuß zum Westentor, wo ihre Mutter sie in Empfang nahm. Angst gehabt habe sie nicht, erzählte sie noch vor Ort vor dem Glaswürfel der Westentor-Station, durch dessen Scheiben man die Festgenommenen ein Stockwerk tiefer auf dem Boden sitzen sah: „Ich war eigentlich ruhig. Meine Mutter erzählte mir am Telefon, was oben los war, das da ein Hubschrauber war.“

Sprach‘s und machte sich mit ihrer Mutter und ihrer Schwester auf den Weg nach Hause.

Bis sich der Stadtbahn-Verkehr wieder normalisierte, dauerte es noch eine Weile: Erst gegen 20 Uhr hob die Polizei die letzten Sperrungen auf. Zuvor waren in den Stationen am Westentor und in der Kampstraße noch Spuren gesichert worden.

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